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AGSW Sitzung 19.12.2007


Kommission für Erschließung
des Bibliotheksverbundes Bayern (KES)

Arbeitsgruppe Verbale Sacherschließung (AGSW)


5. Sitzung (2. Sitzung der 2. Amtsperiode) am 19. 12. 2007, BSB, 10.30 - 16.00 Uhr
Protokoll


Teilnehmer:

Frau Gulder, BSB
Herr Dr. Lorenz, FHVR / FB Archiv- und Bibliothekswesen
Frau Mengels, UB Erlangen
Frau Merda, FHB Nürnberg
Frau Reitzle, UB Augsburg
Frau Dr. Rückert, BSB
Frau Schäfer, BSB
Frau Dr. Schmid, UB Würzburg
Frau Sedelmayer, BSB
Herr Dr. Stumpf, UB Augsburg (Vorsitz, Protokoll)
Frau Vogler, UB Augsburg
Frau Wolf-Dahm, UB Augsburg

Entschuldigt: Frau Platzer und Frau Dr. Steinmaus-Pollak, UB Regensburg

Tagesordnung:

1. Inhaltliche Recherche in den OPACs
2. Schlagwortvergabe in Aleph
2.1 Umfang der RSWK-Erschließung durch die einzelnen Bibliotheken
2.2 auf Titelebene: Qualitätskontrolle, Fehlervermeidung
2.3 Beschlagwortung von Online-Publikationen
2.4 Abweichende Daten einzelner Bibliotheken
2.5 Weitere Dateneinspeicherungen
2.6 Datenübernahme im Rahmen der kooperativen Neukatalogisierung
3. Verbale Sacherschließung bei Zeitschriften (ZDB-Update, Arbeit in der ZDB)
4. Schlagwort-Neuansetzungen und -korrekturen
5. Arbeit an der SWD (Vorarbeiten für das Gemeinsame Normdatenformat)
6. Umstieg auf MARC 21
7. Perspektiven für das Regelwerk
8. Web 2.0 und bibliothekarische Sacherschließung
9. Sonstiges


Herr Stumpf begrüßt die Anwesenden. Seit der letzten Sitzung am 6.6.2005 sind aus der AG ausgeschieden: Dr. Schubert, FHVR (Ruhestand), Dr. Bode, IJB (Ruhestand zum 31.12.07) und Herr Adelsberger, Dt. Museum (wechselt zur Stadt Erding).

1. Inhaltliche Recherche in den OPACs

Mehrere neue Features im SunRise-webOPAC tangieren die Sacherschließung bzw. sollen langjährige Forderungen erfüllen. Trotz einiger gravierender Mängel hat sich die Nutzbarkeit der RSWK- und SWD-Erschließung deutlich verbessert.

Die Systematik-Komponente für die RVK ist bisher nur an der UB Augsburg im Einsatz, trotz der störenden Tatsache, dass man bisher nur bei der Übernahme von Einzelnotationen zu Treffern kommt, nicht von Knotenpunkten mit Erstreckungen aus. Dieses Problem wird im Zusammenhang mit FAST gelöst werden (vgl. Testdatenbank UB Augsburg - Suchoption Systematik). Der verbale Einstieg in die RVK führt den Benutzer in ein sprachliches Umfeld, das weitgehend auf SWD-Vokabular basiert. Dadurch ergeben sich evtl. positive Effekte für die Wahl der Suchbegriffe im Schlagwortbereich.

Das neue Schlagwortkettenregister wird nach und nach in den einzelnen Lokalsystemen aufgebaut. Die UB Augsburg bietet es an, obwohl derzeit nur Grundketten, keine Permutationen dargestellt werden können. Der Vorteil eines erweiterten und verfeinerten Browsings ohne Einbußen bei der gewohnten Suche über einzelne SWD-Schlagwörter und deren Verweisungen wiegt das Fehlen der Permutationen auf. Alle SWD-Begriffe aus den Schlagwortketten sind suchbar, wenn auch nicht immer im Kontext der Kette.

Die Einbeziehung der Schlagwortketten und Einzelschlagwörter in die Suchfilter der FAST-Suche wird begrüßt. An dieser Stelle werden die nach Häufigkeit geordneten Grundketten zur thematischen Nachselektion nutzbar. Permutationen sind hier unnötig. Herr Stumpf spricht sich dafür aus, beide Optionen zu nutzen. Die UB Augsburg nennt sie nicht "Schlagwort" und "Schlagwortkette", sondern "Thema / Schlagwörter (grob)" und "Thema / Schlagwörter (präzise)", weil das Benutzer eher verstehen werden.

