Suche

... Hl. Kreuz in Donauwörth ...


  Exlibris des Abtes Gallus Hammerl (reg. 1776 – 1793; in: Voltaire, Questions sur l'Encyclopédie, 1770, 02/I.2.8.88-1)

Das der Überlieferung nach im ersten Drittel des 11. Jhdts. im Zusammenhang mit dem Erwerb eines Partikels vom Kreuz Christi durch den Grafen Mangold von Werd gegründete Kloster Hl. Kreuz in Donauwörth wurde um 1100 durch Benediktiner aus St. Blasien besiedelt, was einer Neugründung gleichkam. 

Im Mittelalter erlebte das Kloster Blütephasen vor allem unter den Äbten Ulrich von Raitenbuch (1313-33) und Konrad Megenwart (1457-66). Als dessen Nachfolger Johannes III. Ströler 1473/74 wohl zum ersten Mal einen speziellen Raum als Bibliothek einrichten ließ, war längst eine große Büchersammlung zusammengetragen, zu der auch das hauseigene Skriptorium beigetragen hatte. Fast völlig vernichtet wurde die Bibliothek im Juli 1545, als im Zuge des Schmalkaldischen Krieges Truppen und Stadtbevölkerung das Kloster plünderten, wie die Reformationszeit überhaupt aufgrund der fortschreitenden Protestantisierung Donauwörths dem Kloster schwer zusetzte.

Die Gegenreformation und die Rekatholisierung Donauwörths unter der bayerischen Herrschaft (ab 1607) brachten jedoch einen neuen Aufschwung und bereits im frühen 17. Jhdt. konnte die Bibliothek wieder große Bücherzuwächse verzeichnen, die auch über den 30jährigen Krieg gerettet wurden: Eine drohende Konfiszierung der Buchbestände durch die Schweden im Jahr 1646 konnte knapp abgewendet werden.

Eine letzte Blüte, geprägt von vielfältigen wissenschaftlichen, literarischen und musikalischen Aktivitäten und durchdrungen vom Geist der katholischen Aufklärung, setzte Mitte des 18. Jhdts. ein; in ihrem Mittelpunkt stehen Figuren wie Abt Gallus Hammerl (1776-93) oder P. Beda Mayr, Bibliothekar und Professor an der Klosterschule, der u.a. mit seinen Überlegungen zur Überwindung der konfessionellen Spaltung Aufsehen und Anstoß erregte. Unter Abt Gallus wurde 1780 genau im Zentrum der Klosteranlage ein schlicht klassizistisch gestalteter Bibliotheksraum eingerichtet (der später einmal die Bibliothek der Pädagogischen Stiftung Cassianeum aufnehmen sollte). Bezeichnend für die umfassende Kultur und Wissenschaftspflege im Kloster sind das Staunen der französischen Truppen, die 1796 die Bibliothek besichtigten, oder der Umstand, dass von den ca. 20000 Bänden, die schließlich in die Oettingen-Wallersteinsche Bibliothek gelangten, weniger als 50% auf theologische und kirchengeschichtliche Literatur entfallen.

Weiter zu St. Mang in Füssen