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Stumpf: Mühen, Erfolge und Chancen (2000)


Gerhard Stumpf

Mühen, Erfolge und Chancen der Kooperation : Eine Bilanz aus 25 Jahren Schlagwortarbeit im Verbund

(zuerst erschienen in "Bibliotheksforum Bayern" Jg. 28 (2000), H.1, S.55-83)

 

Der letzte der verbalen Sacherschließung aus Verbundperspektive gewidmete Beitrag in dieser Zeitschrift erschien 1983.1 Seitdem haben sich Bedingungen, Leistungen und Perspektiven dieses Bereichs auch ohne allzu spektakuläre Neuerungen deutlich verändert und erweitert. Der folgende Bericht, der Rück- und Ausblick zu verbinden sucht, nimmt ein Jubiläum zum Anlass: seit nunmehr 25 Jahren wird kooperative Schlagwortkatalogisierung im Bibliotheksverbund Bayern betrieben.

1.   Kooperative Sacherschließung im Wandel 1975-2000

1.1   Organisation im Verbund

1.1.1   Die "Pionierphase"

Die gemeinsame Schlagwortarbeit im Bibliotheksverbund Bayern begann vor genau 25 Jahren. Auf einer Besprechung am 30.6.1975 entschieden sich die Vertreter der schon existierenden vier Neugründungen dafür, den Schlagwortkatalog nach dem Vorbild der Universitätsbibliothek Augsburg als eigenständigen Katalog zu führen.2 Die Universitätsbibliothek Regensburg hatte bis dahin neben der systematischen Aufstellung für einige Fächer einen Stichwortkatalog mit leichten Normierungen,3 die Universitätsbibliothek Augsburg seit 1971 einen Schlagwortkatalog nach den modifizierten "Erlanger Regeln" geführt.4 In beiden Bibliotheken wurde jedoch hierfür das gleiche Verarbeitungsprogramm eingesetzt.5 Bald nach ihrer Gründung 1970 hatte die Universitätsbibliothek Augsburg mit ihrer Entscheidung, die Regensburger Systematiken zu übernehmen, Fremdleistungen abgerufen; damit war der Grundstein zum Verbund in der Sacherschließung gelegt. Wie im Datenformat, in der alphabetischen Katalogisierung und in der Verbundklassifikation konnten die Universitätsbibliotheken Bayreuth, Bamberg und (später) Passau und Eichstätt nun auch im Schlagwortbereich von Vorleistungen aus Regensburg und Augsburg profitieren und bald ihrerseits Fremddaten anbieten.

Schon in den 1970er Jahren kam es also zum raschen Aufbau einer umfangreichen Datenbank,6 jedoch noch ohne ein für ganz Bayern verbindliches Regelwerk. Die Bayerische Staatsbibliothek und die alten Universitätsbibliotheken arbeiteten dann bereits nach der Regelwerks-Vorversion von 1982,7 während der "alte Verbund" der neuen Universitätsbibliotheken noch bei den Augsburger "Regeln für die Schlagwortvergabe"8 blieb und erst seit 1983 die Vor-RSWK übernahm. Mit dem Erscheinen der RSWK-Endfassung 1986 und der Standardschlagwortliste (SWL) 1987 (seit 1988 Schlagwortnormdatei) gab es zwar eine gemeinsame Grundlage, ein Katalogab- oder umbruch kam jedoch bei den ursprünglichen Verbundbibliotheken nicht in Frage. Es blieb ein schrittweiser Übergang mit der wohl "größte[n] Umarbeitung bestehender Kataloge in Deutschland",9 die unter der Regie der Universitätsbibliothek Augsburg und des Leiters der 1975 für den Verbund eingerichteten Koordinierungsstelle, Dr. Friedrich Geißelmann, in engem Kontakt mit den Verbundbibliotheken unternommen wurde. Allein im Frühjahr 1984 wurden ca. 226000 Schlagwortkorrekturen veranlasst.10 Zusätzlich mussten auch die früher vergebenen Schlagwörter der alten Universitätsbibliotheken eingearbeitet werden. Von der Deutschen Bibliothek waren damals noch keine Fremddaten zu erwarten. Die "Pionierphase" war also alles andere als ein stetiger Fortschritt, zog sich deshalb auch in die Länge und stellte an alle Beteiligten große Anforderungen. Korrekturen an den in der Frühzeit des Verbundes entstandenen Schlagwörtern fallen auch heute noch sporadisch an.

Die Kooperation umfasste schon immer eine relativ starke Koordinierungsstelle (ab März 1988 mit Augsburg und der Bayerischen Staatsbibliothek zwei), dann ein gemeinsames Regelwerk und die Schlagwortnormdatei, basierte aber auf weitgehender Freiheit der Beschlagwortung in der einzelnen Bibliothek. Mit der Zeit erlangten die kooperativ geschaffenen Standardlisten (der auf der SWL basierende "S-Bestand", auch "Neue Liste" genannt, die SWL und die SWD) mehr Qualität und Autorität gegenüber der ggf. abweichenden Terminologie einzelner lokaler Kataloge. Die Verbundredaktionen versuchen seit jeher durchzusetzen, dass alle Sachentscheidungen mit dem Blick auf die gemeinsame Verbunddatenbank und nicht mit dem verengten Blick auf den eigenen Katalog getroffen werden;11 dies zu erzwingen und eine Normierungen ignorierende Praxis zu verhindern, war jedoch nie möglich.

Am Anfang stand das Ziel, überall für die gleiche Sache auch die gleiche Bezeichnung zu verwenden. Eine Normierung der Synonyme, d.h. der Siehe-Verweisungen bei Sachschlagwörtern, wurde vereinbart. In der ersten Phase entstand ein Verweisungsregister, das 1981 – noch als Papierausdruck - 14 000 Siehe-Verweisungen zu Sachschlagwörtern enthielt. Kumuliert mit den Verweisungslisten der Universitätsbibliothek Erlangen, der Universitätsbibliothek München und der Bibliothek der Technischen Universität München konnten 1982 fächerweise Auszüge an fachlich qualifizierte, freiwillige Bearbeiter im Verbund versandt werden. Leider wurden die bis dahin vorhandenen Verweisungen zu wenig kritisch hinterfragt, was später im Zuge neuer Recherchen zu aufwendigeren Korrekturen führte. Nachteilig war, dass die Kontrolle der Verweisungen zu wenig mit der danach einsetzenden Bearbeitung der Ansetzungsformen für den Aufbau einer Normdatei koordiniert wurde. Aus der aktuellen Literaturbearbeitung resultierende Terminologiefragen hatten damals schon Vorrang vor dem Abbau von "Altlasten". Schließlich mussten bei diesen Aktionen auch die gleichzeitigen Veränderungen des Regelwerks auf dem Weg zu seiner Endfassung verkraftet werden. Aus dieser Zeit stammen die bis in die 1990er Jahre vernehmbaren Klagen über unergiebiges "Hin- und Herkorrigieren". Es ist aber offensichtlich, wie stark die bei der Arbeit an der Verweisungsliste, dem "Hauptinstrument für die Umstellung der Beschlagwortung auf die RSWK",12 zu lösenden Probleme denen ähneln, die später für die SWD-Kooperation im Vordergrund standen. Die bayerische Verweisungsliste von 1981-1984 hat als echter Vorläufer der Standardschlagwortliste methodische und inhaltliche Grundlagen auch für die SWD geschaffen.

Am meisten spürten die mit kooperativer Sacherschließung verbundene Belastung die freiwillig bei der Terminologiebildung mitwirkenden Kolleginnen und Kollegen "vom Fach". Besonders in den Jahren 1981-1987 mussten Experten aus zahlreichen Bibliotheken für die retrospektive Sichtung der vergebenen Schlagwörter vor ihrer Aufnahme in die Standardschlagwortliste mithelfen. Auf dieses fachliche Potenzial konnte der Verbund auch in der Zeit der SWD bis heute bauen.13 Immerhin wurde von Generaldirektor Dr. Dünninger betont, dass auch die weitere "Bearbeitung der Schlagwortnormdatei zu den Dienstaufgaben gehört, obwohl der Nutzen der Arbeit weit über die jeweilige Bibliothek hinausreicht".14 Ein solches Engagement für die Schlagwortkatalogisierung kann heute kaum noch erwartet werden. Das heutige breite Aufgabenspektrum der Fachreferentinnen und –referenten (z.B. in Management, Projektbetreuung, Sonderaufgaben, Benutzerberatung) lässt vielfach nur noch 10-20% der Arbeitszeit auf die Sacherschließung entfallen. Hierbei hat die Erschließung der Neuzugänge natürlich Vorrang vor zusätzlicher Terminologiearbeit. Im Lauf der Jahre haben denn auch einige für die SWD tätige Experten wegen Überlastung um Entbindung von dieser Funktion gebeten, zu der heute vor allem die kritische Durchsicht der SWD-Änderungslisten und die Beantwortung von Anfragen gehört.

Auch die Abstimmung mit den Referentinnen und Referenten der Deutschen Bibliothek und der anderen Verbünde war und ist eine nicht immer leichte Aufgabe. Kooperation in der Sacherschließung impliziert stets die Möglichkeit unterschiedlicher fachlicher Meinungen. Einerseits ist in wissenschaftlichen Materien die Heranziehung mehrerer Fachleute einer Disziplin stichfesten Ergebnissen förderlich, andererseits kann es zu Kontroversen kommen, die die verschiedenen Standpunkte innerhalb der Wissenschaft spiegeln und z.T. noch durch bibliothekarische Aspekte (z.B. Fragen der Benutzerführung, der Indexierungssicherheit und Datenkonsistenz und des Arbeitsaufwands) akzentuiert werden. In den Anfängen der Kooperation im Verbund und mit der Deutschen Bibliothek gab es auch diverse atmosphärische Störungen, weil die Zusammenarbeit noch zu wenig institutionalisiert und der weitere Weg unsicher war. Ohne den jahrzehntelangen Einsatz vieler, die die Terminologiearbeit als wichtigen Teil ihres Berufsbildes verstanden, hätten sich die heute sichtbaren Erfolge nicht eingestellt. "Die Motivation, die davon ausgeht, dass mehrere Kollegen verschiedener Bibliotheken an gleichen Problemlösungen arbeiten, darf nicht unterschätzt werden."15 Mit dieser Feststellung hatte Rudolf Frankenberger sicher recht.

Die Belastung der Verbundredaktionen durch die Aufarbeitung der SWD-Meldungen war allerdings zeitweise so hoch, dass die erheblichen Rückstände erst Mitte der 1990er Jahre abgebaut werden konnten. Zudem hatte sich die Verbundredaktion bis um 1990 nicht in der Lage gesehen, etwa die SWD-Systematik-Notationen differenziert anzugeben.16 Meldungen anderer Bibliotheken konnten mit einem Abstand von maximal zwei Monaten eingearbeitet werden. Im Gegensatz zu den heutigen Anstrengungen um die Aufarbeitung der Altdaten wurde bis dahin auch nur das in das Meldeverfahren einbezogen, was gegenüber dem Verbundkatalog neu war, nicht aber das dort bereits Vorhandene, das nur für die SWD neu war.17

1.1.2   Die "Konsolidierungsphase"

Auch heute können die Verbundredaktionen auf eine Zusammenarbeit mit Fachleuten keinesfalls verzichten. Da auch bei anderen SWD-Partnerverbünden (vor allem der Südwestdeutsche Bibliotheksverbund, der Nordrhein-Westfälische Bibliotheksverbund, der Gemeinsame Bibliotheksverbund, der Verbund wissenschaftlicher Bibliotheken Österreichs) inzwischen verteiltes Fachwissen zur Verfügung steht, ist für die qualifizierte Lösung einzelner Terminologieprobleme in der Regel gesorgt. Der in den 1980er Jahren dominierende Einfluss Bayerns ist zwar der Rolle eines unter inzwischen sieben großen Verbundpartnern gewichen. Es wird aber nach wie vor Wert darauf gelegt, bei allen wichtigen Entscheidungen mitzuwirken. Bei weniger gewichtigen Fragen kann aber auf der Basis des in SWD, Verbunddatenbank und Nachschlagewerken dokumentierten Wissens auf die Einschaltung der Experten häufig verzichtet werden.