Im FAST-OPAC dürfte es zu einer stärkeren Nutzung der Freien Suche (bzw. einzeiligen Suche) kommen, so dass das Schlagwort-Suchfeld mit seinem Index etwas aus dem Blick gerät. Die im Index enthaltenen Verweisungen werden nicht mehr so leicht gefunden und die Suchergebnisse können an Transparenz verlieren. Wie weit sich durch die verbesserten Suchfilter die Ergebnisse letztlich doch optimieren lassen, bleibt abzuwarten. Dass beim Ranking der Treffer bei einer Freien Suche das Schlagwort oberste Priorität hat, ist prinzipiell sinnvoll, allerdings kann es gerade bei den an vorderster Stelle angezeigten Treffern zu Überraschungen kommen, die teils durch die Verstichwortung der Schlagwörter für die Suche, teils durch die Einbeziehung der nicht sichtbaren Synonymformen bedingt sind.

2. Schlagwortvergabe in Aleph

2.1 Umfang der RSWK-Erschließung durch die einzelnen Bibliotheken

Nennenswerte Veränderungen sind in den letzten beiden Jahren nicht zu verzeichnen. Bei deutschen Verlagspublikationen wird in der Regel auf die Nachführung der DNB-Schlagwörter gewartet. Es ist aber unbedingt auf das Vorhandensein der entsprechenden Kriterien zu achten (DNB-ID-Nummer im Feld 025a; die Nachführung ohne diese Nummer funktioniert nicht sicher). Die durch die DNB weitgehend aufgegebene Erschließung der Reihe B verursacht keine allzu großen Lücken. Bei Dissertationen könnte die Beschlagwortung durch die jeweils zuständige UB noch dichter sein. Besonders außerhalb Bayerns scheint sich die Eigenleistungsquote kaum erhöht zu haben.

Es gibt jedes Jahr Nachfrage nach Schulungen in RSWK bzw. Schlagwortvergabe in Aleph. Der nächste Kurs wird wahrscheinlich im 2. Halbjahr 2008 stattfinden.

2.2 Qualitätskontrolle und Fehlervermeidung auf Titelebene

(vgl. hierzu die Handreichung zur Fehlerkorrektur aus Info 307)

Ein erhebliches Problem stellen die wegen eines Migrationsfehlers nicht richtig verknüpften Schlagwörter dar, die im Index Titeldaten - Schlagwörter auffindbar sind. Es handelt sich um mehrteilige Schlagwörter, bei denen der 2. Teil statt des korrekten Indikators den Indikator a aufweist (also z.B. p/a statt p/t, g/a statt g/t). Die Verbundzentrale hat signalisiert, dass sich hier maschinell nichts machen lässt. Bei SWD-Korrekturen werden diese Fälle nicht automatisch mit berichtigt. Da Ansetzungskorrekturen nicht mehr intellektuell nachverfolgt werden können, bleiben so ggf. Reste mit den früheren Ansetzungsformen stehen. Um dem vorzubeugen, müssten diese Fehler in nächster Zeit verstärkt bereinigt werden.

Nicht ganz vermeidbar, aber in manchen Bibliotheken gehäuft verursacht sind zwei andere Fehler:

a) statt des Schlagworts steht nur dessen ID-Nummer im Titelsatz, d.h. das Unterfeld mit der Ansetzungsform wurde wieder gelöscht.

b) bei mehrteiligen Schlagwörtern ist die Reihenfolge der Unterfelder so vertauscht, dass die ID-Nummer zwischen 1. und 2. Teil des Schlagworts steht. Dies kommt vor allem dadurch zu Stande, dass die Sacherschließungs-Schablone (STRG+e --> a) über einen Titelsatz gelegt wird, in dem bereits in Feld 902 ff. mehrteilige Schlagwörter stehen; diese werden dadurch beschädigt. In solchen Fällen darf die Schablone deshalb nicht verwendet werden.

