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EIN ARMES, GESCHLAGENES, SEHR KLEINES DEUTSCHLAND


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Irmgard Keun

(* 6.2.1910 in Berlin, † 5.5.1982 in Köln)

Irmgard Keun ließ sich zur Schauspielerin ausbilden, wurde aber von Kurt Tucholsky auch als Schriftstellerin entdeckt. 1933 erhielt sie Berufsverbot, floh 1935 über Frankreich, in die Niederlande und nach Belgien (Ostende). Beim deutschen Überfall 1940 gelang ihr die Flucht ins Ausland nicht mehr; sie kehrte in die Heimat zurück und lebte dort versteckt und unter falschem Namen. Seit 1945 konnte Keun wieder als Schriftstellerin arbeiten, bis zu ihrer späten Wiederentdeckung im Kontext der Frauenbewegung allerdings ohne nennenswerten Erfolg.


Immer noch zögerte ich, nun selbst mit dem Schreiben anzufangen und für mein Buch ein Deutschland der Nationalsozialisten lebendig werden zu lassen mit braunen SA-Männern, fischäugigen Gestapo-Mördern und schwachsinnig-fanatischen Stürmer-Verkäufern. Ein Deutschland, in dem Kolonialwarenhändler und Feldwebelwitwen Nietzsches Philosophie vollstreckten.

Ein armes, geschlagenes, sehr kleines Deutschland, dieses letzte Deutschland, verweht und verstreut im eigenen Land, verweht und verstreut über fremde Länder.

Ich halte mich an Lessing: „Wer über gewisse Dinge nicht den Verstand verliert, der hat überhaupt keinen zu verlieren."
(Alles aus: Bilder aus der Emigration, 1947)
Die Werke von Irmgard Keun sind in unserer Sammlung vollständig vorhanden.
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