Der Teil des Arbeitsaufwands, der nach der Schlagwortvergabe vor Ort liegt, also die Überprüfung von Schlagwörtern, Korrekturen, fachliche Stellungnahmen usw. hat sich für die meisten Bibliotheken im Lauf der letzten zehn Jahre deutlich verringert. Unverzichtbar bleibt die an einigen größeren Häusern, aber auch einigen Spezialbibliotheken im Interesse der gemeinsamen Datenqualität freiwillig geleistete Arbeit. Neben ggf. aktiven Fachleuten liegt die Verantwortung hier bei den Lokalredaktionen oder den für die Inhaltserschließung zuständigen Mitarbeitern. Den in mancher Weise aktiven Bibliotheken verdankt die Verbundgemeinschaft sehr viel. Da diese Aktivität meistens vom Engagement einzelner Kolleginnen und Kollegen abhängt, kann es hier durch personelle Veränderungen wie die in den kommenden Jahren zu erwartenden Pensionierungen leicht zu "Einbrüchen" kommen. Lokale Kompetenz wird im Sinn einer Qualitätskontrolle wichtiger, wenn Schlagwörter zunehmend dezentral vergeben und erfasst oder als Fremddaten übernommen werden. Die Unterhaltung effektiv arbeitender Redaktionsstellen (die in der Regel eine halbe bis eine Personalstelle benötigt) ist wohl einer stärkeren Belastung der Fachreferate vorzuziehen, doch kann es an einzelnen Bibliotheken auch durchaus funktionieren, wenn die Qualitätskontrolle ausschließlich vom Fachreferat geleistet wird.

Die prinzipiell verteilte, aber de facto heute stark konzentrierte Bearbeitung der BVB-Schlagwortdatei mit direkter Auswirkung auf die lokalen Kataloge ist offensichtlich effizienter als das frühere Verfahren, das aus technischen Gründen eine umständliche, auf lokale Ressourcen wenig Rücksicht nehmende Arbeitsverteilung erforderte, und wohl auch besser als eine grundsätzlich zentrale Bearbeitung mit hoher Belastung einer oder zweier Redaktionen und stärkerer "Bevormundung" der Verbundteilnehmer. Gegen eine noch stärkere Zentralisierung sprach bisher auch, dass hierfür Mitarbeiter aus den betroffenen Institutionen (Bayerische Staatsbibliothek und Universitätsbibliothek Augsburg) über Gebühr hätten eingesetzt werden müssen, weil die Generaldirektion kein bibliothekarisches Personal anbieten konnte und es nicht erreichbar war, entsprechende neue Stellen bei der Verbundzentrale zu schaffen.

Wie wichtig bei dieser Aufgabenverteilung eine gute Zusammenarbeit zwischen der Bayerischen Staatsbibliothek und der Universitätsbibliothek Augsburg ist, ist immer deutlicher geworden. Lange Zeit schien es, als sollte es nie gelingen, die Bayerische Staatsbibliothek mit ihren quantitativ beachtlichen, aber in verschiedenen Punkten auf Grund anderer Regelgrundlage und lokaler Faktoren (extensive Kompositabildung als Hinterlassenschaft des alten Schlagwortkatalogs, z.T. detailliertere Erschließung mit mehr Individualnamen, Verzicht auf SWD-Meldungen für Analogansetzungen) abweichenden Daten an die Praxis der übrigen Verbundbibliotheken und der Deutschen Bibliothek, die sich ziemlich strikt an die RSWK von 1986 und die SWD hielten, heranzuführen. Denn der Wunsch, Konsistenz im eigenen Katalog zu bewahren, war das größte Hindernis für eine raschere Vereinheitlichung. Dass es doch gelang, ist in erster Linie der Überzeugungskraft normierender Festlegungen der überregionalen Kooperation zuzuschreiben. Außerdem konnten die Referenten der Bayerischen Staatsbibliothek ihre Meinung z.T. erfolgreich in SWD und RSWK-Praxisregeln einbringen. Die Bayerische Staatsbibliothek begann im Februar 1989, belastet mit einem Rückstau von 14 000 Meldungen, mit der Online-Erfassung für die SWD.18 Schließlich konnte sie in einer großen Kraftanstrengung seit 1997 ihre Rückstände vollständig abbauen.19 Die engere Zusammenarbeit der beiden Verbundredaktionen selbst lässt sich ebenfalls an vielen Fortschritten ablesen. Beispielsweise werden die in Augsburg gesammelten zentralen Korrekturen vor ihrer Veröffentlichung im Verbund mit der Bayerischen Staatsbibliothek abgesprochen. Die Bayerische Staatsbibliothek korrigiert in erheblichem Umfang im Bereich Personen/Geographika/Körperschaften, um die Kongruenz mit der SWD zu halten. Bewusste bibliotheksspezifische Abweichungen von der SWD gibt es seit einigen Jahren gar nicht mehr; die Arbeitsgrundlage ist im gesamten Verbund gleich. Im Übrigen ist die Erschließungsbreite und –qualität der Bayerischen Staatsbibliothek längst zur großen Stütze der übrigen wissenschaftlichen Bibliotheken geworden. "Problemfälle" mit schwankender oder unzureichender Qualität finden sich eher anderswo, wo die heute regelwidrigen "Altlasten" schwerer erkennbar waren und lokalspezifische Praktiken sich z.T. sehr lange behaupteten..

Die Abschaffung der seit 1979 bestehenden "Arbeitsgruppe für Schlagwortfragen bei der Generaldirektion", in der Vertreter aller Universitätsbibliotheken und einiger Fachhochschulbibliotheken zusammenkamen, und die Gründung einer kleineren "Kommission für Sacherschließung" im Jahr 1995, in deren Aufgabenspektrum die Einzelfragen der RSWK-Anwendung nur noch ein Teil sind, markiert einen deutlichen Einschnitt. Für den Verbund insgesamt bedeutet auch das eine stärkere Konzentration bzw. Zentralisierung. Diese äußert sich aber weniger in die Bibliotheken entmündigenden Direktiven, sondern einerseits in einer starken Verlagerung der Korrekturarbeit auf die Verbundredaktionen und damit einer Entlastung der meisten Verbundteilnehmer, andererseits in dem Bestreben der Verbundredaktionen, mit Dienstleistungsangeboten die Motivation der Bibliotheken zur Kooperation zu steigern und z.B. allen effektive Möglichkeiten zur Mitgestaltung der SWD zu bieten. Hinzu kommt eine weniger restriktive Tendenz der RSWK (3.Auflage), was der Erschließung von Spezialmaterialien, der zusätzlichen Erfassung spezieller Aspekte und tieferer Erschließung im Allgemeinen entgegenkommt.

Augenfällig ist der Wandel auch in Form und Inhalt der Augsburger "Schlagwort-Infos". Wurden zunächst Siehe-Verweisungen und Informationen über einzelne Schlagwörter (Ansetzungsentscheidungen, z.T. auch Verwendungshinweise) über ein PC-Programm auf perforiertem Papier gedruckt und in Abständen von 6-8 Wochen versandt, um die nach Fächern verteilten Zettel in jeder Bibliothek den Fachreferenten für ihre Karteien zur Verfügung zu stellen, wurden 1992-1994 zusätzlich Info-Listen und ab 1995 nur noch einfache Listen erstellt, in denen der Anteil der Korrekturhinweise zu bestimmten Schlagwörtern stetig ab- und der Anteil allgemeiner Informationen zunahm. Ab Nr. 285 von 1997 erscheinen die Infos als eine Art Newsletter im WWW und werden nur noch an die Bibliotheken als Papierausgabe verschickt, die dies wünschen. Detaillierte Korrekturanweisungen an einzelne Bibliotheken gibt es kaum noch; Stellungnahmen werden nur in manchen Fällen angefordert und sind grundsätzlich freiwillig.

Ob man diesen Wandel im Kooperationsstil bereits als den Durchbruch zur "Verschlankung" werten darf, sei dahingestellt. Wahrscheinlich wird erst die Einführung eines neuen Verbundsystems mit der konsequenteren Fremddatenübernahme und der Integration der Normdateien die entscheidenden und alle Beteiligten stärker tangierenden Veränderungen bringen.

Der für die Sacherschließung erforderliche Aufwand auf lokaler Ebene sank in den 1990er Jahren auch wegen der sinkenden Zahl der Neuzugänge nach abgeschlossenem Bestandsaufbau an den neuen Universitäts- und Fachhochschulbibliotheken. Mit rückläufigen Erwerbungsmitteln und der Konzentration auf wichtige und gängige Literatur ging zugleich vielerorts der Anteil ausländischer und grauer Literatur zurück, die eher eine Sacherschließung in Eigenleistung erfordert. Man darf allerdings nicht übersehen, dass wegen der begrenzten Ressourcen und angesichts der prinzipiell nie völlig auszumerzenden subjektiven und situativen Faktoren in der Sacherschließung und des zum Teil geringen zu erwartenden Mehrwerts für die Benutzer auf manche eigentlich gewünschte Optimierung der Daten verzichtet wird. Betrachtet man den Personalaufwand für die Verbundredaktionen allein, so ist er heute nicht höher als in den meisten anderen Verbünden, wo man sich zum Teil auf eine einfachere SWD-Koordinierung beschränkt.

1.2   Technische Realisierung

1.2.1   Vom Offline- zum Online-, vom Ein- zum Mehrdateiensystem

Dass die Schlagwortketten zu den bibliographischen Daten im Titelsatz gehörten und nicht zu den Lokaldaten, bildete die Voraussetzung für gegenseitige Abrufe und also für alle Rationalisierungseffekte der Kooperation.20 Im Offline-Verbund musste aber jede Bibliothek Korrekturen für ihren Bestand selbst erfassen. Die Koordinierungsstelle fungierte deshalb weitgehend als Arbeitsverteilungsinstanz, ohne die Korrekturarbeit so effektiv bündeln zu können, wie es sachlich gerechtfertigt und auch damals schon organisierbar gewesen wäre. Die Vorbereitung Zehntausender Korrekturen an je einzelnen Titelsätzen blieb der Universitätsbibliothek Augsburg überlassen, jedoch oft nur, um dann auch kleine Fehler nicht nur der verursachenden, sondern jeder "betroffenen" Bibliothek (die die Titelaufnahme per Abruf übernommen hatte) zu melden. Ob die Korrekturen auch wirklich ausgeführt wurden, war nicht leicht zu kontrollieren. Auch wegen der periodischen Katalogproduktion durch die Verbund-EDV kam es zu unguten Verzögerungen, Überschneidungen und Doppelarbeit. So liefen die zentralen Korrekturen nur einmal halbjährlich zum jeweiligen Hauptausdruck, während sie heute zu beliebigen Zeitpunkten gestartet werden können. Die Folge war eine unerquickliche Zettelwirtschaft mit allerlei Interimskarteien.

Eine besonders schwierige Zeit war 1989-1993 das lange Nebeneinander von Online- und Offline-Verbund. Bis zur Einspeicherung der Daten der Universitätsbibliothek Erlangen als letzter großer Bibliothek enthielt der Verbundkatalog des Offline-Verbundes die neueren Daten der Online-Bibliotheken nicht mehr. Außerdem hatten die in BVB-KAT arbeitenden Bibliotheken kaum noch Einblick in die Praxis der übrigen, und die Fremddatennutzung war erschwert, zumal die Bibliotheken des Offline-Verbundes auch die Online-SWD nicht sehen konnten.21 Das Auseinanderdriften der Beschlagwortung zu verhindern, bedeutete erhöhten Aufwand für alle Beteiligten, insbesondere für die Verbundredaktionen, die mit beiden Verbundteilen zu tun hatten.

In der Zeit der Mikrofichekataloge gab es zahlreiche Arbeitsinstrumente nebeneinander. Für Korrekturarbeiten in den Redaktionen diente seit Herbst 1976 als Hauptinstrument das Verbund-Schlagwortregister auf Mikrofiche,22 daneben der lokale (seit 1974) und der Verbund-Schlagwortkatalog (seit 1983). Im Hinblick auf die Standardschlagwortliste pflegte die Universitätsbibliothek Augsburg 1982-1992 den "S-Bestand" der Normbegriffe und dazu die halbjährlichen Erfassungsprotokolle und eine nach Zielbegriffen geordnete Verweisungsliste, die jeweils auf Mikrofiche erschienen. Manche(r) wird sich nach etwa zehn Jahren Online-Katalog nur noch ungern an das zeitraubende Heraussuchen und Wechseln der Fiches aus verschiedenen Katalogen samt Supplementen und Registern erinnern, das sich bei der Redaktionsarbeit mit dem Ausfüllen der "k0-Zettel" abwechselte. In den Datenerfassungsstellen war erhebliche Arbeitskraft bei relativ monotoner Tätigkeit gebunden.

