Suche

Das Erbe des Dompropstes



Besitzvermerk Franz Wilhelm von Oettingen-Balderns (in: Justus Lipsius, Poliorceticon, Antwerpen 1599, 02/IV.12.4.91)


Franz Wilhelm von Oettingen-Baldern, der seit 1745 dem Kölner Domkapitel angehörte und zuletzt die Ämter des Dompropstes, des Kanzlers der Universität, des Domkustos und Domschatzmeisters bekleidete, flüchtete 1794 vor den französischen Revolutionstruppen aus dem Rheinland in seine schwäbische Heimat. Mit nach Baldern brachte er auch sein Kunst- und Münzkabinett sowie seine Bibliothek, beachtliche Sammlungen, denn Franz Wilhelm war gegenüber Kunst und Wissenschaft sehr aufgeschlossen. (In Köln hatte er u.a. engen Kontakt zum geistlichen Polyhistor Ferdinand Wallraf, dessen Sammlung altdeutscher und altniederländischer Malerei den Grundstock des Wallraf-Richartz-Museums bildete.)

Als Franz Wilhelm 1798 verstarb, die Balderner Linie damit im Mannesstamm erlosch und das Erbe an die Linie Oettingen-Wallerstein fiel, hatte dies weitreichende Folgen für deren Bibliothek, und zwar nicht nur wegen der Bücher aus dem Besitz Franz Wilhelms, die sie sich nun einverleiben konnte.

Denn durch die Heirat von Franz Wilhelms Großvater mit Maria Sidonia von Soetern im Jahr 1682 war die Besitzung Dachstuhl (Dagstuhl; im heutigen saarländischen Kreis Merzig-Waldern) in die Familie gekommen; und diese Besitzung gehörte zu den linksrheinischen deutschen Gebieten, die im Frieden von Lunéville 1801 an Frankreich fielen. Als Entschädigung dafür wurden dem Haus Oettingen-Wallerstein fünf säkularisierte Klöster zugesprochen, deren Bibliotheken der fürstlichen Bibliothek einen bedeutenden Bestandszuwachs von über 50000 Bänden brachten - zumal sie fast vollständig übernommen wurden und es nicht, wie oft andernorts, zur großzügigen Makulierung von als minderwertig betrachteter geistlicher Literatur (Erbauungsschrifttum u.ä.) kam.

Neben den  im Ries gelegenen oettingischen Stiftungen Kirchheim (Zisterzienserinnen) und Maihingen (Minoriten) handelte es sich um die drei Benediktinerklöster Mönchsdeggingen (ebenfalls im Ries), Hl. Kreuz in Donauwörth und St. Mang in Füssen.

Kraft Ernst konnte sich an dieser Bereicherung seiner Bibliothek durch die Säkularisation nicht mehr erfreuen; er verstarb noch im Jahr 1802. Unter der Regentschaft seiner Witwe Wilhelmine Friederike, einer geborenen Prinzessin von Württemberg, wurden die Bücherbestände aus dem Säkularisationsgut, betreut von ehemaligen Klosterbibliothekaren, zunächst in Maihingen zusammengeführt und 1807 nach Mönchsdeggingen verlegt.

Weiter zu Säkularisationszuwachs: Kirchheim ...