2.3 Beschlagwortung von Online-Publikationen

Das Formschlagwort f Online-Publikation wird bei einzeln beschlagworteten reinen E-Publikationen in der Regel vergeben, nicht jedoch bei E-Book-Paketen, wo die Schlagwörter von den bereits vorhandenen Titelaufnahmen für die Printausgabe kopiert werden, und bei Fremddatenübernahmen solcher Aufnahmen nicht ergänzt. Bei Hybridaufnahmen (Digitalisate) bleibt ohnehin die Beschlagwortung für das gedruckte Buch unverändert. Die AGSW beschließt, keine Eingriffe vorzunehmen. Die Inkonsistenz bezüglich des Formschlagworts soll akzeptiert werden, da die Selektion mit Hilfe der Codes sich (vor allem mit FAST) deutlich verbessert, das Formschlagwort somit weniger suchrelevant ist und im Regelwerk ohnehin in wenigen Jahren eine Abschaffung aller Formschlagwörter für Materialarte ins Haus steht. Auf der anderen Seite kann angesichts der regen Fremddatenübernahme keine nur in Bayern gültige Abweichung vom geltenden Regelwerk vorgeschrieben werden.

2.4 Abweichende Daten einzelner Bibliotheken

Die Daten der UB der Bundeswehr stören wenig, werden aber beim Aufgreifen ggf. korrigiert. Es handelt sich um beschlagwortete Titel, an denen nur der Besitznachweis UBY hängt. Hier sind die einzelnen Schlagwörter wie einzelne Ketten erfasst (je ein Begriff in 902, 907, 912 usw.).

Im Übrigen handelt es sich bei Abweichungen meist um Neumeldungen (siehe unter 4.1).

2.5 Weitere Dateneinspeicherungen

In den Jahren 2008 und 2009 sollen nach und nach Bibliotheken aus dem KOBV (z.B. die UB der FU Berlin, der Viadrina Frankfurt/Oder, der UB Cottbus) mit ihren Beständen in die BVB-Datenbank eingespeichert werden und kooperativ mit katalogisieren. Bezüglich der Schlagwort-Koordinierung müssen Absprachen getroffen werden, so bald die Verbundzentrale mit der KES entsprechende Zeitpläne und Verfahren verabschiedet hat. Einige der in Frage kommenden KOBV-Bibliotheken sind daran interessiert, dass ihre gute verbale Sacherschließung nicht verloren geht. Da auch der BVB an qualitativ guter Erschließung interessiert sein muss, sind in jedem Fall eingehende Stichproben notwendig. Zu dem Prinzip, dass im Kollisionsfall die vorhandene Beschlagwortung aus dem BVB am Gewinnersatz zunächst stehen bleibt, wird es aber kaum eine Alternative geben.

2.6 Datenübernahme im Rahmen der kooperativen Neukatalogisierung: nicht behandelt (Derzeit findet noch kein routinemäßiger Austausch statt.)

 

3. Verbale Sacherschließung bei Zeitschriften

Im BVB haben viele Zeitschriften Schlagwörter. Besonders Spezialbibliotheken, SSG und Regionalbibliographie (z.B. Franconica) sind auch weiterhin daran interessiert, auch alle einschlägigen Zeitschriften als solche zu beschlagworten. Nach der Einführung des OAI-Harvesting-Verfahrens für die ZDB hat sich gezeigt, dass das Überschreiben der alten Sätze zu unerträglichen Redundanzen bei Schlagwörtern und Notationen bzw. zur Löschung des Vorhandenen führt; daraufhin wurde der Import der Sacherschließungsdaten gestoppt. Es ist nun geplant, die Schlagwörter aus dem Zeitschriftenbestand in BVB01 auszuspeichern und an die ZDB zu liefern, so dass sie dort eingespielt werden können. Dann müsste allerdings sichergestellt werden, dass beim Update die Daten in einem Feld nicht mehr multipliziert werden. Herr Stumpf wird dies erneut in die KES einbringen.
Für Ergänzungen und Korrekturen sowie die Beschlagwortung neuer Zeitschriften werden in der WinIBW feldbezogene Berechtigungen für die Bibliotheken benötigt, die in der ZDB arbeiten. Die UB Augsburg hat deshalb schon länger Kontakt mit der ZDB. Inzwischen wurde die DNB eingeschaltet, die die Berechtigungen verwaltet.

 

4. Schlagwort-Neuansetzungen und -korrekturen

4.1 Aktuelle Probleme bei der Arbeit in BVB12

Es wird der Wunsch geäußert, in den Satzschablonen deutlicher zu kennzeichnen, welche Felder unbedingt ausgefüllt werden müssen. Das soll im Zusammenhang mit der Online-Kommunikation und den Vorarbeiten für das Gemeinsame Normdatenformat berücksichtigt werden (siehe TOP 4.2 und 5).

Bei Personennamen werden die essentiellen Angaben (Lebensdaten, Berufsbezeichnungen) zwar meistens mitgeliefert, die korrekte Erfassung der normierten (weiten) Berufsbezeichnung macht aber den Redaktionen viel Arbeit.