Zentrale Korrekturen, also Batch-Läufe zum Austausch eines Schlagworts durch ein anderes in allen Ketten, gibt es seit 1982. Damals bedeutete das den wichtigen Schritt von einer mehr empfehlenden Information über die Normierungen zu deren faktischer Durchsetzung in den Katalogen, mit dem Schönheitsfehler, dass bei Schlagwortänderungen die auf diese Begriffe zielenden Verweisungen manuell nachzuarbeiten waren (und bis heute sind). Diese maschinelle Unterstützung ist auch heute noch unentbehrlich; es hat sich aber gezeigt, dass die auf zwei Institutionen (Verbundredaktion und EDV-Verbundzentrale) verteilte Sammlung, Vorabinformation, Durchführung und Nachbereitung zentraler Korrekturen nur noch bei größeren Mengen lohnt, da sie auch bei 15-20 Datensätzen inzwischen relativ aufwendiger ist als manuelle Online-Korrekturen, wobei bei diesen außerdem noch intellektuelle Ad-hoc-Einzelfallentscheidungen zur Optimierung des Ergebnisses möglich sind. Wünschenswert wäre deshalb eine Möglichkeit einer "pauschalen" Online-Korrektur einzelner Schlagwörter bzw. Phrasen in größeren Treffersets durch den redaktionellen Bearbeiter selbst, ohne auf die Batch-Prozeduren der Verbundzentrale angewiesen zu sein. Ab 1988 brachte das Online-Verbundsystem BVB-KAT mit dem Mehrdateiensystem Titeldatei/Schlagwortkettendatei jedenfalls neue effektive Korrekturmöglichkeiten, ohne die in den 1990er Jahren die Daten nicht so gut zu bereinigen gewesen wären. In jüngster Zeit beschleunigten bessere Datennetze und leistungsfähigere Rechner die Online-Korrekturen so, dass z.B. die Universitätsbibliothek Augsburg 1999 mit weniger Personal doppelt so viele (51161) bewältigte wie 1995 (24936), die Bayerische Staatsbibliothek sogar 75777 gegenüber 27229.23

1.2.2   Umgang mit Norm- und Fremddaten

Bei der schon vor der Schaffung der SWD begonnenen Konzeption von BVB-KAT hatte man sich für eine Schlagwortkettendatei entschieden und eine direkte Einbindung der SWD nicht realisiert. Das brachte die erhofften Vorteile für eine Fortführung kettenspezifischer Korrekturen, erschwerte aber die Kontrolle über das verwendete und vor allem das neu eingeführte Vokabular. Die Normierungsarbeit hinkte der Indexierungsarbeit weiter hinterher. Die SWD war zwar von Anfang an für verbindlich erklärt worden, doch die Praxis sah zunächst anders aus. Zu viele ältere Schlagwörter, die nicht mit der Normdatei übereinstimmten, und auch noch ziemlich viel Wildwuchs bei neuer Begriffsbildung beeinträchtigten die Bemühungen. Die Koordinierungsstelle hatte zudem 1988-1992 mit dem Problem zu kämpfen, den für den Verbund aufgebauten und maßgeblichen "S-Bestand" der kontrollierten Schlagwörter mit der inzwischen geschaffenen überregionalen SWD kongruent zu halten.24

Bis 1992 war die SWD-Mikroficheausgabe unentbehrlich, denn erst seit 1992 gibt es in BVB-KAT die Anzeige der vollständigen SWD. Etwa ab dem Beginn der 1990er Jahre wurde, nicht zuletzt auf Grund der eingängigen gemeinsamen Anzeige der Ansetzungsformen der Normdatei und der Schlagwortketten des Verbundes bei der Schlagwortrecherche, ein Blick auf das gemeinsam Verbindliche zum Regelfall. Gab es 1992 noch "historisch bedingte Abweichungen, die z.T. mit Rücksicht auf die Konsistenz des jeweiligen Einzelkatalogs beibehalten werden",25 so liegt seit Jahren das Prinzip zu Grunde, lokale Abweichungen in der Terminologie zugunsten des SWD-Standards zu beseitigen oder aber die SWD nach besseren Vorschlägen zu ändern. Trotz erheblicher Mühen in einigen Fällen ist der Verbund damit gut gefahren und befindet sich mit dieser Zielsetzung im Einklang mit den anderen Verbundsystemen. Jedoch wurde in BVB-KAT der Zugang an neuen Schlagwörtern bis 1999 nicht maschinell überprüft. Es war bisher nur möglich, durch einen groben SWD-Abgleich Listen auszugeben, die eine retrospektive Abarbeitung erlauben. Da hierbei nach Häufigkeit der Verwendung eines Begriffs vorgegangen wurde, konzentriert sich der verbleibende Rest immer mehr auf "Eintagsfliegen" (auch Verschreiber), von denen anzunehmen ist, dass sie die terminologische Kontrolle im laufenden Betrieb kaum beeinträchtigen, weil sie nicht wieder gebraucht werden und meistens auch nicht mit den heute verwendeten Termini "kollidieren". Somit sind zwar noch einige Zehntausend Schlagwörter nicht in der SWD enthalten, doch sind andererseits sicher 99,x % der Titel im Verbund SWD-konform beschlagwortet.

Zwar hätte eine frühzeitige datentechnische SWD-Verknüpfung den Prozess einheitlicher Terminologieverwendung gefördert und zahlreiche z.T. zweifelhafte Neuansetzungen verhindert, doch hat sich die Entscheidung, eine Kettendatei als Verknüpfungs(Stamm)datei zu führen, für die Vereinheitlichung der Verwendung und Kettenbildung als vorteilhaft erwiesen. Je mehr Titel (von Dokumenten gleichen Themas) mit einem Kettensatz verknüpft sind, umso effektiver sind Korrekturen in dieser Datei. Nur relativ selten ist es nötig, auf den einzelnen Titel zuzugreifen, um Verknüpfungen zu ändern.

Von der Pflege nur des eigenen Katalogs zu einer effektiven Arbeit mit dem Verbund und der Normdatei zu kommen, heißt den eigenen Katalog in ein regionales und überregionales Netzwerk einzubinden. Ein Symbol für diese Notwendigkeit ist in BVB-KAT die Kennzeichnung durch ein Bibliothekssigel (BIK) bei den einzelnen Schlagwortketten, das nach unseren Konventionen "Zuständigkeit" markiert. Damit kann die einzige Bibliothek angezeigt sein, die diese Kette verwendet hat, aber auch bei mehrfacher Verwendung die Bibliothek, deren Daten zufällig zuerst eingespeichert wurden. Sonstige betroffene Bibliotheken sind in der Schlagwortdatei nicht erkennbar. Das bedeutet, dass – im Gegensatz zu den Mikrofichekatalogen, die die lokale Nutzung jeder Kette differenziert nachwiesen - bei der Arbeit im Online-Verbund der Aspekt der Gemeinsamkeit dominiert, dass Korrekturen auf Grund der vereinbarten "Zuständigkeit" zwar nie nur für andere erfolgen, aber in der Regel doch mehr für die lokalen Kataloge anderer Bibliotheken getan wird als für den eigenen und eine auf die rein lokalen Belange beschränkte Datenpflege nicht möglich ist. Diese Eigenschaft der Datenverwaltung hat als Faktor für die Herausbildung eines Bewusstseins für die verbundweite Konsistenz der Indexierung eine nicht geringe Bedeutung.26

Gewisse Aktionen sind in BVB-KAT aber weiterhin nur lokal möglich, z.B. das Anlegen neuer Verweisungen und das Ansigeln daran, sowie das Ver- und Entknüpfen von Schlagwortketten an Titelsätzen. Erst seit 1999 nutzen die Verbundredaktionen die Möglichkeit, in bestimmten Korrekturfällen mit fremden Kennungen zu arbeiten und für andere Bibliotheken bestehende Verknüpfungen zu ändern.

Was für andere Verbünde längst selbstverständlich ist, steht für den BVB erst noch bevor: dass alle an den Normsätzen einmal erfolgten SWD-Änderungen bei den verknüpften Titeln automatisch wirken und jede einen Normsatz nutzende Bibliothek ohne weiteres Zutun alle seine Elemente (z.B. Verweisungen) für ihren Katalog erhält. Eine weitere Konsequenz wird sein, auf verbundspezifische Verweisungen, wie sie bisher als eigene Datensätze existieren, zu verzichten, um die bisherige Doppelarbeit beenden zu können. Es ist wohl auch ein glücklicher Umstand, dass zuvor noch die Personennamendatei in das Verbundsystem integriert sein soll, was das Bewusstsein für die Bedeutung von Normdaten weiter fördern dürfte.

1.3   Kommunikations- und Entscheidungsstruktur

Stabilität, auch Belastbarkeit der Kooperationsverfahren ist eine wichtige Voraussetzung für eine dauerhafte Reduzierung des Aufwands. Dazu gehört neben den technischen Möglichkeiten zur Kommunikation und zur direkten Umsetzung von Änderungen auch ein Grundkonsens auf fachlicher, aber auch auf organisatorischer und psychologischer Ebene. Hier ist man in der SWD schon weiter als im BVB. Mit dem Wachsen des Verbundes und dem Ausbau der überregionalen SWD-Kooperation haben sich zwei unterschiedliche Modelle herausgebildet: in der SWD trotz der führenden Rolle der Deutschen Bibliothek ein prinzipiell demokratisches Prinzip, das auch Mehrheitsentscheidungen kennt, die Partner als Normdatenerzeuger aber stärker in die Pflicht nimmt; im Verbund eher ein Verfahren, das den aktiv an der Schlagwortarbeit mitwirkenden Bibliotheken stärkere Einflussmöglichkeiten bietet als den passiven Teilnehmern, aber eine gewisse Passivität erlaubt und auch Freiräume lässt. Selbstverständlich haben größere Bibliotheken von ihren personellen Ressourcen her ein größeres Potenzial, um mitreden zu können. Es hängt aber viel davon ab, wie große und kleine Bibliotheken ihre Ressourcen gemäß ihren eigenen Schwerpunkten hierfür einsetzen. Kriterien für das Gewicht, das hier zu gewinnen ist, können sein:

  • bestimmte vereinbarte formale Zuständigkeiten (z.B. als Verbundredaktion, aber auch darüber hinaus),
  • fachliche Kompetenz, die für die Terminologiearbeit eingesetzt wird,
  • Umfang und Qualität des eigenen Beitrags an Erschließungsdaten für den Verbund oder Normdaten,
  • die Aktivität bei der Datenpflege, die fast immer dem Verbund nützt, auch wenn sie zunächst im lokalen Interesse ist,
  • die freiwillige Übernahme bestimmter Aufgaben, die der Gesamtheit dienen

Die Verbundredaktionen sind bemüht, den Nutzen einer aktiven Beteiligung durch umgehende Erledigung der Wünsche bzw. Weitergabe von Anregungen sowie nach Möglichkeit durch Rückmeldungen zu demonstrieren. In der Regel sind die Bibliotheken, aus deren Redaktionen und Fachreferaten Anregungen kommen, auch eher zu Eigenleistungen durch Korrekturarbeiten usw. bereit. Durch raschere Recherchen, Verfügbarkeit elektronischer Nachschlagewerke am Arbeitsplatz, den Einsatz der SWD- und PND-Meldeformulare im WWW27 und das Kopieren von Bildschirminhalten und Datensätzen aus BVB-KAT und dem SWD/PND-Onlinesystem PICA-ILTIS in E-Mails hat sich eine enorme Beschleunigung von Entscheidungen ergeben. Drei Viertel der Verbundbibliotheken erhalten regelmäßige Mitteilungen, z.B. über geplante zentrale Korrekturen, über einen E-Mail-Verteiler. Nur wenige kleinere Bibliotheken sind noch auf konventionelle Wege angewiesen.

Zwischen den Verbundredaktionen einerseits und den Lokalredaktionen und Fachleuten andererseits sollte Transparenz herrschen, eine Voraussetzung auch für "redundanzfreies", wirtschaftliches Arbeiten. Das Medium hierfür ist das dynamische WWW, wo Neuigkeiten rasch erscheinen und publik werden können. Deshalb ist der Informationsfluss zwischen den Beteiligten nicht mehr so stark wie früher von der filternden und verzögernden Einschaltung bestimmter Personen und Stellen abhängig, an die Mitteilungen früher immer zu adressieren waren.

