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Bücher und Noten: Fürst Kraft Ernst von Oettingen-Wallerstein


  Supralibros Kraft Ernst von Oettingen-Wallersteins (André Corneille Lens, Le costume ou essai sur les habillements et les usages de plusieurs peuples de l'antiquité, Lüttich 1776, 02/IV.12.4.84)

Im 18. Jhdt. wurde Oettingen-Wallerstein zur bedeutendsten Teilgrafschaft, da ihr 1731 das Gebiet der im Mannesstamm erloschenen Linie Oettingen-Oettingen zufiel. Die beherrschende Gestalt des 18. Jhdts. war Kraft Ernst von Oettingen-Wallerstein (1748 – 1802), der seit 1773 regierte und 1774 in den Reichsfürstenstand erhoben wurde. Die erhaltenen Dokumente zeichnen das Bild eines für die verschiedensten politischen, sozialen, wirtschaftlichen und nicht zuletzt kulturellen Belange aufgeschlossenen Mannes mit gelegentlich exzentrischen Charakterzügen.

Der Ausbau seiner Bibliothek lag Kraft Ernst besonders am Herzen. In großem Stile sammelte er das deutsch- und fremdsprachige (insbesondere französische) Schrifttum seiner Zeit und trug so entscheidend dazu bei, dass die zweite Hälfte des 18. Jhdts. den quantitativen Schwerpunkt der Druckbestände der heutigen Bibliothek bildet. Hervorzuheben ist daneben der Erwerb einer Reihe mittelalterlicher Handschriften, darunter erlesene Einzelstücke wie ein karolingisches Evangeliar aus Salzburg oder der Nekrolog von St. Emmeram in Regensburg. Dem Repräsentationsbedürfnis seiner Zeit gehorchend, ließ Kraft Ernst eine Reihe seiner Handschriften aufwändig neu binden, was auch zu Randbeschneidungen führte, die ein einheitliches Format der Bände garantieren sollten – aus heutiger Sicht höchst bedauerliche Maßnahmen.

Zu den besonderen Leidenschaften Kraft Ernsts gehörte auch die Musik. Seine Hofkapelle, für die das Mannheimer Orchester als Vorbild diente, setzte sich aus vorzüglichen Instrumentalisten zusammen (berühmt waren insbesondere die Bläser), von denen einige auch namhafte Komponisten waren. Als bedeutendster Komponist in Diensten Kraft Ernsts ist Antonio Rosetti (1750 – 1792) zu nennen.

Selbstverständlich schlug sich die fürstliche Musikliebe auch in der Bibliothek nieder, die noch heute einen wertvollen Bestand an Musikhandschriften und –drucken umfasst, darunter zahlreiche Autographen von Mitgliedern der Hofkapelle und zeitgenössische Handschriften von Werken der Wiener Schule. Besonders schätze der Fürst Joseph Haydn, bei dem er auch selbst Streichquartette und Symphonien bestellte. Diese musikalische Blüte blieb auf die Regierungsjahre Kraft Ernsts beschränkt: Unter seinen Nachfolgern sank das Musikleben am fürstlichen Hof  rasch auf provinzielles Niveau.

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