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Fortitudo leonina In utraque fortuna Maximiliani Emmanuelis, München 1715


 

Fortitudo Leonina In Vtraqve Fortvna Maximiliani Emmanuelis, V. B. Ac Sup. Palat Ducis, Comitis Palatini Rheni, S. R. I. Archi-Dapiferi, Et Electoris, Landgrav. Levchtenbergensis, &c. Secùndum Heroica Majorum suorum Exempla Herculeis Laboribus Repraesentata, Eidemque Post Felicissimum Suum, Suorúmque in Patriam Reditum Demissißimè D.D.D. Ab Universa Societatis Jesu per Superiorem Germaniam Provincia

Monachii : Jaeklin, 1715
Signatur UB Augsburg: 02/IV.15.2.6

 

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Die Fortitudo leonina haben Jesuiten der oberdeutschen Ordensprovinz anlässlich der Rückkehr des bayerischen Kurfürsten, des Wittelsbachers Maximilian II. Emanuel (1679-1726), aus dem französischen Exil nach Bayern zusammengestellt. Ermöglicht wurde die Rückkehr durch die Friedensschlüsse von Rastatt und Baden 1714/15. Es handelt sich um die bedeutendste Schrift, die zur Verherrlichung Max Emanuels publiziert wurde.

Im ersten Teil wird die Genealogie der Vorgänger Max Emanuels auf dem bayerischen Thron dargestellt. Im zweiten Teil folgt eine Huldigung des keineswegs unproblematischen Herrschers in Form von 24 Emblemen, die alle um die ‚Fortitudo leonina’, die ‚Tapferkeit des Löwen’, kreisen. Damit wird eine der vier Kardinaltugenden angesprochen, die seit der Antike zum festen Themenkreis der Lobrede gehören. Neben der Tapferkeit zählen noch Gerechtigkeit (Iustitia), Klugheit (Prudentia) und Mäßigung (Temperantia) zu den Kardinaltugenden.

Im emblematischen Teil werden, abwechselnd vom eigentlichen Tier und vom Tierkreiszeichen des Löwen ausgehend, verschiedene Aspekte der Tapferkeit Max Emanuels beleuchtet. Auf dem hier gezeigten Emblem sieht man auf der Pictura das Tierkreiszeichen. Wie der erste Vers der Subscriptio erläutert, leuchtet es wie die Sonne für Gerechte und Ungerechte (letztere als Kriechtiere ins Bild gebracht). Damit werden auch die beiden Inscriptiones verständlich: „Er leuchtet auch denen, die es nicht verdienen“ bzw. „Die christliche Tugend im Verzeihen gegenüber schlimmen Feinden“.

Das emblematische Herrscherlob auf Max Emanuel steht in krassem Gegensatz zu dessen Machtstreben und Opportunismus. Er wechselte, um die Spanischen Niederlande als Königreich zu gewinnen, von den Habsburgern, denen auch seine Frau angehörte, an die Seite Frankreichs, wurde aber 1704 bei Höchstädt an der Donau geschlagen und vertrieben. Bayern wurde daraufhin von Österreich besetzt. Im Grunde kehrte der Kufürst aus einem ruhmlosen französischen Exil (seit 1709) in seine Heimat zurück, die er zuvor mehrfach gegen andere, ihm attraktiver scheinende Territorien hatte eintauschen wollen.