Die Verbundredaktionen selbst sind bestrebt, den Dienstleistungsaspekt stärker zu betonen und neben dem Service für die Verbundteilnehmer auch zur Imagepflege des Verbundes nach außen beizutragen. Primär müssen sie sich im Verbund selbst ein gutes Image erarbeiten. "Starrheit" und "Schwerfälligkeit"28 darf der heutigen kooperativen Arbeit nicht vorgeworfen werden können. Knappe personelle Ressourcen sollten nicht als Alibi dienen. Überregional wirkt z.B. die seit 1997 von der Bibliothek der Technischen Universität München aus den DDB-Diensten konvertierte und von der Universitätsbibliothek Augsburg wöchentlich per E-Mail an Redaktionen und Fachleute in Deutschland, Österreich und der Schweiz versandte WORD-Leseversion des SWD-Änderungsdienstes. In begrenztem Umfang sollten auch Bibliotheken der Region, die (noch) nicht zum Verbund gehören, beraten werden. Unterstützung bei der SWD-Anbindung wird bereits seit Jahren geleistet für die Münchner Stadtbibliothek und neuerdings für die Universitätsbibliothek der Bundeswehr in Neubiberg. Vielleicht hätten neue, kleinere Teilnehmerbibliotheken, wo zum Teil großes Engagement und Qualitätsbewusstsein anzutreffen sind, noch frühere und noch mehr Unterstützung verdient.29 Allerdings deutet sich heute an, dass auch die Verbundredaktionen, deren Personaldecke schrumpft, längerfristig nicht flächendeckend und dauernd individuelle Hilfe werden leisten können. Hilfe zur Selbsthilfe und der Aufbau größerer lokaler Eigenkompetenz zur Schaffung eines tragfähigen Verbundnetzes wird im Mittelpunkt stehen. Das heißt wohl, dass eine stärkere Dezentralisierung der Verantwortung unter dem Dach überregional anerkannter Standards und im Rahmen technischer Vorgaben des Verbundsystems unumgänglich ist.

1.4   Die Rolle Bayerns in der überregionalen Kooperation und im SWD-Verbund

Der überragende Anteil Bayerns an den Vorarbeiten zur Schlagwortnormdatei ist bekannt und allgemein anerkannt. Auch in den Jahren seit 1988 hat der Anteil der Neuansetzungen aus dem BVB den Beitrag jedes anderen Partners der Normdatei weit übertroffen. Obwohl im Lauf der Zeit mehr Verbünde mit z.T. erheblich steigender Aktivität teilnahmen, hat auch im Jahr 1999 die Bayerische Staatsbibliothek wieder 34% und die Universitätsbibliothek Augsburg 16% aller neuen Schlagwortsätze eingebracht; die Hälfte der SWD-Neuzugänge stammen also aus dem BVB,30 wobei die Sacherschließung für die Sondersammelgebiete der Bayerischen Staatsbibliothek, für die Bayerische Bibliographie (auch Aufsatzliteratur), aus Spezialbibliotheken (z.B. die Bibliotheken des Deutschen Museums, des Alpenvereins, des Instituts für Zeitgeschichte, die Internationale Jugendbibliothek) sowie die systematische Aufarbeitung der Altdaten aus BVB-KAT durch Universitätsbibliothek Augsburg und Bayerische Staatsbibliothek als Quellen für diesen Zuwachs an Normdaten zu nennen sind.31

Blickt man in die Anfänge der bereits 1981 erstmals angedachten SWD und in die Zeit der Standardschlagwortliste zurück, die 1983-1987 im Rahmen zweier DBI-Projekte erarbeitet wurde und endlich 126 000 Schlagwörter und 94 000 Verweisungen umfasste,32 so vermitteln auch die heute noch vorhandenen Unterlagen, Karteizettel und Briefe die Gewissheit, wie viel wertvolles fachliches Wissen gerade von den bayerischen Fachreferentinnen und –referenten eingebracht wurde. In Bayern lag die Zuständigkeit für die Sachschlagwörter, während die Individualnamen zunächst überwiegend von der Deutschen Bibliothek redigiert wurden.33 Bis heute speist sich die fachliche Substanz der SWD nicht nur aus Nachschlagewerken, sondern in hohem Maß aus dem Fachwissen der "Experten", das in der Menge des Vokabulars und der Schlagwortketten nicht direkt aufscheint, aber doch eine dauerhafte Grundlage bildet.34 Dass es möglich sein würde, so rasch eine kooperativ geführte Datei mit dieser Akzeptanz und Reichweite aufzubauen, hatten Skeptiker anfangs bezweifelt.35

Das quantitative Gewicht Bayerns im SWD-Verbund wird begleitet durch das Engagement in der Regelwerksarbeit, das ja schon seit dem wegweisenden Expertengespräch Bayerische Staatsbibliothek-Deutsche Bibliothek von 197836 Tradition hat. 1980 erhielt die Kommission für Sacherschließung vom Fachbeirat des DBI den Auftrag, ein überregional anwendbares Schlagwortregelwerk für wissenschaftliche und öffentliche Universalbibliotheken zu erarbeiten. Diesem Gremium gehörten seit 1980 mit Dr. Frankenberger, Dr. Junginger und Frau Dr. Poll drei bayerische Experten an und später (zunächst als Gast) mit Dr. Geißelmann auch der Leiter der bayerischen Koordinierungsstelle. Die gleichen Personen, dazu Dr. Schubert wirkten an der Beispielsammlung mit, die wie die zweite Auflage der RSWK 1991 erschien. Zuletzt betreute Dr. Schubert als Redakteur die dritte Auflage der RSWK von 1998,37 die in der DBI-Expertengruppe unter Beteiligung von Dr. Geißelmann (Leiter), Dr. Mücke, Dr. Schubert und Dr. Stumpf erarbeitet worden war. Eine Neufassung der Beispielsammlung erstellte Dr. Stumpf 1999.38 Es sollte nicht vergessen werden, wie umkämpft die Entscheidung der Deutschen Bibliothek im Jahr 1985 war. Eine angeregte Diskussion um PRECIS vs. RSWK ging voraus.39 Großen Anteil an der Durchsetzung der RSWK hatte Rudolf Frankenberger, nicht zuletzt weil es ihm gelang, auf das Beispiel Bayerns für das Funktionieren kooperativer Organisationsformen, adäquate Retrievalinstrumente für Endnutzer und beeindruckende Fremddatenquoten mit RSWK zu verweisen.40

Als Konsequenz entstand - nach anfänglichen Schwächen auf diesem Gebiet - eine intensive Mitwirkung bei der Verbesserung der Normdatei, d.h. bei der Ausgestaltung der Datensätze mit Elementen für die terminologische Kontrolle und das Retrieval und beim Aufbau eines semantischen Begriffsnetzes. Die SWD-Redaktionen in München und Augsburg beteiligen sich beide rege am Mailverkehr innerhalb der SWD im ILTIS-System der Deutschen Bibliothek und bringen dort auch alle Änderungs- und Ergänzungsvorschläge aus den übrigen Verbundbibliotheken ein, die einer Absprache zwischen den Partnern bedürfen. Da die Abstimmung in der SWD trotz des größeren Gewichts mancher Verbünde prinzipiell nach dem Mehrheitsprinzip erfolgt, darf und kann die regionale Redaktion nicht beanspruchen, alle Wünsche aus den Verbundbibliotheken auf überregionaler Ebene durchzusetzen. Dass die Zahl der in der SWD kursierenden Mail-Anfragen und fachlichen Diskussionen in den letzten Jahren tendenziell abnahm,41 belegt den trotz der Komplexität der Materien und der Erschließung zusätzlicher Materialien inzwischen in vielen Bereichen erreichten Konsens. Eine intensive Kommunikation, die auch schulenden Charakter hat, gilt den seit 1998 neu hinzugekommenen Partnern (Schweizerische Landesbibliothek, KOBV Berlin-Brandenburg, Kunstverbund München-Florenz-Rom), die sich mit Hilfe der "alten" Teilnehmer überraschend schnell mit hohem Niveau integriert haben. Gegenseitige Kontrolle, bisweilen auch als lästig empfunden, ist zur Bewahrung des vereinbarten und erreichten Qualitätsstandards unverzichtbar.42

Ein solches "kooperatives Miteinander"43 kann trotz des gelegentlichen Wechsels der beteiligten Kolleginnen und Kollegen nur bestehen, wenn man sich regelmäßig auch persönlich begegnet. Das geschieht auf den jährlichen Treffen der SWD-Redaktionen in Frankfurt. Treffen der fachlichen Ansprechpartner der Verbünde und DDB haben schon oft stattgefunden, z.B. für Rechtswissenschaft, Medizin, Chemie, Wirtschaftswissenschaften, Geowissenschaften, Philologie. Gern erinnert man sich, wie dies begann. Das erste "Expertentreffen" der für die SWD tätigen Fachreferenten und Redakteure von der Deutschen Bibliothek (Frankfurt und Leipzig), aus dem nordrhein-westfälischen Bibliotheksverbund, aus Österreich und Bayern am 17./18.9.1990 in Augsburg hatte für die weitere Kooperation bahnbrechend gewirkt. Neben dem erstmaligen persönlichen Kennenlernen vieler Kolleginnen und Kollegen wurden damals in mehreren fachlichen Arbeitsgruppen Problemfälle besprochen und gelöst und Praxisregeln formuliert.

Normierungsarbeit ist umso lohnender, je mehr unterschiedliche begrifflich-sprachliche Varianten dabei erfasst werden. Nicht nur zwischen Benutzern treten solche Unterschiede auf, sondern auch zwischen den Bibliothekaren verschiedener Bibliotheken. Insofern wächst bei zunächst höherem Abstimmungsaufwand letztlich auch der Gewinn durch die erzielte einheitliche Lösung. D.h. der Gewinn aus einer Normdatei für einen Verbund ist immer höher als für eine einzelne Bibliothek.

Die SWD-Arbeit ist glücklicherweise keine abstrakte Terminologiekonstruktion, sondern eine echt bibliothekarische, weil bestandsbasierte Arbeit. Die Abhängigkeit von den jeweils zu bearbeitenden Dokumenten ist dem Verfahren wiederholt als Manko ausgelegt worden, weil das semantische Netz zunächst lückenhaft bleibt, sichert aber andererseits auch die "Bodenhaftung", Aktualität und eine gewisse Dynamik. Im Gegensatz zur Erstellung eines Thesaurus kann die kontinuierliche Pflege einer solchen Normdatei auch nur in engem Kontakt mit der laufenden Erschließung der Literatur gelingen. Die intensive Mitarbeit am Regelwerk und - verstärkt seit Mitte der 1990er Jahre - die Beschäftigung mit den vielfältigen Möglichkeiten der Inhaltserschließung auch auf informationswissenschaftlicher Basis haben andererseits das früher konstatierte Theoriedefizit abgebaut und das Bewusstsein dafür geschärft, dass, wie Gödert 1988 forderte, "theoretische Ergebnisse (die sehr wohl vorhanden sind) auch im Vorfeld praktischer Bewertungen rezipiert werden" müssen.44

2.   Aufwand und Ertrag der Kooperation

2.1   Warum intellektuelle Sacherschließung?

Sich ab und zu nach Sinn und Zweck seines Tuns zu fragen, dient jeder tragfähigen Zukunftsplanung. Deshalb gehören an diese Stelle auch einige Überlegungen zu den Inhalten und Methoden, denen die Verbundarbeit gilt.

