Suche

Andrea Alciati: Emblemata, Lyon 1551


 

Andrea Alciati:

Emblemata D. A. Alciati denuo ab ipso Autore recognita, ac, quae desiderabantur, imaginibus locupleta

Lugduni :  Bonhomme, 1551
Signatur UB Augsburg: 02/III.7.8.281

 

chamaeleon_300

größeres Bild

 

In diesem Emblem wird das Chamäleon als Sinnbild für die Schmeichler („adulatores“) verwendet.

In der Augsburger Erstausgabe von Alciatis Emblembuch (1531) fehlt bei diesem Emblem noch die Pictura. Stattdessen gibt Alciati nur einen Hinweis darauf, wo in der Naturgeschichte des Plinius das Chamäleon behandelt wird (Die Angabe der Textstelle ist allerdings nicht ganz korrekt.) In der Diskussion darüber, ob Alciati von Anfang an Illustrationen für seine Embleme vorsah, wird dieses Emblem des öfteren als Beweis gesehen, dass dies tatsächlich der Fall war: Alciati verwies auf die Textstelle bei Plinius, damit sich der Künstler bei Bedarf dort informieren konnte, wie er ein Chamäleon darzustellen hatte. Im Zusammenhang mit der Augsburger Ausgabe wäre diese Strategie allerdings erfolglos geblieben, denn die Pictura mit dem Chamäleon wurde nicht ausgeführt.

In der Pariser Ausgabe von 1534 und späteren Ausgaben (so auch der hier gezeigten) wurde die ‚Fehlstelle’ der Augsburger Ausgabe ergänzt: Das Emblem „In adultores“ erhielt eine (aus naturwissenschaftlicher Sicht unbefriedigende) Pictura mit einem Chamäleon.

Warum ein Chamäleon als Sinnbild für den Schmeichler? Plinius zufolge ernährt sich das Chamäleon von Luft und hält deshalb seinen Mund stets weit geöffnet – so saugt der Schmeichler gierig die freundlichen Worte derer auf, bei denen er sich beliebt gemacht hat. Das Chamäleon kann außerdem verschiedene Farben annehmen, aber nicht die Farbe weiß – ebenso ahmt der Schmeichler die schlechten (schwarzen) Eigenschaften seines Herrn nach, aber nicht die guten (weißen).

In der hier gezeigten Ausgabe sind die Embleme thematisch geordnet, was in Alciatis ursprünglichem Konzept nicht vorgesehen war. Das Emblem über die Schmeichler ist in den Abschnitt „Perfidia“ („Unredlichkeit“) eingeordnet.

Das Augsburger Exemplar ist außerdem mit unbeschriebenen Seiten durchschossen. Es war möglicherweise für eine Nutzung als Stammbuch vorgesehen, die dann aber nicht erfolgte.