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Athanasius Kircher: Obeliscus Pamphilius, Rom 1650


 

Athanasius Kircher:

Obeliscus Pamphilius. Hoc Est, Interpretatio Nova & hucusque intentata Obelisci Hieroglyphici Quem non ita pridem ex Veteri Hippodromo Antonini Caracalae Caesaris, in Agonale Forum transtulit, integritati restituit, & in Urbis Aeterae ornamentum erexit Innocentius X. Pont. Max. In quo post varia Ægyptiacæ, Chaldaicæ, Hebraicæ, Græcanicæ Antiquitatis, doctrinæque quà Sacræ, quà Profanæ monumenta, Veterum tandem Theologia, hieroglyphicis inuoluta symbolis, detecta è tenebris in lucem asseritur

Romae : Grignanus, 1650
Signatur UB Augsburg: 02/IV.12.2.33

 

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Bereits in der Antike beschäftigten sich zahlreiche Autoren damit, die altägyptischen Schriftzeichen zu enträtseln. Besonders einflussreich wurde die Hieroglyphica des Horapollo (5./6. Jh.), ein Verzeichnis, das jeder Hieroglyphe einen Begriff zuordnet. Dieses Werk prägte die Auffassung, Hieroglyphen seien eine Bilderschrift.

In der Renaissance führte diese Auffassung zu zahlreichen phantasievollen Spekulationen. Schließlich wurde der Begriff Hieroglyphe zum Synonym für symbolische Zeichen. Es wurden auch Inschriften und längere Texte aus altägyptischen Hieroglyphen und einer ihr nachempfundenen Bildersprache zusammengesetzt. Aufgrund der Beschäftigung mit den Hieroglyphen etablierte sich ein Symbolgebrauch, der sich auch in der Emblematik und Impresenkunst wiederfindet.

Das hier gezeigte Buch dokumentiert die Beschäftigung des jesuitischen Universalgelehrten Athanasius Kircher (1602 – 1680) mit den Hieroglyphen. Kircher hatte richtig erkannt, dass die ägyptische Sprache mit dem Koptischen verwandt ist. Er ließ sich von dieser Erkenntnis aber zu aus späterer Sicht unhaltbaren Spekulationen anregen. So glaubte er, 20 Hieroglyphen rekonstruieren zu können, aus denen seiner Meinung nach die koptischen und später sogar die griechischen Schriftzeichen abgeleitet wurden (siehe Abbildung). Jedem Zeichen schreibt er auch einen Symbolwert zu. Dem Ibis (in der Abbildung oben), der sich dann zum A weiterentwickelt habe, entspreche z.B. der Symbolwert „gnädiges göttliches Wesen“.

Das Buch als ganzes befasst sich mit einem zuvor an der Via Appia befindlichen Obelisken, den Papst Innozenz X. (Giambattista Pamphili) auf der Piazza Navona als Mittelpunkt von Berninis Vier-Ströme-Brunnen aufstellen ließ. Mit der Sicherung der Fragmente des Obelisken und der Kommentierung der Inschriften hatte der Papst Kircher beauftragt.

Die tatsächliche Entschlüsselung der Hieroglyphen erlaubte erst der Fund des ‚Steins von Rosette’ (1799).