Am Qualitätsvorsprung der intellektuellen Erschließung vor maschinellen Verfahren kann nicht ernsthaft gezweifelt werden. Das gilt sowohl im bibliothekarischen Bereich als auch in der Fachinformation. Die Frage ist heute nur, welcher Aufwand für diese Qualität gerechtfertigt ist. Die Sacherschließung nach RSWK, bisweilen schon totgesagt, konnte sich im deutschsprachigen Raum dank der attraktiven Dienstleistungen der Deutschen Bibliothek und der zunehmenden Datenübernahmemöglichkeiten zwischen den Verbunddatenbanken weiter verbreiten und hat ihre Qualität erheblich gesteigert, während der Personaleinsatz zurückging.45 Alternative Methoden intellektueller Art, zumal solche, die Interoperabilität mit den RSWK versprechen, sind nicht in Sicht. An maschinellen Extraktionsverfahren ist im bibliothekarischen Bereich nur MILOS46 bekannt geworden, doch wurde hier das Sprachenproblem nicht gelöst, die erzeugten Wörter haben nicht den deskriptiven Wert von zur Anzeige bestimmten Schlagwortketten, und grobe Fehler bei der Indexierung können nur durch eine sehr aufwendige intellektuelle Wörterbuchpflege behoben werden. Retrievaltests47 fallen nur dann gut aus, wenn mit den Titelaufnahmen schon vorhandene RSWK-Ketten verarbeitet und/oder Stichwörter an der SWD abgeglichen werden. Da auch die üblichen Titelaufnahmen als Basis für die Erzeugung retrievalfähiger Stichwörter oft unergiebig sind, wurde versucht, Klappentexte, Inhaltsverzeichnisse usw. zu verarbeiten.48 Die dabei zu erzielende Wertschöpfung ist nicht so groß und der nötige Aufwand (Scannen) nicht so gering, um das Verfahren als ernsthafte Konkurrenz für ein schlankes, effizientes intellektuelles Beschlagworten zu empfehlen. Nur dort, wo es um die retrospektive Bearbeitung großer Titelmengen geht, die anders nicht inhaltlich zu erschließen sind (echte Altbestände dürften hierbei außer Betracht bleiben), können maschinelle Extraktionsverfahren sinnvoll sein. Für die bis in ältere Bestandsschichten intellektuell gut erschlossenen Titel des Bibliotheksverbunds Bayern trifft das sicher nicht zu.49

Trotzdem sind auch die Bibliotheken gut beraten, sich von der Illusion zu lösen, alles für ihre Benutzer angebotene Material, das nach inhaltlichen Gesichtspunkten gesucht werden kann, nach RSWK erschließen zu können. Weder elektronische Dokumente noch Aufsatzliteratur und z.T. auch selbständige Publikationen werden wegen ihrer Menge bzw. ihres Charakters einer qualitätvollen intellektuellen Indexierung noch vollständig zugänglich sein. Deshalb sind andere Erschließungsdaten (Dublin-Core-Metadaten, Abstracts, aber auch Schlagwörter anderer Herkunft sowie Resultate maschineller Indexierung) in die künftigen Überlegungen einzubeziehen. Es geht darum, zwischen verschiedenen verbalen Elementen in den OPACs wenigstens Interoperabilität herzustellen, wenn eine Konsistenz wie bei einem einheitlichen Vokabular nicht mehr möglich ist. Der Begriff "Interoperabilität" ersetzt den Begriff "Einheitlichkeit" in einem Kontext heterogener Erschließung und bedeutet, kurz gesagt, dass ein Retrieval auf mehrere dieser ähnlich strukturierbaren Datentypen in einem System zugreifen kann, wobei der Nutzen mögliche Konsistenzbrüche überwiegen muss. Im Wesentlichen wird es hier um eine übergreifende Suche in syntaktischen und gleichordnenden, in gegenstands- und dokumentbezogenen verbalen Indexaten und eine kompatible Präsentation beider Typen gehen.

Ein Modell, das hierbei nützlich sein kann, ist das "Schalenmodell".50 Es geht davon aus, dass in einer immer dezentraler werdenden Informationswelt Dokumente mit weniger guter Erschließung sich in einem Retrievalsystem möglichst an einen großen und soliden Kern hochwertig erschlossener Dokumente anlagern sollten, um – am besten beim Einsatz intelligenter Tools mit statistischer Relevanzermittlung, wie sie zur Zeit in OPACs noch weitgehend fehlen – vom Benutzer als relevant ermittelt zu werden. Die Schlagwortdaten des BVB können in jedem Fall einen solchen Qualitätskern bilden, und zwar nicht nur im engeren Verbundkatalog, sondern auch wenn über Metakataloge zugegriffen wird; umso zwingender ist es, für eine möglichst weitgehende Abstimmung der sonstigen Erschließungsdaten auf dieses Normvokabular zu sorgen, z.B. durch Entnahme der Deskriptoren für Dublin-Core-Metadaten aus der SWD, wie es heute bereits geschieht,51 bei möglicher Rückführung dieser Metadaten als "Titelaufnahmen" in eine Verbunddatenbank.

Die Bedeutung der Schlagwortketten für Online-Kataloge im Vergleich zu einzeln vergebenen Deskriptoren wurde öfters angezweifelt, aber auch untermauert.52 Die RSWK haben mit den durch die Praktikabilität in SWD und Katalogdatenbanken untermauerten Änderungen zur 3. Auflage ihre Zweckmäßigkeit für den Online-Katalog durchaus erwiesen. Die Ketten sind bei einer einzelnen Titelaufnahme oder in Browsing-Listen im OPAC angezeigt genauso wertvoll wie im Mikrofichekatalog. Sie enthalten nicht nur suchbare Einzelwörter, sondern haben als Ganzes eine deskriptive Funktion. Bei ihrer Kürze und raschen mentalen Eingängigkeit besitzen sie "strukturelle Vorhersehbarkeit". Eine Kettenanzeige kann den Benutzer von dem für Online-Recherchen typischen Zwang entlasten, sein Suchproblem ziemlich exakt zu kennen und zu formulieren. Schon ein tastender, grober verbaler Ersteinstieg in einen guten Browsing-Index kann in eine differenzierte Weitersuche münden und recht präzise Ergebnisse bringen. Die präsentierte Schlagwortkette bietet den enormen Informationsvorteil, dass sie aussagekräftige und für die Weitersuche verwertbare Begriffe enthält, auf die der Benutzer anders nicht gekommen wäre und die er für eine Sucheingabe daher nicht benutzt hätte. Man könnte sagen: ein gewisses Relevance ranking ist bereits im Sacherschließungsverfahren angelegt.

Während der durch Regelvereinfachung und terminologische Klärung per SWD reduzierte Aufwand für die Indexierung spürbar ist, bleibt eine Inhaltsanalyse der Dokumente unverzichtbar. Mit der zunehmenden Nutzung von Fremdleistungen ist diese - auch für die Klassifikation zu leistende - grundlegende Aufgabe der Erschließung allerdings in immer weniger Fällen "vor Ort" zu erfüllen. Nichtsdestoweniger hat es im Zuge der technologischen Revolution der 1990er Jahre auch die Versuchung gegeben, kehrt zu machen und sich prinzipiell mit "quick and dirty"-Lösungen – analog etwa zu Internet-Suchmaschinen mit ihrem hohen recall - zu begnügen, beeinflusst von einer scheinbaren Zufriedenheit der meisten Benutzer öffentlicher und wissenschaftlicher Universalbibliotheken mit vielen ungefähr passenden Treffern und ihrem geringen Interesse an aufwendigeren Strategien zur Präzisionssuche. Dass sich diese Tendenz nicht durchgesetzt hat, liegt einerseits an den nicht zu unterschätzenden Ansprüchen vieler Benutzer, andererseits an der guten Aussicht, mit RSWK eine hohe Erschließungsqualität auch mit geringerer Eigenleistung sichern zu können.

Für die erreichten Erfolge war es wichtig, dass nun seit langen Jahren kontinuierlich und mit klaren Zielen an der Optimierung eines Komplexes von Standards, nämlich RSWK/SWD gearbeitet werden konnte. Es spricht auch für das Funktionieren des Systems, dass die Neuauflage des Regelwerks (erschienen im Dezember 1998), die vielfach eine Vereinfachung der Indexierungsarbeit festschreiben will,53 hierbei in der SWD und den Verbunddatenbanken weitgehend "vollendete Tatsachen" vorfand. Überlegungen zur sinnvollen Begrenzung der Begriffsmenge in der SWD sowie die Einsicht, dass bestimmte RSWK-Regeln zur Kettenbildung zu feinsinnig geraten waren, gingen der dritten Auflage voraus. Man diskutierte die Erfordernisse des Online-Katalogs54 und setzte dies frühzeitig in der Praxis um. Vereinfachungen wurden also nicht theoretisch beschlossen, sondern sind aus der Praxis gewachsen. Übergreifende Wirtschaftlichkeitsüberlegungen und systemimmanente, sachlich begründete Tendenzen greifen so ineinander. Es ist zu hoffen, dass diese Balance zwischen Aufwandsreduzierung und Qualitätssicherung längerfristig gehalten werden kann.

2.2   Konsistenz und Qualität - selektive und automatische Fremddatenübernahme

Das überkommene Leitbild der mehr oder weniger peniblen "Katalogführung" mit einem gewissen Schwerpunkt auf dem eigenen Katalog und dem Ziel seiner Einheitlichkeit ist im Zeitalter der offenen Datenbanken einer von Wirtschaftlichkeit und Fremddatennutzung dominierten Sichtweise gewichen. Natürlich gelten die Qualitätsansprüche der Schlagworttheorie fort, nur hat sich ihre Einlösung stärker in die Normdateien verlagert, während z.B. bei der Kettenbildung, Permutation usw. sowohl im Regelwerk als auch in der Praxis großer Aufwand für nur geringe zusätzliche Qualität der Indexate nicht mehr vertreten wird. Inzwischen rechtfertigt sich der bisherige Aufwand auch durch Synergieeffekte, die aus der normierenden Substanz der SWD resultieren, wodurch z.B. die Konsultation des Regelwerks weit weniger oft nötig ist als früher. Die SWD-Sätze des heutigen Standards mit ihren vielfältigen Benutzungshilfen, vermitteln eine gewisse Regelsicherheit und Verlässlichkeit. Auch die zunehmende Offenheit der Verbünde und Attraktivität ihrer Daten bei besserer Präsentation und schnellerem Zugriff tragen dazu bei, das Wirkungspotenzial und damit den Wert einer einmal an einer Stelle erbrachten Erschließungsleistung zu erhöhen. Die Verbünde sind auf dem Weg, in positiv zu verstehender "Globalisierung" zu einem großen Verbund zusammenzuwachsen.

Die oft kritisierte Verfeinerung des Regelwerks hat bereits in der mühsamen Aufbauphase der SWD die Vereinheitlichung der Anwendung gefördert. Anfangs bedeutete sowohl der Abstimmungsprozess in den Regelwerksgremien selbst als auch die Tatsache, dass die großen Datenmengen in den Katalogen durchaus noch nicht immer mit den neu formulierten Regeln übereinstimmten, eine erhebliche Belastung. Diese Phase ist jedoch erfolgreich überwunden. Die Schaffung der Praxisregeln, von manchen als Überregulierung von Spezialfällen missverstanden, muss rückblickend als weiterer Schritt zur Konsolidierung verstanden werden. Heute hat die Normdatei in Verbindung mit den darauf aufgebauten DDB-Fremddaten und den Verbunddatenbanken, auch wenn sie nicht lösgelöst vom Regelwerk denkbar ist, ein eigenes regulierendes Potenzial entfaltet. Das gilt wegen der starken Nutzung der Schlagwortketten der Deutschen Bibliothek auch für den BVB, obwohl hier noch keine direkte Verknüpfung mit der SWD besteht und viel intellektuelle Nacharbeit anfällt. Auf der anderen Seite wurden Widersprüche zwischen Regelwerk bzw. Praxisregeln und der SWD systematisch beseitigt. Unterschiedliche Regelauslegung und subjektive Divergenzen bei der Schlagwortvergabe konnten so im gesamten Anwendungsbereich auf ein erträgliches Maß zurückgedrängt werden.

Die Durchsetzung des Online-Katalogs, dem das Regelwerk zunächst wenig entsprach, erfordert eine konsistente Verwendung der Einzelschlagwörter, damit beim punktuellen Zugriff möglichst alle relevanten Treffer gefunden werden. Die bloße Verständlichkeit der gesamten Kette (unter Vermeidung pleonastischer Elemente) konnte nicht mehr entscheidend sein, ebenso wenig die Furcht vor der "Aufblähung der Kataloge", die in der Zeit teurer Mikrofiches zur Verhinderung von Einträgen geführt hatte. Damit wurden einige Tendenzen der früheren Katalogpflege widerrufen, jedoch nicht die nach wie vor sinnvolle Grundstruktur der Indexate. Die für Online-Kataloge nötige Konsistenz der Daten wurde bewahrt. In der BVB-Verbunddatenbank ging die entsprechende Umarbeitung der Daten Hand in Hand mit der ohnehin notwendigen Angleichung der Terminologie an die SWD.

Fremdleistungen sollen möglichst unbearbeitet genutzt werden. Möglich wird das, wenn eine so einheitliche Regelwerksanwendung und übereinstimmendes Vorgehen bei der Inhaltsanalyse die Regel ist, dass prinzipielles Vertrauen in alle Fremddatenlieferanten herrscht. Inwieweit Fremddaten auch unbesehen übernommen werden können, hängt von den Erfahrungen in einzelnen Fächern ab und kann nicht pauschal vorgeschrieben werden. Sowohl technisch als auch organisatorisch ist auf verschiedene Bedürfnisse Rücksicht zu nehmen. Es wird immer objektive Niveauunterschiede geben. Fehler schleichen sich vor allem dort ein, wo große Mengen an Literatur unter Zeitdruck zu erschließen sind. Auch von der Deutschen Bibliothek ist nicht immer das Optimum zu erwarten. Wie in der SWD, so sollte auch auf Titelebene gegenseitige Kontrolle und eine sinnvolle Überwachung der Importe nicht als beckmesserische Untugend diskreditiert werden; es gehört unbedingt zu einem kooperativen Qualitätsmanagement. Insbesondere die Bibliotheken, die – wie etwa die Bayerische Staatsbibliothek55 - in hohem Grad Fremddatenlieferant für den Verbund sind, haben die besondere Pflicht, auch bei eigenen Übernahmen auf Qualität zu achten. Das Ziel ist ein vertrauenswürdiges Angebot auf hohem Niveau, bei dem nicht gefragt werden muss, woher es kommt, so dass Fremddaten nicht "befremden", sondern vertraut, weil adäquat sind.

