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RSWK- und SWD-Anwendung im BVB


RSWK-Anwendung und SWD-Redaktionsverfahren im Bibliotheksverbund Bayern

 

von Gerhard Stumpf

 

 

Verbale Sacherschließung im Rahmen der Verbundentwicklung

 

Die kooperative Vergabe von Schlagwörtern für Neuzugänge und große Teile der älteren Bestände begann in den bayerischen Hochschulbibliotheken bereits Anfang der 1970er Jahre, zunächst beschränkt auf die neu gegründeten Universitätsbibliotheken (Regensburg, Augsburg, Bamberg, Bayreuth, Passau, Eichstätt). Als Regelwerk standen damals nur Vorstufen zu den RSWK zur Verfügung; es gab keine Normdatei und die Möglichkeiten, eine einheitliche Anwendung durchzusetzen, waren im Zeitalter der Offline-Kataloge (Mikrofiche) begrenzt. Neben dem Vorteil einer immer breiteren und intensiveren Erschließung entstand so auch ein Nachteil, da nach dem Erscheinen der RSWK (1986) erhebliche Mengen an Altdaten wieder zu korrigieren waren. Zur Unterstützung wurden für die frühere Verbunddatenbank maschinelle Verfahren entwickelt. Daneben waren aber durch alle von den Korrekturen betroffenen Bibliotheken erhebliche manuelle Arbeiten zu leisten.

 

Nach 1980 kamen auch die älteren Universitätsbibliotheken, die Fachhochschulbibliotheken und die staatlichen Regionalbibliotheken in den Verbund, dazu eine Reihe von Behörden- und Spezialbibliotheken. Alle Verbundteilnehmer wurden auf die kooperative Beschlagwortung nach RSWK verpflichtet. Aus den von Fachleuten überprüften Schlagwörtern des BVB entstand 1987 die Standardschlagwortliste, die 1988 mit den Schlagwörtern der Deutschen Bibliothek zur Schlagwortnormdatei (SWD) zusammengeführt wurde. Ab 1989 migrierte der Verbund auf das Online-System BVB-KAT. Hier wurde eine Stammdatei mit Datensätzen für einzelne Schlagwortketten geführt, die bibliotheksspezifisch durch Ansigeln ins eigene Lokalsystem übernommen werden konnten, aber nicht mussten.

 

Im neuen Verbundsystem Aleph 500, das im Mai 2004 in Betrieb ging, wurde die Fremddatenübernahme umgestellt. Aus externen Fremddaten (DNB, andere Verbünde) stammende oder im Verbund vergebene Schlagwörter sind Allgemeinbesitz. Die vorhandenen, früher lokalspezifisch verknüpften Ketten wurden additiv allen Bibliotheken mit Besitznachweis am Titel zugespielt. So entstand z.T. an älteren Titeln die uneinheitliche und redundante Beschlagwortung, die heute bei manchem externen Betrachter Befremden auslöst. Im BVB herrscht eine relativ liberale Kooperation: jeder darf im Titelbereich - regelgerecht und nach bestem Wissen und Gewissen - alle Fremddaten korrigieren. Die Verbundredaktion überwacht das Geschehen stichprobenartig und greift bei systematischen Fehlern und Auswüchsen ein. Rückmeldung erfolgt nur in gravierenden Fällen.

 

Heutige Situation

 

An der kooperativen Schlagwortvergabe nehmen heute aktiv teil: die Bayerische Staatsbibliothek, alle Universitätsbibliotheken (an der UB Passau nur einzelne Fächer), fast alle Fachhochschulbibliotheken, alle Regionalbibliotheken, ca. 34 sonstige Bibliotheken – das sind insgesamt etwa 75 Teilnehmer. Die RSWK und die SWD sind verbindlich. Als Koordinierungsstellen (Verbundredaktion) fungieren die BSB und die UB Augsburg. Als SWD-Redaktionen teilen sie sich die Zuständigkeiten wie folgt auf: die BSB für Personen, Personen/Werktitel, Geographika, Körperschaften, die UB Augsburg für Sach- und Zeitschlagwörter sowie Werktitel. Daneben erfasst auch die UB Regensburg Personennamen.

