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Ruinöser Sammeleifer: Fürst Ludwig von Oettingen-Wallerstein


  Supralibros Ludwig von Oettingen-Wallersteins (L' esprit de l'encyclopédie, Paris 1798ff., 02/I.8.123-1)

Im Jahr 1812 übernahm der nun volljährige Sohn Kraft Ernsts, Ludwig, die Regierung. Die oettingischen Territorien waren inzwischen mediatisiert und in die Königreiche Bayern und Württemberg eingegliedert . 

Ludwigs Sammeleifer und sein Bestreben, das Gesammelte in musealer Form der Öffentlichkeit darzubieten, erstreckte sich auf die verschiedensten Gebiete, auf Gemälde, Graphik und Münzen ebenso wie auf naturwissenschaftliche Objekte; und selbstverständlich betätigte er sich auch bibliophil: Es gelang ihm, spektakuläre Handschriften für seine Bibliothek zu erwerben (u.a. die berühmte spanische Bilderbibel aus dem 12. Jhdt.). 1816 ließ er in Wallerstein 4500 Handschriften und frühe Drucke in gotisierenden Schränkten zu einer ‚mittlalterlichen Bibliothek’ zusammenstellen, aber auch ein öffentlich zugängliches ‚Leseinstitut’ einrichten, in dem z.B. zahlreiche Zeitschriften eingesehen werden konnten. Der Versuch, Ludwig Uhland als fürstlichen Bibliothekar zu gewinnen, scheiterte allerdings.

Bei Ludwigs weit ausgreifenden Plänen verwundert es nicht, dass sich 1821 ein Schuldenberg von zwei Millionen Gulden aufgetürmt hatte. 1823 zwang ihn seine Eheschließung mit der Tochter eines fürstlichen Gärtners zur Abdankung, woraufhin er sich dem Staatsdienst zuwandte (u.a. 1831-37 bayerischer Staatsminister des Inneren). Seine späteren Jahre waren überschattet von Schuldhaft und Exil in der Schweiz, wo er 1870 starb.

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