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Andrea Alciati: Emblematum libellus, Paris 1542


 

Andrea Alciati:

Clarissimi viri D. Andreae Alciati Emblematum libellus uigilanter recognitus, & ab ipso iam authore locupletatus

Parisiis : Wechel, 1542
Signatur UB Augsburg: 02/IV.8.8.9angeb.

 

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Dieses Emblem wurde von Andrea Alciati konzipiert, dem „emblematum pater et princeps“ – „Vater und Erfinder der Embleme“. Es weist die für das Emblem charakteristische dreiteilige Struktur auf:

 

Inscriptio (Motto, Inschrift)
Sie besteht aus einem Wort oder aus mehreren Worten, die bereits eine Bedeutung der folgenden Pictura und Subscriptio anklingen lassen, ohne schon zu viel zu verraten. Hier wird mit „Foedera“ (‚Bündnisse’) ein politischer Ratschlag für gute Bündnispolitik eingeleitet.

 

Pictura (Bild)
Auf dieser Ebene wird die Bedeutung des Emblems bildhaft illustriert oder über-tragen (‚meta-phorisch’) dargestellt. Dabei können sehr unterschiedliche Themen erscheinen. Hier geht es um die Bündnispolitik eines guten Herrschers: Der Einklang eines guten Staatswesen wird gemäß einem bis zu Ciceros De re publica (II,69) zurückzuverfolgenden Gemeinplatz mit der Harmonie der Musik verglichen. Die Abbildung  – eine auf dem Tisch liegende Laute – findet sich schon im Wappen des Herzogs Massimiliano Sforza (1495-1530).

 

Subscriptio (Unterschrift, Auslegung)
Die in der Pictura visualisierte Bedeutung wird vollends deutlich dank dieses Textelements, von dem aus auch die Inscriptio ihren Sinn erhält. Hier soll die richtige Saitenstimmung einer Laute das Vor-Bild abgeben für die ausgewogene Bündnispolitik eines guten italienischen Herzogs.

 

 

Zur Publikationsgeschichte von Alciatis Emblembuch

 

Der Mailänder Jurist Andrea Alciati (1492 – 1550) stellte in den frühen 1520er Jahren eine Sammlung von lateinischen Epigrammen zusammen (gedanklich konzentrierte, zugespitzt formulierte Sinngedichte). In diesen Gedichten kombinierte er eigenständige dichterische Leistung mit dem Rückgriff auf zahlreiche Quellen, z. B. die Anthologia Graeca, eine um das Jahr 980 entstandenen Sammlung griechischer Epigramme aus Antike und Mittelalter. Das Manuskript übersandte Alciati nach Augsburg an den Humanisten und Stadtschreiber Conrad Peutinger.

Es wurde vermutet, dass ursprünglich der Verlag von Sigmund Grimm und Marx Wirsung mit der Veröffentlichung betraut werden sollte. Dieser Verlag hatte es sich zum Ziel gesetzt, ein literarisch anspruchsvolles Programm mit bibliophiler Note anzubieten. Doch das ehrgeizige Unternehmen scheiterte. Nach dem Konkurs des Verlags im Jahr 1527 gelangten Manuskripte, Drucksätze, Druckblöcke für Illustrationen etc. als Konkursmasse in den Besitz des Augsburger Druckers Heinrich Steiner. Möglicherweise erwarb Steiner bei dieser Gelegenheit auch Alciatis Manuskipt.

Wie auch immer Steiner zu dem Auftrag kam: Er druckte im Jahr 1531 Alciatis Sammlung unter dem Titel Emblematum liber, (‚Emblembuch’). Das 88-seitige Buch war illustriert mit Holzschnitten, die vielleicht von Jörg Breu d. Ä. stammen, einem der führenden Augsburger Künstler seiner Zeit. Ob Alciati von Anfang an Illustrationen für sein Buch plante, ist umstritten. Gewidmet war das Buch Conrad Peutinger.

Mit der Umsetzung seines Werkes in Augsburg war Alciati höchst unzufrieden. Seinen Unmut darüber äußerte er drastisch in seinen Briefen, in denen er den Augsburger Druck u .a. als „corruptissime“ („völlig verdorben“) bezeichnete. Schließlich nahm Alciati eine weitere Veröffentlichung selbst in die Hand: 1534 erschien das Buch noch einmal unter dem Titel Emblematum libellus (‚Emblembüchlein’) bei Christian Wechel in Paris.

In der Folgezeit erlebte Alciatis Emblembuch zahlreiche Neuauflagen und Übersetzungen ins Deutsche, Englische, Französische, Italienische und Spanische. Alciati und sein wirkungsmächtiges Buch leisteten damit einen herausragenden Beitrag zur Kulturgeschichte der frühen Neuzeit.