 

DNB-Schlagwörter werden mit 1-2 Wochen Verzug automatisiert nachgeführt. Auch sie dürfen von allen Bibliotheken korrigiert und ergänzt werden. Im Titelsatz ist nicht erkennbar, welche Bibliothek (bzw. ob DNB) Urheber einer Schlagwortkette ist.

Auf eine verständliche syntaktische Verknüpfung wird Wert gelegt, ebenso auf Permutationen (Output: Kettenregister, jetzt auch im OPAC). Allerdings wurde zur Arbeitserleichterung in Aleph 500 eine maschinelle Permutation eingeführt, die einem vorgegebenen Schema folgt.

 

Die Beteiligung der einzelnen Häuser folgt ganz unterschiedlichen Voraussetzungen und Schwerpunkten. Festzuhalten ist, dass lokale Redaktionen  für eine Revision der zu den Titeln vergebenen RSWK-Ketten nicht (mehr) die Regel sind.

 

         In der BSB beschlagworten die  Referenten (Fach- und Länderreferate) sowie die Sonderabteilungen selbstständig und weitgehend ohne Nachkontrolle (Schlagwortrevision); für die hoch spezialisierte Literatur, insbesondere aus den Sondersammelgebieten (nur diese wird außerdem grob mit einfachen DDC-Notationen erschlossen) hat die verbale Inhaltserschließung große Bedeutung; daraus resultieren sehr viele Neuansetzungen.

         In den meisten Universitätsbibliotheken erfassen die Fachreferenten seit 2004 (Einführung des Aleph-Systems) ihre SE-Daten direkt in Aleph, es gibt i.d.R. keine lokale Redaktion; neue Schlagwörter melden die Fachreferenten selbst an die Verbundredaktion.

         In einigen Häusern (z.B. Augsburg, Regensburg) schreiben die Fachreferenten weiterhin Schlagwörter auf Laufzettel; die lokale Redaktion überprüft und erfasst sie im Titelsatz.

         Bei FH-Bibliotheken und anderen kleineren Einrichtungen liegen Formal- und Sacherschließung in einer Hand und müssen mit geringem Personalaufwand betrieben werden; hier gibt es kaum Neuansetzungen.

         In den staatlichen Regionalbibliotheken ergeben sich aus der arbeitsteiligen Aufsatzerschließung für die Bayerische Bibliographie zahlreiche Neuansetzungen.

         Auch einige Spezialbibliotheken betreiben Aufsatzerschließung mit zahlreichen Neuansetzungen.

 

Der BVB lieferte im Jahr 2006 13.982 neue Schlagwörter in die SWD, die von 41 verschiedenen Bibliotheken stammten. Mit 7.596 steuerte die BSB den Löwenanteil bei. Danach sind am stärksten die Bibliotheken mit regionalbibliographischen Aufgaben vertreten (z.B. UB Würzburg 1.292, Bibliothek des Deutschen Museums 586, Bibliothek des Instituts für Zeitgeschichte 498) und einige Bibliotheken, die sich an der Aufarbeitung von Altdaten beteiligen (UB Augsburg 859, UB Regensburg 582, UB Bamberg 419). Die Neumeldungen werden von den Teams aus DiplombibliothekarInnen und Erfassungskräften in den beiden Verbundredaktionen arbeitsteilig so abgearbeitet (autorisiert und in der überregionalen SWD erfasst), dass die BSB für alle Geographika, Körperschaften und Werktitel mit Personen zuständig ist, die UB Augsburg für Sachschlagwörter und Werktitel (Indikator t). Von den Personenschlagwörtern bearbeitet die BSB die im eigenen Haus anfallenden und die UB Augsburg den gesamten Rest aus dem Verbund.

 

 

Fremddatenübernahme, Aleph-Routinen und Qualitätskontrolle

 

Wenn zu einem bereits verwendeten Titelsatz noch Schlagwörter als Fremddaten der Deutschen Nationalbibliothek nachgeliefert werden, überschreiben diese alle zuvor vorhandenen Schlagwortketten aus dem Verbund. Falls eine von einer Verbundbibliothek stammende Kette auf jeden Fall erhalten bleiben soll, muss das zugehörige Feld "Erläuterungen zur Schlagwortkette" (MAB 904, 909 usw.) mit einem „b“ belegt werden. Dann werden diese Ketten nach der Einspielung der DNB-Ketten im Anschluss an diese angefügt.

