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RSWK Neuerungen ab 2010


Erläuterungen zu den neuen Grundregeln zur Bildung von Schlagwortfolgen, die in der Ergänzungslieferung Nr. 6 zu den RSWK veröffentlicht wurden

Hintergrund:

  • Beschluss des Standardisierungsausschusses von 2001 zum Umstieg „auf internationale Datenformate und Regelwerke", d. h. heute MARC21 und RDA,
  • Anpassung des MARC21-Formats für die in MAB üblichen Spezifika der deutschsprachigen Anwendungen, u. a. für Schlagwortketten; dabei auftretende Probleme, vor allem in dem Fall, dass MARC als Intern-/Erfassungsformat verwendet werden soll,
  • Forderung der AG Verbundsysteme nach Vereinfachung der Regeln, insbesondere Abschaffung der Permutationsmuster,
  • Einsetzung einer „AG Strategie der Sacherschließung“ durch den Standardisierungsausschuss mit zwei Zielen:

a) Konzept zur Abbildung der Schlagwortketten in MARC21
b) Vorschläge zur besseren Nutzung der verbalen Erschließung

Die wesentlichen Neuerungen sind:

  • Terminologie: „Gegenstand“ meint nicht mehr ein Teilthema bzw. einen Aspekt, sondern ist synonym zum gesamten „Thema“. Üblicherweise wird deshalb von "Thema" gesprochen. Mehrere Themen eines Dokuments werden nur angenommen, wenn es mehrere getrennte Beiträge enthält.
  • Statt „Schlagwortkette“ heißt es künftig „Schlagwortfolge“, um zum Ausdruck zu bringen, dass die Anordnung der Schlagwörter („Syntax“) weniger festgefügt ist als früher.
  • Die Bildung mehrerer Schlagwortfolgen wird auf die Fälle beschränkt, wo ein Dokument mehrere Beiträge mit getrennten Themen enthält, oder wo die Bildung einer einzigen Schlagwortfolge die Zusammenhänge (gegenseitige Zuordnung einzelner Schlagwörter) nicht erkennen ließe (Verständlichkeit).
  • Konsequenz: Mehrere Aspekte eines Themas bzw. mehrere gleichartig behandelte Entitäten/Themen werden in der Regel durch eine Schlagwortfolge dargestellt, d. h. Wegfall der bisherigen "Parallelketten". (Optional ist eine differenziertere Praxis, d. h. die Bildung mehrerer Schlagwortfolgen, möglich; die DNB und die Verbünde werden jedoch i. A. den neuen Standardregeln folgen.)
  • Mit diesen Regeln soll ein gemeinsamer Nenner der bisherigen Regeln und der Schlagwortreihen des GBV geschaffen werden, um die gegenseitige Datenübernahme auf eine neue Basis zu stellen. Der GBV hat beschlossen, ab 1.4.2010 auch die gemeinsamen revidierten RSWK anzuwenden.
  • Abgeschafft werden außerdem:
    • der „Kibbuz-Paragraph" (künftig wird z. B. ein im Sachbegriff impliziertes Geographikum in der Schlagwortfolge zugelassen, ohne dass jedoch die Verankerung des geographischen Bezuges auf Datensatzebene entfällt),
    • das Weglassen von „Europa“ und „Deutschland“ (Pleonasmus),
    • das Pleonasmusverbot im Allgemeinen; Schlagwörter und ihre Oberbegriffe sollen aber nicht in einer Schlagwortfolge kombiniert werden.
  • Bei der Reihenfolge in der Schlagwortfolge gibt es von der formalen Reihenfolge weniger Ausnahmen als bisher. Die formale Reihenfolge entspricht weitgehend der bisherigen (jetzt Abfolge p/pt – g/c/k – t – s – z – f).
  • Die Permutation der Schlagwortfolgen als Möglichkeit des Zugriffs wird im Regelwerk nicht mehr empfohlen, da es heute auch andere Verfahren gibt. Die (intellektuelle) Vergabe von Permutationsmustern wird mit Rücksicht auf das MARC-Format abgeschafft. Der Zugriff auf die Schlagwortfolge als Ganzes wird aber ausdrücklich gefordert.
  • Die durch die Grundregeln abgedeckten Vorschriften zur Verknüpfung bzw. Permutation bei einzelnen Schlagwortkategorien sollen weitestgehend gestrichen werden, wodurch das Regelwerk insgesamt wesentlich übersichtlicher wird. [Hierfür ist eine Ergänzungslieferung 7 in Arbeit.]

Konsequenzen für die praktische Schlagworterschließung im Verbund sind u.a.:

  • In vielen (den meisten) Fällen wird sich das Ergebnis der verbalen Sacherschließung eines Dokuments nach RSWK nicht von der bisherigen Beschlagwortung unterscheiden. Spürbar werden die Unterschiede bei den Fällen mit den bisherigen "Parallelketten".

  • Die Schlagwortfolgen neuen Typs werden z. T. etwas länger sein als die bisherigen Schlagwortketten. Wenn die Verständlichkeit gefährdet ist, darf in zwei Folgen gesplittet werden.

  • Die Heterogenität bei den Schlagwortketten/-folgen, die durch die Vermischung von Neu- und Altdaten und Daten unterschiedlicher Herkunft entsteht, sollte in Anbetracht der bereits jetzt bestehenden Situation in Kauf genommen werden. Da die automatische Datenübernahme aus anderen Verbünden deutlich intensiviert werden soll, ist eine vollständige Konsistenz im lokalen Katalog (auf der "Kettenebene") noch weniger zu garantieren als bisher. Der Schwerpunkt sollte stärker auf der Verwendung des zutreffenden Vokabulars liegen, was auch die Kombination der richtigen Schlagwörter in der Schlagwortfolge einschließt. Es wäre falsch, von einer gleichordnenden Indexierung oder Einzelschlagwort-Vergabe zu sprechen. Die Schlagwortfolge (bisher: Grundkette) bleibt als inhaltsrepräsentierende textuelle Einheit genauso nutzbar wie bisher.

  • Altdaten werden i. A. nicht korrigiert. Da die Schlagwortverknüpfung nach dem bisherigen Usus nicht verboten ist, können auch beim Kopieren älterer Titelaufnahmen die enthaltenen Schlagwörter bedenkenlos weiter verwendet werden.

  • Das maschinelle Permutieren, wie es im BVB-Aleph-System implementiert und für das Lokalsystem gefordert ist, bleibt weiterhin sinnvoll und sollte sich auf alte Schlagwortketten und neue Schlagwortfolgen erstrecken. Für künftige Systeme sind andere Verfahren des Zugriffs auf die Indexate als alphabetische Register denkbar.

Beispiele:

Schlagwortkette(n) bisher

Schlagwortfolge(n) neu:

 

 

 

 

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