Bei Körperschaften ist die Recherche in der GKD und die Angabe der GKD-Nummer wichtig, ebenso die MOs.

Bei Sachbegriffen fehlen oft die Oberbegriffe.

Die nicht ganz einfachen Regeln für Werktitel werden vielfach nicht vollständig eingehalten; die Augsburger Verbundredaktion verbessert jedoch alle Datensätze.

Ein Dauerproblem stellen die Neuansetzungen in BVB12 dar, die längere Zeit das Selektionskennzeichen 2 haben. Während einige Bibliotheken (z.B. die Bibliothek des Dt. Museums) hier bewusst handeln und die Sätze später noch aufarbeiten, geraten diese anderswo in Vergessenheit. Die Verbundredaktion UBA behält sich vor, sie nach langem Warten selbst weiter zu bearbeiten. Im Vorfeld der Online-Kommunikation sollten diese Rückstände ohnehin abgearbeitet werden.

Unnötige und regelwidrige Ansetzungsformen sowie fehlende Angaben gibt es in den Meldungen einiger kleiner Bibliotheken. Viele formale Fehler macht vor allem das Collegium Carolinum (MCC).

 

4.2 Online-Kommunikation mit den Normdateien

Das Prinzip der Online-Kommunikation ist an anderer Stelle beschrieben. Frau Gulder schildert den Stand der Vorbereitungen für die PND, die Anfang April den Routinebetrieb aufnehmen soll, allerdings zunächst nur unter Beteiligung der Verbund(Zentral)redaktionen. Die in BVB10 erfassten Sätze und Korrekturen werden in Sekundenschnelle über eine neue Online-Schnittstelle zurückgeliefert (angereichert um ID-Nummer und andere Daten); von anderen PND-Partnern erfasste Sätze und Korrekturen gelangen durch ein Harvesting-Verfahren in BVB10 (und umgekehrt unsere Daten in die anderen Verbundsysteme). Für die Durchführung von Korrekturen ist die vorherige Lieferung eines aktuellen Gesamtabzugs der PND durch die DNB erforderlich (Ende Januar). Für die SWD, die nicht vor Juni/Juli folgt, werden jetzt die redaktionellen Absprachen getroffen. Für die Personenschlagwörter wird die Online-Kommunikation bereits ab April relevant. Während die Referenten der BSB voraussichtlich ihre Neuerfassungen selbst in BVB10 (und damit in der ÜPND) im PND-Format anlegen und dann mit Hilfe einer "Satz angleichen"-Routine einen fragmentarischen BVB12-Satz erzeugen und mit dem Titel verknüpfen, plant die UB Augsburg, die Meldungen aller anderen Verbundredaktionen wie bisher in BVB12 entgegenzunehmen (mit leicht gesteigerten Qualitätsanforderungen) und selbst in BVB10 oder WinIBW im PND-Format zu erfassen. Erst mit dem Start der Online-Kommunikation für die gesamte SWD werden auch die anderen Bibliotheken damit konfrontiert werden, dass ihre Neuansetzungen in BVB12 nicht mehr bloß Meldungen an die Verbundredaktion darstellen, sondern bereits für alle SWD-Anwender überregional verfügbar sind. Die zuständigen Verbundredaktionen verpflichten sich, alle Neuansetzungen ihres Verbundes binnen 2 Monaten zu autorisieren, allgemeine Sachbegriffe (Fachterminologie) schon innerhalb von 2 Wochen. Es gibt in Bayern de facto 3 Berechtigungsstufen (Zentralredaktionen, Bibliotheken mit geschultem Personal, ungeschultes Personal). Wichtig ist, dass dann das Mailboxfeld an den Normsätzen mit allen Inhalten auch in die Verbünde transportiert, allgemein sichtbar und prinzipiell für alle Nutzer geöffnet wird.

 

4.3 Informationsmöglichkeiten über SWD-Änderungen

Die früher in Schlagwort-Infos mit großem Aufwand mitgeteilten SWD-Ansetzungsänderungen wurden in den letzten Jahren kaum noch bekanntgemacht, da die Titelverknüpfungen in der Regel automatisch angepasst werden und auch nicht wie in BVB-KAT Verweisungen lokal zu pflegen sind. Es gibt jedoch immer wieder gravierende Änderungen bzw. Neueinführungen von Begriffen, die eine Umverknüpfung von Titeln erfordern, will man die Konsistenz auch für die Altdaten wahren. Auch die Kenntnis wichtiger Neuansetzungen (vor allem allgemeine Sachbegriffe) ohne Nachbearbeitungsfolgen kann für die künftige Indexierungsarbeit der SWD-Anwender im Verbund sehr hilfreich sein. Deshalb wird die UB Augsburg demnächst eine Info-Seite "SWD aktuell" einrichten, auf der kumulierend relevante Neuansetzungen und Änderungen mitgeteilt werden.