 

In geringerem Umfang werden Titelaufnahmen mit Schlagwörtern per Z39.50 aus anderen Verbünden übernommen. Die kooperative Neukatalogisierung soll eine automatisierte Anreicherung mit fremder Sacherschließung bringen, doch deuten erste Versuche nicht auf nennenswerte Vorteile hin.

 

Der Setup im Aleph-System enthält Validationen für die Schlagwortfelder. So ist keine Freitexterfassung ohne Verknüpfung zur Normdatei möglich außer bei den Indikatoren f und z; Permutationsmuster werden auf Stimmigkeit hinsichtlich der Zahl der Kettenglieder überprüft.

Eine maschinelle Permutation greift, soweit keine Permutationsmuster von Hand erfasst werden. Sofern das MAB-Feld 903, 908 usw. nicht belegt ist (z.B. durch Permutationsmuster aus Fremddaten oder selbst eingegeben), wird beim Abspeichern automatisch nach folgendem Schema permutiert:
bei 2 Kettengliedern:    2 1       (manuelles Permutieren ist hier nie erforderlich)
bei 3 Kettengliedern:    2 1 3,  3 1 2
bei 4 Kettengliedern:    2 1 3 4,  3 1 2 4,  4 1 2 3
bei 5 Kettengliedern:    2 1 3 4 5,  3 1 2 4 5,  4 1 2 3 5,  5 1 2 3 4
bei 6 Kettengliedern:    2 1 3 4 5 6,  3 1 2 4 5 6,  4 1 2 3 5 6,  5 1 2 3 4 6,  6 1 2 3 4 5

Beim Abspeichern werden Lücken in der Kategorienfolge automatisch geschlossen (z.B. nach dem Entfernen einer Schlagwortkette).

 

 

Neuansetzungen und Datenpflege in der SWD

 

Ein vorläufiger Satz wird in der regionalen Normdatei (BVB12) angelegt (er erhält beim Abspeichern eine BV-Nummer) und sofort mit dem Titel verknüpft. Im anwenderspezifischen Feld 078_ wird eingetragen:

·        Selektionskennzeichen (Ziffer, gibt den Status an)

·        Urheberkennung (z.B. B20 = UB Augsburg)

·        Indikator des Schlagworts (bzw. gt, pt)

Die beiden Verbundredaktionen selektieren mit Hilfe dieser Kennungen die Datensätze, die in ihre Zuständigkeit fallen, redigieren und autorisieren sie und geben sie in PICA-ILTIS ein. Anschließend wird die überregionale SWD-Nummer in Aleph an Stelle der BV-Nummer in den Interimssatz eingetragen.

Mit dem nächsten Änderungsdienst (nach ca. einer Woche) überschreibt der überregionale Satz den Interimssatz und hebt ihn auf eine Stufe, auf der er nicht mehr geändert werden kann.

 

Dieses Verfahren wird sich mit der Einführung der Online-Kommunikation mit den Normdateien ändern. Zuerst in der PND für die Personenschlagwörter, dann für die gesamte SWD werden die von einzelnen Bibliotheken erfassten Neuansetzungen sofort in die überregionale Normdatei geladen, zeitnah zurückgeliefert und später von der Verbundredaktion autorisiert werden.

 

Die redaktionelle Tätigkeit der Verbundredaktionsteams besteht im BVB derzeit im Wesentlichen in

 

  • allen Arbeiten im Zusammenhang mit Neumeldungen (Überprüfen der Neuansetzungen in Nachschlagewerken, ggf. ergänzen und korrigieren und evtl. in Aleph nachziehen)
  • Bereinigungen in Aleph auf Grund von SWD-Löschungen
  • laufenden Korrekturen an Altdaten
  • Korrektur von Fehlern in der Schlagwortverknüpfung in Titelsätzen, soweit sie durch formale Abweichungen im Index erkennbar sind

 

Es wird versucht, bei der Neueinführung von Begriffen auch rückwirkend zu korrigieren, wenn die Notwendigkeit erkannt wird. In der Erschließungsterminologie Konsistenz auch bezüglich älterer Titeldaten zu bewahren, wird als für die Effizienz und Akzeptanz der Schlagwortsuche entscheidende Aufgabe angesehen.

(Oktober 2007)