Qualitätsmängel wird es noch länger geben und sie dürfen nicht unterschätzt werden. Unabhängig davon ist das Zusammenwachsen des Verbundes längst unumkehrbar; autonome lokale Kataloge gibt es nicht mehr. Es geht jetzt darum, verstärkt die Akzeptanz der Fremddaten zu sichern, die dem maßgeblichen Standard entsprechen, es dabei aber allen Bibliotheken zu ermöglichen, verbessernd einzugreifen und den Aufwand selbst zu bestimmen, den sie für eine tiefere Erschließung im Rahmen der RSWK für ihre Benutzer leisten wollen. Erschließt eine Bibliothek ein Dokument besser, tiefer oder gründlicher, so soll das künftig allen zu Gute kommen, die das Dokument ebenfalls nachweisen wollen.

Bekanntlich verfügt der Bibliotheksverbund Bayern über den weitaus höchsten Inhaltserschließungsgrad aller Verbunddatenbanken. Die Wertschöpfung, die der BVB mit seiner Schlagworterschließung seit Jahrzehnten betreibt, ist im deutschsprachigen Raum einzigartig. Mehr als 45% aller Titel (H-Sätze), wobei die gesamten Altbestände mitzählen, sind inzwischen nach RSWK erschlossen - ein sehr hoher Prozentsatz, der jährlich um knapp 2% steigt. Vielleicht ist auch die reine Quantität trotz aller enthaltenen Fehler ein gewichtiger Faktor bei der Erreichung einer konsistenten Qualität. Dabei kommt es auf die "vitale" Terminologie an, die sich mit dem Suchvokabular der Benutzer weithin deckt, nicht auf Relikte und Eintagsfliegen. In diesem Sinn trifft es zu, dass die Qualität in der Masse liegt.

Besonders bei quantitativen Abwägungen ist die Zahl der vorhandenen Ketten in der BVB-KAT-Schlagwortdatei ein wichtiger Faktor. Mit der Vervollständigung des Online-Verbundes und dem inhaltlichen Nachweis aller neu katalogisierten Dokumente durch seine Teilnehmer kann man mehr und mehr davon ausgehen, dass die Verwendung bestimmter Schlagwörter in Menge und Kontext ein zuverlässiges Bild von ihrer Eignung als Normvokabular darstellt. Es ist höchste Zeit, dass mit der echten Integration der überregionalen SWD in die Katalogisierung die Kontrolle über diese Daten verbessert wird. "Altlasten" lassen sich dann eingrenzen und kennzeichnen und neue Fehler minimieren, was die terminologische Kontrolle und auch die Akzeptanz des kooperativen Prinzips fördern wird.

3.   Erträge der Indexierungsarbeit für die Benutzer

Die Schlagwortarbeit in der Zeit der Mikrofiche-Kataloge besaß verschiedene adäquate Hilfsmittel (korrekt sortierte, übersichtliche Schlagwortkataloge mit Kurztiteln und allen Verweisungen an der richtigen Stelle, eine Liste der Standardschlagwörter, kombiniert mit allen vergebenen Ketten, usw.), womit eine präzise Terminologiearbeit möglich war, allerdings mit dem für Offline-Verfahren und das damalige Eindateiensystem typischen erheblichen Recherche- und Erfassungsaufwand. Die terminologische Benutzerführung konnte dafür im Katalog nahezu optimal präsentiert werden. Seit der Einführung des Online-Katalogs gab es dagegen erhebliche Defizite bei der Einflussnahme auf die Benutzerschnittstellen. Im BS2000-OPAC hatte man sich für eine Anzeige der Schlagwortketten und erst nach Auswahl daraus der zugehörigen Titel entschieden. Die fehlenden Permutationen wurden durch eine wortweise Suche in allen Kettengliedern ersetzt. Da die Kettenliste nicht sortiert war, standen Verweisungen nicht immer an der Stelle, wo die Benutzer sie wahrnehmen konnten. Der zweistufige Suchablauf wurde z.T. als umständlich empfunden. Außerdem wartete der OPAC mit einigen großen Schwächen (Abbruch der Suche, Trefferbegrenzungen) auf, die jahrelang ertragen werden mussten. Zu dem seit 1994 eingesetzten SISIS-OPAC gab die "Arbeitsgruppe für Schlagwortfragen" zwar wiederholt Stellungnahmen ab, doch wurden die Prioritäten für Änderungen seitens der Firma anders gesetzt und das Produkt, das auf eine echte Normdatei abgestellt war, die der Verbund nicht lieferte, andererseits aber die verbundeigenen Verweisungssätze nicht verarbeiten konnte, lief jahrelang weitgehend ohne Verweisungen und mit weiteren Einschränkungen bei der Schlagwortsuche. Damit wurde gerade der Schwerpunkt der früheren Koordinierung, nämlich die terminologische Kontrolle mit Hilfe von Siehe-Verweisungen, im in Bayern überwiegend eingesetzten Online-Katalog unwirksam. Es musste sogar empfohlen werden, für die Schlagwortsuche auf die in reduziertem Umfang noch vorhandenen Mikrofiche-Kataloge auszuweichen. So entstand eine spürbare Diskrepanz zwischen der nach wie vor guten und auf SWD-Ebene immer besseren RSWK-Erschließungsarbeit und dem dürftigen Nutzeffekt im lokalen OPAC. Dass das vielfach als skandalös empfunden wurde, ist verständlich. Erst Ende 1999 mit dem JOPAC der Sunrise-Produktlinie konnten die Verweisungen den Benutzern einiger glücklicher Bibliotheken wieder angeboten werden. Es gibt Anzeichen, dass ein erhebliches Nachfragepotenzial bei der sachlichen Suche existiert und die Akzeptanz sich durch Verbesserungen des OPACs in diesem Bereich deutlich steigern lässt.56

Nach den z.B. von Geißelmann57 geäußerten Befürchtungen, die Selektion zwischen allgemeinen Themen (eher kurze Schlagwortketten) und speziellen Themen (eher längere Schlagwortketten) sei im OPAC nicht mehr möglich, muss man die heute in den Online-Katalogen neben der postkoordinierenden "Direktsuche" verbreiteten alphabetischen Ketten-Browsinglisten als nützliches Element ansehen. Allerdings gehören, um einen vollständigen Nachweis der Indexate bei punktuellem Einstieg über den Anfang der Kette zu garantieren, die permutierten Ketten ebenfalls in diesen Index, ebenso wie Verweisungen, was eine Integration von Kettenliste und Normdatei in der Anzeige nahe legt. Selbstverständlich sollte sein, dass die Verknüpfung von Schlagwortketten zu Titeln als "exact match"-Suche realisierbar ist, was der heutige SISIS-OPAC leider noch nicht leistet.

Die Einstellung vieler für die OPACs primär Verantwortlichen aus Systementwicklung und –verwaltung zur Inhaltserschließung schwankte jahrelang zwischen Hilflosigkeit und Destruktivität. Eine Lehre aus diesen Erfahrungen muss sein, in Zukunft Input und Output immer zusammen zu sehen und die beide betreffenden Entscheidungskompetenzen aufeinander abzustimmen. Vor allem müssen die mit der SWD geschaffenen Informationen nach dem Umstieg auf ein neues Verbundsystem endlich auch im OPAC zur Wirkung kommen. Zweifellos ist hierfür – auch für die Kombination mit klassifikatorischer Erschließung neuer Qualität und anderen Elementen der Inhaltserschließung - eine umfassende Neukonzeption der OPAC-Funktionalität erforderlich. Eine große Rolle wird die Integration der Normdatei spielen. Neuerungen wie ein Retrieval in massenweise zu generierenden Zeitcodes, Search-down-Funktionen mittels hierarchischer Begriffsrelationen, Verknüpfungen zur klassifikatorischen Erschließung, Elemente eines Relevance ranking werden hoffentlich bald folgen. Es wird sich zeigen, ob sich die Benutzer die zusätzlichen Recherchemöglichkeiten als Handwerkszeug zu eigen machen. Zunächst geht es jedenfalls darum, aus den bereits vorhandenen RSWK- und SWD-Daten das Optimale herauszuholen und in benutzerfreundliche Funktionen umzusetzen, ohne dass dies nennenswerten Mehraufwand beim Input bedingt.

4.   Erfordernisse und Chancen der Zukunft

4.1   Was soll ein neues Verbundsystem leisten?

Die Zukunft der Sacherschließung wird ganz entscheidend davon abhängen, was ein neues Verbundsystem im Zusammenspiel mit den Lokalsystemen leisten kann. Die bevorstehende Migration bietet zumindest die Chance, einige wesentliche Anforderungen zu realisieren, die zur Entlastung aller Anwender und zu deutlichen Verbesserungen für die Benutzer führen.

Zunächst muss das Verbundsystem in erster Linie die Fremddatenlieferungen Der Deutschen Bibliothek einschließlich nachgeführter Sacherschließungsdaten und aller Normdateien in vollem Umfang für die komfortable Nutzung bei der Katalogisierung verarbeiten. Normsätze müssen – sei es direkt oder über eine Schlagwortketteneinheit – mit den Titelsätzen verknüpft werden. Auf alle Satztypen muss mit Recherche- und Editierfunktionen auf dem heutigen Stand graphischer Oberflächen zugegriffen werden können. Für die Aktualisierung der Normdaten soll jedoch bald eine Online-Kommunikation mit dem Host (Die Deutsche Bibliothek) hergestellt werden, so dass neue Normsätze in der Primärdatenbank erfasst und sofort in die Verbunddatenbank repliziert werden können. Doppel- und Dreifacherfassung (beim Katalogisieren, auf SWD-Meldeformularen und in der SWD) muss aufhören. Die Normdatenerfassung hat in speziellen Fenstern im Katalogisierungssystem in bequemer Kombination mit der Indexierung der Dokumente zu erfolgen. Neben den überregional gültigen Normdateien ist aber auch eine Lösung für Quasi-Normdaten (z.B. alte Schlagwortsätze des Verbundes) bzw. für Freitext vorzusehen. Komfortable Statistikfunktionen sind z.B. für Abruf und Aufarbeitung neu erfasster Normsätze durch die Verbundredaktionen unerlässlich.

Im Verbundsystem soll weiterhin gelten: gleiche Berechtigung für alle, einschließlich der Korrekturberechtigung für "eigene" und "fremde" Indexate. Auf die Einhaltung der gültigen Standards muss aber noch konsequenter als bisher geachtet werden, da künftig weithin schreibender Zugriff auf Normdaten bestehen soll und für die Erstellung neuer Normsätze bestimmte Mindestanforderungen gelten müssen, um nicht die Verbundredaktionen unnötig zu belasten. Eine adäquate Berechtigungssteuerung und vor allem wirksame Plausibilitätsprüfungen sind unabdingbar. Das System soll zusätzlich die Erfassung lokaler Schlagwörter erlauben, die dann in der Regel nur im eigenen Katalog genutzt werden, aber auch die Möglichkeit bieten, optional und mit Zustimmung der betreffenden Bibliothek auch im Verbund-OPAC solche lokalen Daten recherchieren zu können. Mit der Aufnahme weiterer kleiner Bibliotheken in den Verbund wird es wahrscheinlich einer solchen akzeptablen Alternative bedürfen, um eine nicht den Standards entsprechende Indexierung, die die terminologische Kontrolle beeinträchtigen würde, aus der bibliographischen Ebene in den lokalen Bereich zu "verbannen".

Mit dem Aufbau einer Systematik-Normdatei zunächst für die Regensburger Verbundklassifikation wird eine Verknüpfung der Register mit der SWD angestrebt, so dass ein verbaler Sucheinstieg mit der gewohnten Terminologie optional auch über die Klassifikation zu den Dokumenten führen kann. Diese und andere Neuerungen, die technische Lösungen zur Nutzung bereits vorhandener Erschließung bringen, erfordern allerdings eine Anpassung des MAB-Formats und der Schnittstellen zum lokalen OPAC.