Für die Verbundredaktion selbst wird es jedoch auch schwieriger, von Änderungen Kenntnis zu erhalten, da im Zuge der Online-Kommunikation zumindest bei Personenschlagwörtern auf eine Kennzeichnung der Ansetzungsänderungen sowie Aufnahme in den wöchentlichen Informationsdienst der DNB verzichtet werden soll. Zumindest die Fälle, um die es einen Mailverkehr gegeben hat, sollen angesehen werden.

Auf Wunsch können alle SWD-Anwender im Verbund den wöchentlichen Änderungsdienst in aufbereiteter Form bei Herrn Stumpf abonnieren (Mailversand).

 

5. Arbeit an der SWD (Vorarbeiten für das Gemeinsame Normdatenformat)

Die Angleichung der bisherigen RAK- und RSWK-Regeln an AACR2 (bzw. RDA) und MARC 21 in einem Gemeinsamen Normdatenformat bringt einen neuen Zuschnitt der Entitätstypen mit sich. auch eine deutliche Vermehrung über die Zahl der heutigen Indikatoren hinaus. Bei dieser Gelegenheit sollen alle Entitätstypen (z.B. auch Sprachen, Ethnographika, verschiedene Typen von Individualnamen) mit Hilfe unterschiedlicher Kriterien selektierbar gemacht werden, um dies in fortgeschrittenen Retrievaltools zur Benutzerführung anbieten zu können. Wenn die SWD-Schlagwörter in das Gemeinsame Normdatenformat überführt werden, müssen bereits entsprechende Kennzeichnungen vorhanden sein. Oft reichen die bisherigen Indikatoren, DDC-Notationen oder ähnliche Daten aus. In vielen anderen Fällen müssen aber neue Kennzeichnungen vergeben werden. Mit der Erfassung dieser Codierungen an den vorhandenen Datensätzen soll demnächst begonnen werden. Außer der DNB werden auch manche Verbundredaktionen beteiligt sein. Für die Online-Kommunikation hat das zur Folge, dass es in Aleph mehr unterschiedliche Satzschablonen mit den entsprechenden Codierungen geben wird bzw. dass alle Bibliotheken, die die SWD dann direkt beliefern, diese Codierungen mit erfassen müssen.

 

6. Umstieg auf MARC 21

Im Zusammenhang mit dem geplanten Umstieg im Datenformat ist der Transport der RSWK-Daten (Schlagwortketten) ein wichtiger Punkt. Das Format MARC 21 sieht je einzelne Felder für Deskriptoren bestimmter Kategorien (in der Reihenfolge p - k - z - s - g - f) vor, jedoch ist eine freie Reihenfolge bzw. eine Abweichung von der streng formalen Gruppierung nicht möglich. Zwar könnte man "Ketten" als präkoordinierten String in eines dieser Felder (gemäß der Kategorie des ersten Begriffs) stellen, dann wäre jedoch eine Normdatenverknüpfung der einzelnen Bestandteile nicht möglich. Diese Struktur reicht für die präkordinierten LCSH, die ja keine Thesaurusanbindung kennen, aus, nicht aber für die RSWK.

