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Andrea Alciati: Emblemata, Lyon 1549


 

Andrea Alciati:

Clarissimi viri D. Andreae Alciati emblematum libri duo

Lugduni : Tornaesius, 1549
Signatur UB Augsburg: 02/III.7.8.300

 

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Es gehört zu den auffälligsten Merkmalen des Augsburger Erstdrucks von Alciatis Emblembuch (1531), dass nicht jeweils eine Seite für genau ein Emblem genutzt wird. Diese unorganische Anordnung verhindert in vielen Fällen, dass die Embleme als Einheiten wirken. Offenbar hatte man in der Druckerei Steiner noch kein rechtes Verständnis für die damals neuartige Form des Emblems. Dies war wohl einer der Gründe für Alciatis Ärger über die Augsburger Ausgabe.

In der von Alciati initiierten Pariser Neuausgabe seines Emblembuchs (1534) und in den darauf folgenden Ausgaben (so auch der hier gezeigten) wurde dieser Mangel des Augsburger Druckes beseitigt : Man erkannte die Notwendigkeit, dass auf jeder Seite genau ein Emblem abgedruckt werden musste, auch wenn (wie in der gezeigten Ausgabe) Platz ungenutzt blieb.

Das Emblem links auf der hier abgebildeten Doppelseite mit der Inscriptio „Maturandum“ versinnbildlicht eine Weisheit, die im Deutschen als ‚Eile mit Weile’ geläufig ist. Die Pictura zeigt einen Pfeil, der durch einen sog. ‚Hemmfisch’ gebremst wird. Dieser Fisch, glaubte man, könne sogar ganze Schiffe an der Fortbewegung hindern.

Das Emblem „In astrologos“ (rechts) verheißt Astrologen, die allzu kühne Vorhersagen treffen, das Schicksal des Ikarus, d.h., sie werden zu Fall kommen.

In der Augsburger Erstausgabe (1531) zeigt die Pictura zu „In astrologos“ noch nicht den als Sinnbild verwendeten Ikarus, sondern den Astrologen, auf den sich das Sinnbild bezieht. Letztere Illustrationsmethode war wohl nicht im Sinne Alciatis. Bereits in der Pariser Ausgabe (1534) wird der Astrologe ersetzt durch den sinnbildlichen Ikarus, wie es der Grundform des Emblems entspricht.