4.2   Was müssen die Verbundbibliotheken (noch) leisten?

Wenn jede Verbundbibliothek auf die Qualität der Daten in den Bereichen achtet, die für ihre eigene Benutzerschaft von Interesse sind – das können im Fall der Spezial-, Regional- und Fachhochschulbibliotheken durchaus spezielle Schwerpunktgebiete sein -, ist für die Gesamtheit bereits viel gewonnen. Weil aber auch bei qualitätsorientierten Einrichtungen Fehler vorkommen (besonders so lange die SWD nicht voll ins Verbundsystem integriert ist) und noch für etliche Teilnehmer Unterstützung und Nachbesserung nötig ist, gibt es für die Verbundredaktionen genügend zu tun. Da für die Aufgaben der Verbundredaktionen mit zusätzlichem Personal nicht zu rechnen ist,58 kann für eine Übergangszeit (vor und nach der Migration) auf die freiwillige Mithilfe der Redaktionsstellen der Universitätsbibliotheken bei der Pflege der Schlagwortdaten in der Verbunddatenbank nicht verzichtet werden

Aus Rationalisierungzwang, aber auch gerechtfertigt durch die verbesserte überregionale Abstimmung, kommt künftig nur eine prinzipiell automatische Übernahme aller Fremddaten in Frage. Nachträgliche Eingriffe zur Qualitätsverbesserung werden aber in gewissem, abnehmendem Umfang unumgänglich sein. Die Indexierer z.B. im Fachreferat werden gefordert sein, von der automatisch übernommenen Beschlagwortung von Dokumenten ihres Faches wenigstens stichprobenartig Kenntnis zu nehmen, um die verbleibende Eigenleistung mit der Fremdleistung kongruent halten und bei gravierendem Qualitätsdefizit des Übernommenen eingreifen zu können. Es wäre doch sehr bedenklich, wenn die Deutsche Bibliothek in den ganzen deutschsprachigen Raum mangelhaft beschlagwortete Titeldaten lieferte und niemand dies bemerkte. Auch einer solche zentrale Instanz braucht ein Feedback, um die Qualität ihrer Dienstleistungen einschätzen zu können. Auch gehört zur Bestandskenntnis als Voraussetzung benutzerorientierter Bibliotheksarbeit nicht zuletzt die praktizierte inhaltliche Bestandserschließung.59 Unabhängig davon erstrebenswert, aber noch nicht erreicht ist das Ziel, nämlich der Regelfall, dass eine Stelle einen Titel beschlagwortet und alle Partner und Abnehmer damit einverstanden sein können - unbesehen und immer. Es wird auf Dauer unterschiedliche Bedürfnisse z.B. nach tieferer Erschließung geben. Dies bedeutet aber nicht, dass auf die Definition eines allgemein gültigen Mindeststandards verzichtet werden muss. Es wird sich zeigen, dass die sorgfältige Arbeit mit Normdaten gerade an die einzelne Bibliothek bei Neuansetzungen gewisse Anforderungen stellt. Doch diesem Aufwand ist der größere Nutzen entgegenzuhalten, den alle in Zukunft aus den SWD-Sätzen zu erwarten haben.

Im Bibliotheksverbund Bayern dürfen sich keinesfalls die Bedenken bestätigen, die Gödert 1987 äußerte gegen eine "Kooperation in schwerfälligen Verbundlösungen, in denen einer nur vom anderen profitieren, keiner möglichst aber Input einbringen will".60 Mit gleichen Rechten sollten auch gleiche Pflichten akzeptiert werden. "Die Arbeit in einem Bibliotheksverbund ist ohne ein gegenseitiges Geben und Nehmen nicht denkbar,"61 was in der kooperativen Sacherschließung besonders gilt. Kann man in der SWD bereits lange von etablierten partnerschaftlichen Strukturen sprechen, so sollte auch im Verbund dieser Aspekt stärker zur Geltung kommen. Dabei ist Transparenz gefragt. Jede Verbundbibliothek soll offen legen, was sie in die gemeinsame Datenbank hineinschreibt, aber auch, welche Möglichkeiten und Bedürfnisse sie in der Inhaltserschließung hat und wo sie Unterstützung braucht.

Lokale Redaktionsstellen in den Zentralen größerer Bibliotheken haben die Funktion, die Fachreferate von Normierungs-, Korrekturarbeit und Qualitätskontrolle freizuhalten, damit diese sich auf die Indexierung und Klassifizierung der Dokumente konzentrieren können. Werden diese Aufgaben im Rahmen vom Umstrukturierungen ganz auf Fachreferate verlagert, sind aus heutiger Sicht neue Doppelarbeit und Reibungsverluste bei der Kommunikation mit den Normdateien und Verbundinstanzen nicht auszuschließen. Wenn die Tätigkeiten der Lokalredaktionen optimal mit denen der Fachreferaten abgestimmt und "schlanke" Organisationsformen gefunden werden, können Redaktionsstellen mit wenig Personalaufwand durchaus Bestandteil einer effizienten Erschließung sein.

4.3   Worauf beruht die Kooperation in Zukunft?

Das künftige Paradigma der fachlichen und redaktionellen Kooperation könnte die "Vernetzung" sein, ein nicht nur informationstechnisch zu verstehendes Modell, das in allen Bereichen des Bibliothekswesens anwendbar ist.62 Als Basis für die Rolle der inhaltlichen Erschließung in einem Konzept der Bibliothek in der Welt vernetzter Information könnte man zunächst das nehmen, was Hermann Leskien 1997 schrieb, und daraus Rechtfertigung und Verpflichtung ableiten: "Ich glaube, die klassischen Aufgaben der Selektion und der Erschließung erfahren in einer Zeit der Informationsüberflutung sogar steigendes Interesse, weil dadurch eine Hilfe bei der Auswahl geleistet wird."63 Bibliothekarische Sacherschließung dient auch in heterogenem Umfeld der effektiveren Wissensorganisation, nicht zuletzt zur Selektion des Relevanten aus der Informationsflut. Gefragt sind - das gilt ebenso für die Klassifikation - strukturierte und aussagekräftige, von der Dokumentensprache unabhängige "Metadaten" (im weiteren Sinn), wie sie nur durch eine Inhaltsanalyse und formalisierte Regeln zu erzeugen sind. Bei der Überlegung, wie wirtschaftlich das ist, sollte man folgende Einsicht beherzigen: "Bei der Nutzung eines Information-Retrieval-Systems bestehen die ‚Kosten‘ in dem vom Benutzer aufzubringenden Zeitaufwand und seiner kognitiven mentalen Belastung bei der Lösung seines Problems mit Hilfe des Systems. Der erzielte ‚Nutzen‘ besteht in der Qualität der erreichten Lösung."64 Die Vernetzung der klassischen bibliothekarischen Schlagwortarbeit mit Inhaltserschließung anderer Art bildet in nächster Zukunft eine besondere Herausforderung.

Interpretiert man Vernetzung andererseits im Hinblick auf die Beziehung der Verbundbibliotheken untereinander, so steht die Metapher für die Unmöglichkeit, autonom zu existieren, und die Verbindung des Angebots, das man den anderen macht, mit den Ansprüchen, die man an sie stellt. Folgende Charakteristika zeichnen sich ab:

  • hohe gegenseitige Akzeptanz, Gegenseitigkeit, Offenheit; Raum für Spezialinteressen, aber auch allgemeine Bereitschaft, Regelwerk und SWD korrekt anzuwenden,
  • Mehrweg- statt Einweg-Lösungen, nach den unterschiedlichen Strukturen differenzierte Kommunikationswege,
  • Information und Wissen wird aus verschiedenen Quellen akzeptiert, auch informell, statt auf eine formelle Stellungnahmepflicht Einzelner zu setzen,
  • möglichst rasche Problemlösung,
  • die Kooperation muss primär auf die überregionale Ebene zielen; rein regionale Absprachen sind subsidiär; auf überregionaler Ebene sind formellere Verfahren nötig als bei regionaler Kooperation,
  • Mehrheitsentscheidungen, wenn nötig,
  • Vernetzung gleicht Unterschiede in Regelkenntnissen und andere Informationsdefizite zwischen einzelnen Anwendern teilweise aus,
  • jeder trägt das Seine bei und nutzt vom Angebot, was er benötigt; wer viel nimmt, sollte auch etwas geben,
  • bürokratischer Regelzwang soll vermieden werden: die Verbundgemeinschaft toleriert bis zu einem gewissen Maß, das z.B. durch überregionale Standards gesetzt wird, "Ausreißer", versucht sie aber vom gemeinsamen Standard zu überzeugen.

Es ist zu hoffen, dass sich bei den Entscheidungsträgern neben dem Wunsch nach immer geringerem Aufwand auch das Streben nach Verbesserungen der Sacherschließung behauptet. Qualitätsgewinne waren in den 25 Jahren der mühevollen Schlagwort-Verbundarbeit in vielfacher Weise zu verzeichnen. Sie gilt es zu sichern. Eine gute Schlagworterschließung der Bestände wird weithin als Selbstverständlichkeit angesehen, und mit den Recherchemöglichkeiten der OPACs müsste auch die Überzeugung vom Wert der im Verbund verfügbaren Daten wachsen.65 Dass dies nicht ohne gewissen personellen Einsatz an allen Bibliotheken möglich ist, sollte immer bewusst bleiben. Besonders gilt das für die Eigenleistung für Sondersammelgebiete, Spezialsammlungen, ältere Bestände und die Regionalbibliographie, wo weniger Fremddaten zur Verfügung stehen. Sicher ist auch, dass eine kontinuierlich arbeitsfähige redaktionelle Zentralinstanz auch unter den künftigen Bedingungen gebraucht wird, gerade um für größtmögliche Effektivität der Erschließungsleistungen des Verbundes im technologischen Wandel zu sorgen, aber auch die Rolle Bayerns in der überregionalen Kooperation zu sichern.

So scheint es doch nahe zu liegen , in der bewährten Sacherschließungskompetenz des Bibliotheksverbundes Bayern einen Schwerpunkt zu sehen, in den es sich auch künftig zu investieren lohnt.

 


1 Geißelmann, Friedrich: Die Einführung der Regeln für den Schlagwortkatalog (RSWK) an den bayerischen Bibliotheken. In: BFB 11 (1983) 1, S.3-23. Mehr aus der Sicht der BSB berichtete Michael Mücke: Die Schlagwortkatalogisierung an der Bayerischen Staatsbibliothek und deren Beitrag zur Schlagwortnormdatei (SWD). In: BFB 24 (1996) 3, S.313-333.

2 Geißelmann, Friedrich: Der Schlagwortkatalog in Bayern. Vom Erlanger Regelwerk zum OPAC. In: Bibliothekslandschaft Bayern. Festschrift für Max Pauer zum 65. Geburtstag. Wiesbaden 1989, S.248-268; hier S.251.

3 Niewalda, Paul: Hat der Schlagwortkatalog eine Zukunft? In: Schlagwortgebung und Schlagwortkatalog. Köln 1978, S.179-191.

4 Regeln für den Schlagwortkatalog. 2., verb. Aufl. Erlangen 1958; 4., neubearb. Aufl. München 1977.

5 Frankenberger, Rudolf: Der Schlagwortkatalog der Universitätsbibliothek Augsburg. In: Schlagwortgebung und Schlagwortkatalog. Köln 1978, S. 121-139; hier S.121.

6 Im Herbst 1983 umfasste der Verbund-Schlagwortkatalog bereits 1 893 292 Haupteintragungen und 160 669 Verweisungen, im Herbst 1982 waren es 807 000 verschiedene Ketten. Vgl. Geißelmann (Anm.1), S.4.

7 Regeln für den Schlagwortkatalog : RSWK ; Entwurf / bearb. von der Kommission des Deutschen Bibliotheksinstituts für Sacherschließung. - Stand: Februar 1982. Berlin 1982.

8 Regeln für die Schlagwortvergabe / Bearb.: Universitätsbibliothek Augsburg. Regensburg 1978 (Universitätsbibliothek Regensburg, Katalogisierungsordnung, 4).

9 Geißelmann (Anm. 2), S.258 f. Weitere Einzelheiten hierzu bei Geißelmann (Anm.1), S.6ff.

10 Frankenberger, Rudolf: Die Regeln für den Schlagwortkatalog (RSWK): Erfahrungen im Bayerischen Bibliotheksverbund. Möglichkeiten und Tendenzen im Hinblick auf eine benützerorientierte Bibliotheksorganisation. In: Der österreichische Bibliothekartag 1984, Klagenfurt, 3.-8.9.1984, Vorträge und Kommissionssitzungen, Pre-Conference Seminar. Wien 1986, S.212-233; hier S.223.

11 Vgl. Geißelmann, Friedrich: Der Schlagwortkatalog in den neuen bayerischen Universitätsbibliotheken. In: DFW 29 (1981), Sonderheft Bibliothekartag Regensburg 1981, S.44-48; hier S.44: Es sollten "bereits bestehende Praktiken in anderen Bibliotheken berücksichtigt werden".