Herr Stumpf referiert den Gang der jüngsten Diskussion. Im Frühjahr hat die EG Datenformate bereits eine Lösung skizziert, die darauf basiert, dass in einem Unterfeld zu jedem Schlagwort durch Ziffern codiert wird, zu welcher von mehreren Ketten und an welche Stelle dort ein Schlagwort gehört (z.B. würden die Schlagwörter aus zwei Ketten dann nummeriert: 1.1 - 1.2 - 1.3 - 2.1 - 2.2 - 2.3 - 2.4). Permutationsmuster könnten ebenfalls in einem anwenderspezifischen Unterfeld transportiert werden. Die AG Kooperative Neukatalogisierung hat diesen Vorschlag, der sehr kompliziert anmutet, wenn im Austauschformat auch erfasst werden soll, mit dem Hinweis auf den Aufwand beim Erfassen und bei der Nachbildung der Struktur in den einzelnen Systemen zur kritischen Begutachtung an die AG der Verbundsysteme weitergeleitet. Aus dieser wiederum kam ein Antrag an den Standardisierungsausschuss, bei Gelegenheit des MARC-Umstiegs die gesamte Sacherschließung unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten auf den Prüfstand zu stellen, wobei insbesondere die Schlagwortketten, die Permutationen und das Prinzip des engen Schlagworts zu hinterfragen seien. Es wurde argumentiert, bei einer Vereinfachung der verbalen Sacherschließung sei es möglich, insgesamt mehr Dokumente zu erschließen. - Inzwischen hatte sich die EG RSWK/SWD mit dem MARC-Problem befasst, und zwar auf der Grundlage neuer alternativer Lösungsvorschläge (anwenderspezifische Felder bzw. "D-MARC"), die Herr Heuvelmann (Vorsitzender der EG Datenformate) vorgelegt hatte. Aus dieser Sitzung ergab sich ein fachliches Positionspapier, das ebenfalls dem Standardisierungsausschuss zuging.

Der Standardisierungsausschuss wiederum hat nun eine Ad-hoc-Arbeitsgruppe eingesetzt, die binnen weniger Monate Vorschläge für die künftige Gestaltung der Sacherschließung, insbesondere auch für den Transport der RSWK-Daten in MARC 21 vorlegen soll. Herr Geißelmann hat den Vorsitz übernommen; Mitglieder sind je 3 Vertreter der neuen EG Sacherschließung und aus dem Kreis der Verbund- und Datenformatexperten.

 

7. Perspektiven für das Regelwerk

Da der BVB der größte RSWK- und SWD-Anwender ist und hier die größte Menge an RSWK-erschlossenen Titeln vorliegt, ist es ein großes Anliegen, dass die bereits geleistete Inhaltserschließung in allen Aspekten ungeschmälert erhalten bleibt und dass auch in Zukunft konsistente Suchergebnisse in diesem Kernbereich möglich sind. Dass es künftig geänderte Verknüpfungsregeln gibt, die die Aufteilung eines Dokumentinhalts in mehrere Gegenstände (d.h. mehrere Schlagwortketten) mit z.T. der Wiederholung der gleichen Begriffe nur noch in Ausnahmefällen (z.B. wenn alle Schlagwörter in einer Reihe den Inhalt verfälschen würden) vorsehen, und die Aufgabe des intellektuellen Permutierens (und damit der Permutationsmuster) werden für realistisch gehalten. Im Zusammenhang mit den Suchmaschinenkatalogen (FAST) eröffnen sich neue Nutzungsmöglichkeiten für die Schlagwortketten (als Suchfilter, vgl. etwa den Regensburger FAST-OPAC); hier werden Permutationen nicht benötigt. Wo in alphabetischen Kettenregistern zum primären Sucheinstieg Permutationen benötigt werden (vgl. den Augsburger OPAC, Thema/Schlagwort - Index), müssen diese vom System maschinell erzeugt werden, wie es heute schon in Aleph und theoretisch auch im SunRise-webOPAC möglich ist.

 

8. Web 2.0 und bibliothekarische Sacherschließung

In Anwendungen aus dem Bereich Social software wird vielfach eine "Konkurrenz" oder gar ein Ersatz für bibliothekarische Sacherschließung gesehen. Im Wesentlichen ist hier zur Zeit nur das Social tagging (Folksonomies) relevant, die Vergabe von Deskriptoren und Kommentaren zu einzelnen Dokumentbeschreibungen durch Benutzer, die dann wiederum für alle recherchierbar gemacht werden (vgl. Wikipedia "Gemeinschaftliches Indexieren"). Es besteht aber kein Anlass anzunehmen, dass hierdurch nennenswerte Mengen an zusätzlichen Sucheinstiegen geschaffen werden. In einem Umfeld, das nach wie vor durch einen Kern hochwertiger Erschließung mit kontrolliertem Vokabular und zunehmend auch durch recherchierbare Zusatzinformationen aus Inhaltsverzeichnissen usw. gekennzeichnet ist, ist noch weniger von irgendwelchen qualitativen Mehrwerten durch Social tagging auszugehen.

 

9. Sonstiges

Herr Stumpf gibt einen Ausblick auf die künftige Gremienarbeit. Die künftige Kommission für Sacherschließung wird bestimmt eine AG Verbale Sacherschließung benötigen, da in den nächsten Jahren wichtige Veränderungen in Regelwerk, Format und Benutzeroberflächen begleitet und umgesetzt werden müssen.