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Frühe Spuren; Bibliophiles aus dem Hause Fugger



Buchrücken mit charakteristischer Beschriftung aus der Bibliothek Marcus Fuggers (Aristoteles, Opera, quae extant, omnia, Venedig 1560, 02/II.4.8.118-4 ff.)

Die Grafschaft Oettingen breitete sich im Laufe des 13. und 14. Jhdts. über weite Teile des Rieses aus und entwickelte sich zu einem der größeren schwäbischen Territorien, dessen geographische Lage für Handelszwecke günstig war, sich in Kriegszeiten jedoch auch als nachteilig erwies.

Einige erhaltene Bücherverzeichnisse belegen, dass die Grafen von Oettingen bereits im 15. Jhdt. eine beachtliche Bibliothek besaßen. Gut vertreten war, wie bei einem adeligen Laienpublikum zu erwarten, insbesondere deutschprachige Literatur, z.B. die höfische und heroische Epik (Nibelungenlied, Wolfram von Eschenbach, Hartmann von Aue). Von diesen Beständen ist in der heutigen Oettingen-Wallersteinschen Bibliothek nur noch wenig erhalten.

Gegen Ende des 15. Jhdts. entstanden die beiden räumlich relativ geschlossenen Teilgrafschaften Oettingen-Oettingen (östliches Ries, nördliche/südliche Randgebiete) und Oettingen-Wallerstein (Westries, westliche Randgebiete), von denen sich Oettingen-Oettingen später der Reformation anschloss. Das 17. Jhdt. brachte eine Aufspaltung von Oettingen-Wallerstein in drei Teilgebiete (Oettingen-Wallerstein, Oettingen-Baldern, Oettingen-Spielberg).

Bibliotheksgeschichtlich von besonderem Interesse ist im 17. Jhdt. Graf Ernst II. von Oettingen-Wallerstein (1594-1670). Er vereinigte die bis dahin innerhalb seiner Familie verstreuten Buchbestände mit seinen eigenen und brachte die Bibliothek in das Familienfideikommiss ein, d.h., sie wurde damit zum unveräußerlichen Familienbesitz. Wohl kurz nach 1653 konnte er die bedeutende Bibliothek seines Schwagers Marquart Fugger erwerben, in die ihrerseits die Bestände der Bibliothek von Marquarts Großvater Marcus (Marx) Fugger eingeflossen waren. Die Fugger-Bibliothek ist in der heutigen Oettingen-Wallersteinschen Bibliothek zum Teil noch erhalten. Sie enthält u.a. humanistische Texte, zahlreiche Fecht-, Ringer- und Turnierbücher des 15. und 16. Jhdts und hippologische Literatur. Besonders wertvoll sind einige reich verzierte Renaissanceeinbände.

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