12 Geißelmann (Anm.1), S.22.

13 Vgl. z.B. Hilpert, Wilhelm: Kooperative Sacherschließung: ein Erfahrungsbericht aus dem Bayerischen Katalogverbund. In: Wissenschaftliche Bibliotheken im vereinten Deutschland. Frankfurt/M. 1992 (ZfBB Sonderheft; 54), S.301-309.

14 Schreiben von Generaldirektor Dr.E.Dünninger an alle Beteiligten vom 22.2.1989.

15 Frankenberger, Rudolf: Aus der Projektarbeit des Deutschen Bibliotheksinstituts : verbale Sacherschließung. In: 10 Jahre Deutsches Bibliotheksinstitut: Bilanz und Ausblick, ein Kolloquium. Berlin 1988 , S.131.

16 Geißelmann, Friedrich: Aus der Arbeit der zentralen Redaktion des bayerischen Verbundes. In: Die Schlagwortnormdatei. Entwicklungsstand und Nutzungsmöglichkeiten, hrsg. von Werner Stephan, Berlin 1990, S.68-82; hier S.78.

17 Geißelmann (Anm.16), S.72.

18 Schubert, Hans Jürgen: Aus der Arbeit der zentralen Redaktion München des bayerischen Verbundes für die SWD. In: Die Schlagwortnormdatei (Anm.16), S.83-90; hier S.85.

19 Mücke, Michael: Rekord bei Neuerfassungen für die Schlagwortnormdatei (SWD). In: BSB-Hausmitteilungen Nr.54 (Juni 1998), S.2-3.

20 Geißelmann (Anm.11), S.47.

21 Aus dieser Zeit berichtet Geißelmann (Anm.16), S.80.

22 Im Herbst 1983 enthielt das Schlagwortregister des Verbundes 97 984 Eintragungen auf 85 Mikrofiches.

23 Nach der BVB-Datenbankstatistik erledigten im Jahr 1999 die BSB 32,6 % und die UB Augsburg 22 % der Schlagwortkorrekturen im Verbund, gefolgt von der UB München mit 9,5 %, der UB/SB Bamberg mit 6,2 %, der TUB München mit 5,5 % und der UB Erlangen mit 5,1 %. Im Durchschnitt der 1990er Jahre sind neben BSB und UB Augsburg den Universitätsbibliotheken Erlangen, München und Regensburg die meisten Korrekturen zu verdanken.

24 Im Jahr 1988 hatte es keine Abstimmung der neuen Begriffe zwischen Bayern und der Deutschen Bibliothek gegeben, was sich als unangenehme Hypothek für die SWD-Arbeit der 1990er Jahre erwies.

25 Stumpf, Gerhard: Schlagwortarbeit im Bibliotheksverbund, 1992 (Referat auf der Fortbildungsveranstaltung an der Universitätsbibliothek Regensburg): http://www.bibliothek.uni-augsburg.de/allg/swk/regensb.html.

26 Zunächst war noch gefordert worden, auch in BVB-KAT sämtliche Bibliotheken, die eine Kette verwendet haben, dort anzuzeigen (z.B. in einem gemeinsamen Schreiben der Schlagwortkatalogleiter der BSB, UB München und TUB München an die Generaldirektion vom 8.7.1990).

27 http://www.bibliothek.uni-augsburg.de/allg/swk/swdmeld.html.

28 Ein verbreitetes Vorurteil gegen kooperative Erschließung, so bei Niggemann, Elisabeth: Tanz um den Katalog. In: Bücher für die Wissenschaft: Bibliotheken zwischen Tradition und Fortschritt, Festschrift für Günter Gattermann zum 65. Geburtstag. Hrsg.: Gert Kaiser u.a. München 1994, S.527-544; hier S.534.

29 Besonders sind hier Spezialbibliotheken wie die Internationale Jugendbibliothek oder die Bibliothek des Deutschen Museums zu nennen. Letztere erledigte z.B. 1999 fast doppelt so viele Schlagwortkorrekturen wie die UB Bayreuth und mehr als fünfmal so viele wie die UB Eichstätt.

30 Die BSB erfasste im Jahr 1999 16 360 neue SWD-Sätze, die UB Augsburg 5 208 , jeweils einschließlich der für die Sacherschließung genutzten PND-Sätze (vgl. Bericht der Kommission für Sacherschließung für 1999/2000, http://www.bibliothek.uni-augsburg.de/allg/swk/kse_bericht99.html).

31 Vgl. auch Mücke (Anm.19), S.2-3.

32 Standardschlagwortliste (SWL). Berlin 1987 (29 Mikrofiches).

33 Vgl. Geißelmann, Friedrich: Von der Standardschlagwortliste zur Schlagwortnormdatei. Der Bereich Sachschlagwort. In: ABI-Technik 9 (1989) 1, S.21-26; hier S.21.

34 Von den bereits aus dem Dienst oder aus der Sacherschließung ausgeschiedenen einsatzfreudigen Kolleginnen und Kollegen seien hier besonders genannt: Frau Dr. Weinmann (UB Regensburg, Chemie), Herr Dr. Olearius (UB München, Theologie), Herr Dr. Schubert (BSB, Anglistik), Herr Dr. Jahn (BSB, Klassische Philologie), Herr Dr. Wolff (BSB, Geologie).

35 Gödert, Winfried: Probleme und Nutzen kooperativer Inhaltserschließung. In: Libri 37 (1987) 1, S.25-37; hier S.29: "Die Realisierung einer solchen nationalen Schlagwortdatenbank muß skeptisch beurteilt werden.".

36 Vgl. Geißelmann (Anm.1), S.6.

37 Regeln für den Schlagwortkatalog (RSWK), 3., überarb. u. erw. Aufl., Berlin 1998.

38 Beispielsammlung zu den Regeln für den Schlagwortkatalog (RSWK), 2., vollständig neu bearb. Aufl. nach der 3. Aufl. des Regelwerks, Berlin 1999.

39 Vgl. Neue Regelwerke zum Schlagwortkatalog: Einführung in RSWK und PRECIS. Vorträge einer Fortbildungsveranstaltung der Fachhochschule für Bibliotheks- und Dokumentationswesen in Köln am 9. und 10. Juli 1984. Köln 1985; Kelm, Barbara: Die Inhaltserschließung der Deutschen Bibliothek im Spannungsfeld zwischen nationalen und internationalen Erfordernissen. In: Nationalbibliotheken im Jahr 2000. Festgabe für Günther Pflug zum 65. Geb. Hrsg. von Sieghardt von Köcknitz u. Kurt Nowak. 1988, S.223-234, hier S.227f.

40 Frankenberger (Anm.10).

41 Die UB Augsburg sandte in den Jahren 1995-1999 SWD-Mails in folgender Zahl ab: 5438 – 6631 – 5038 – 4118 – 4302.

42 Bei der Erweiterung der SWD-Kooperation um weitere Partner war Unterstützung aus Bayern öfters gefragt. 1991/92 halfen die UB Augsburg und die BSB dem österreichischen Verbund noch vor dessen Einstieg in die SWD-Kooperation, indem sie etwa 300 neue Schlagwörter der UB Wien redigierten und erfassten.

43 Kooperative Führung einer Schlagwortnormdatei : Fortführung der Schlagwortnormdatei (SWD); Bericht über ein Projekt der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Berlin 1991, S.36.

44 Gödert, Winfried: Sacherschließung im Jahr 2000: Spielwiese für Theoretiker oder berufsbedingtes Erfordernis? In: BuB 40 (1988) 10, S.844-849; hier S.849.

45 Aufs Ganze gesehen wird der Rationalisierungsgewinn fast immer positiv eingeschätzt; weniger gilt das für Redaktionsstellen und dort, wo Spezialerschließung mit hoher Eigenleistung erfolgt; vgl. Becht, Michael: Der Aufwand für die kooperative Sacherschließung nach den RSWK in der Universitätsbibliothek Tübingen 1995-1998. In: ZfBB (1999) 5, S.375-388; Mücke (Anm. 1).

46 Vgl. die WWW- Seite http://www.uni-duesseldorf.de/WWW/ulb/mil_home.htm "MILOS: Maschinelle Indexierung zur erweiterten Literaturerschließung in Online-Systemen" und die dort nachgewiesenen Veröffentlichungen.

47 Vgl. Gödert, Winfried u. Martina Liebig: Maschinelle Indexierung auf dem Prüfstand. In: Bibliotheksdienst 31 (1997) 1, S.59-68, und http://www.uni-duesseldorf.de/ulb/mil_god1.htm.

48 Das Projekt KASKADE der ULB Düsseldorf im Anschluss an MILOS II. Vgl. http://www.rz.uni-duesseldorf.de/ulb/kas_home.htm.

49 Anmerkungen zur maschinellen Indexierung aus der Sicht der BSB gaben Mücke (Anm.1), S.326-329, und Rückert, Ingrid: Automatische Indexierung oder intellektuelle Sacherschliessung? In: BSB-Hausmitteilungen Nr.40 (Februar 1996), S.9-11.

50 Vgl. z.B. aus Sicht der Fachinformation Krause, Jürgen: Informationserschließung und -bereitstellung zwischen Deregulation, Kommerzialisierung und weltweiter Vernetzung ("Schalenmodell"). IZ-Arbeitsbericht Nr. 6, September 1996, unter http://www.gesis.org/Publikationen/Berichte/IZ_Arbeitsberichte/index.htm#ab6. Aus bibliothekarischer Sicht ähnlich bei Stumpf, Gerhard: Quantitative und qualitative Aspekte der verbalen Sacherschließung in Online-Katalogen. In: Bibliotheksdienst 30 (1996) 7, S.1210-1227; hier S.1224f.

51 z.B. im für Dissertationen entwickelten Online-Publikationsverbund OPUS; vgl. Stephan, Werner u. Scholze, Frank: Online Publikationsverbund. In: Bibliotheksdienst 33 (1999) 1, S.92-102; hier S.96-98.

52 Stumpf (Anm.50), S.1217ff.

53 Regeln für den Schlagwortkatalog : RSWK. 3., überarb. u. erw. Aufl. Berlin 1998, S.III.

54 Sacherschließung in Online-Katalogen. Berlin 1994 (dbi-Materialien 132).

55 Zur Rolle der BSB als Fremddatennutzer und –anbieter vgl. Mücke, Michael: Quantitäts- und Qualitätsuntersuchung zur Übernahme von Schlagwortketten in den Schlagwortkatalog der BSB. In: BSB-Hausmitteilungen Nr.39 (Dez.1995), S.15-16, sowie Mücke (Anm.1), S.317.

56 Die Auswertung der Suchanfragen im OPAC der UB Eichstätt ergab bereits für die Alpha-Version relativ hohe Nutzungs- und Erfolgsquoten der für eine Präzisionssuche angebotenen Funktionen. Vgl. Obermeier, Franz: Schlagwortsuche in einem lokalen OPAC am Beispiel der Universitätsbibliothek Eichstätt. In: BFB 27 (1999) 3, S.296-319.

57 Geißelmann (Anm. 2), S.267.

58 Ein gewisses Problem für die Verbundredaktionen liegt darin, dass deren reibungsarmes Funktionieren inzwischen von wenigen Personen mit ausgeprägtem Spezialwissen abhängt und es Monate bis Jahre dauert, sich in Regelwerk, SWD-Konventionen und die Verbundorganisation mit ihren vielen Besonderheiten einzuarbeiten.

59 Gödert (Anm. 44), S.845.

60 Gödert (Anm. 35), S.35.

61 Dünninger (Anm.11).

62 Programmatisch für die Bibliotheksregion Bayern findet sich das Modell erläutert bei: Leskien, Hermann: Flächendeckende Information in Bayern durch Vernetzung. In: BFB 27 (1999) 3, S.274-287.

63 Leskien, Hermann: Welche Rolle spielt die Bibliothek bei der Vernetzung der Information? In: Börsenblatt für den deutschen Buchhandel Nr.8 (28.1.1997), S.19 f.; hier S.20.

64 Rudolph, Simone/Hemmje, Matthias: Visualisierung von Thesauri zur interaktiven Unterstützung von visuellen Anfragen an Textdatenbanken. Sankt Augustin 1994, S.14.

65 Ein Beweis für die Attraktivität der bayerischen Schlagwortdaten ist z.B. der jetzt realisierbar scheinende Wunsch des Südwestverbunds, diese Daten in seine Verbunddatenbank zu übernehmen. Vgl. den Bericht der Kommission für Sacherschließung (Anm.30).