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Johann Michael Dilherr: Heilig-Epistolischer Bericht, Nürnberg 1663


 

Johann Michael Dilherr:

Heilig-Epistolischer Bericht / Licht / Geleit und Freud. Das ist: Emblematische Fürstellung der Heiligen Sonn- und Festtäglichen Episteln: In welcher Gründlicher Bericht / von dem rechten Wort-Verstand / ertheilet; Dem wahren Christenthum ein helles Licht furgetragen; Und ein sicheres Geleit / mit beigefügten Gebethen und Gesängen / zu der himmelischen Freude / gezeiget wird / Von Johann Michael Dilherrn / Predigern bei St. Sebald und Professorn in Nürnberg

Nürnberg : Endter, 1663
Signatur UB Augsburg: 02/XIII.6.2.53

 

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Der Heilig-Epistolische Bericht war die letzte emblematische Predigtsammlung, die Johann Michael Dilherr veröffentlichte. Das Wort ‚emblematisch’ erscheint nun an prominenter Stell im Titel. Dies sollte wohl ein Anknüpfen an den Erfolg der Vorgängerpublikationen erleichtern. Das Buch enthält im Grunde keine vollständig ausgearbeiteten Predigten, wohl aber Texte, die als Ausgangsmaterial für Predigten dienen können. Erklärt werden die Episteln der Sonn- und Feiertage, d. h. die Schriftlesungen vor dem Evangelium. Den Erklärungen ist jeweils ein emblematischer Kupferstich vorangestellt.

Der obere Streifen des hier abgebildeten Kupferstichs enthält eine Inscriptio, die Gedanken der Epistel paraphrasiert. (Die Epistel selbst ist rechts oben auf der folgenden, hier nicht abgebildeten Seite abgedruckt.) Indem die Inscriptio bereits Auskunft darüber gibt, was das Emblem bedeuten soll, übernimmt sie im Grunde schon die traditionelle Aufgabe der Subscriptio. Die eigentliche Subscriptio unterhalb der Pictura ist mit „Kurtze Lebens-Reguln“ überschrieben und am am rechten Seitenrand als „Erklärung deß Sinnbilds“ bezeichnet.

In einem weiteren Sinn können auch die Texte der folgenden Seiten als ausgedehnte Subscriptio gelten. Damit ist eine Sonderform des Emblembuchs erreicht ist, in der die ursprüngliche Balance zwischen Bild und Text nicht mehr gegeben ist.

Auch die Pictura ist ein vielgliedriges allegorisches Ensemble. Sie hat sich dadurch wegentwickelt von der Konzentration auf einen Sachverhalt, wie sie für das klassische Emblem kennzeichnend ist. Der detailreiche Landschaftshintergrund soll allein das Auge erfreuen und lenkt damit bis zu einem gewissen Grad von der didaktischen Zielsetzung ab.

 

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Die Episteln sind häufig den Briefen der Apostel entnommen sind, weswegen die Apostel im unteren Bereich des Kupfertitels zum Heilig-Epistolischen Bericht dargestellt sind. In der Mitte ist Petrus an den Attributen Fisch und Schlüssel zu erkennen. Über der Apostelgruppe zwei emblemartige Bildfelder mit Szenen aus dem Alten Testament: Abraham, der im Begriff ist, seinen Sohn Isaak zu opfern (links); Gott führt in Gestalt einer Feuersäule das Volk Israel durch die Wüste (rechts).

 

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