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Franz Reinzer: Meteorologia Philosophico-Politica, Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen / oder in der obern Lufft erzeugten Dinge, Augsburg 1712, 02/III.7.2.11


 

Franz Reinzer:

Meteorologia Philosophico-Politica, Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen / oder in der obern Lufft erzeugten Dinge In 12 zerschiednen aus meteorologischen Fragen u. politischen Schlußreden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen

Augspurg : Wolff, 1712
Signatur UB Augsburg: 02/III.7.2.11

 

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Die Dünste / welche sich hin in die Höh’ geschwungen/
Wann sie die weite Lufft zu ihrem Sitz erkiest/
Seynd meistens durch die Hitz der Sonn’ dorthin getrungen:
Dann dieses Liecht allein die stärckste Strahlen schiest.
GOTT ist allein die Quell und Ursprung aller Dingen:
Fang’ an / und end’ mit ihm’; so wird es dir gelingen.

 

Naturwissenschaftliche Texte gewinnen im Laufe des 17. Jahrhunderts zusehends an Komplexität. Tradiertes Wissen wird hinterfragt; neue Methoden und Betrachtungsweisen werden eingebracht. Allerdings verbinden manche Texte auf eine für ein modernes Publikum befremdliche Weise weiterhin Naturwissenschaften mit anderen Disziplinen (Theologie, Philosophie etc.).

Dazu gehört auch die 1697 erstmals in lateinischer Sprache erschienene Meteorologia philosophico-politica des Jesuiten Franz Reinzer. In diesem Buch folgt auf die wissenschaftliche Beschreibung eines Naturphänomens jeweils eine mit einem Emblem illustrierte „Politische Schluß-Rede“, in der sich Prosa und Verse abwechseln. In ihr wird das Naturphänomen zur sinnbildlichen Veranschaulichung einer moralischen Sentenz herangezogen wird. Diese wird dann dem Staatsmann oder „Politicus“ als Verhaltensmaxime ans Herz gelegt.

Etwa 15 Jahre nach der lateinischen Erstausgabe wurde Reinzers Buch ins Deutsche übersetzt, „wegen der darinnen enthaltnen raren und anmuthigen Materien / curiosen Gemüthern zu Gefallen / und zu nutzlicher Ergötzung“.

 

 

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Einer der Abschnitte in Reinzers Buch handelt „von dem fliegenden Drachen“. Reinzer widerspricht zunächst der zu seiner Zeit noch vertretenen Auffassung, es handle sich hierbei um tatsächlich existierende Wesen. Seiner Meinung nach können die Drachen vielmehr als ein harmloses ‚Dunstphänomen’ erklärt werden. Aus dieser Erkenntnis wird dann in der „Politischen Schluß-Rede“ die Lehre abgeleitet, dass man sich nicht von übler Nachrede verunsichern lassen solle:

Schreckt schon der Feuer-Drach mit ungemeinem Knallen/
Wann durch die dünne Lufft er gleich den Pfeilen dringt;
Laßt er in vollem Flug schon häuffig Flammen fallen/
So ist es bloß ein Dunst / der keinen Schaden bringt.
Will sich die Läster-Zung an deine Ehre legen;
So lache nur: sie wird dich nicht verletzen mögen.

 

 

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In einem anderen Abschnitt äußert sich Reinzer zu der Frage, „was für Dinge vor dem Donner-Strahl entweder gesichert / oder denselben unterworffen seyen.“ Die Naturbeobachtung führt zu folgenden „politischen“ Überlegungen:

Es fället Blitz und Strahl nur auf die hohe Eichen;
Dieselbe liegen dann zu Aschen gantz verkehrt:
Die Thürme / die an Höch den Pyramiden gleichen /
Seynd stets deß Donners Ziehl / der sie in Grund zerstört.
Lebst du in hohem Stand; trau nicht des Glückes Blicken:
Dasselbe wird / wann es erhöht / bald wieder drücken.