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Cenotaphium piis manibus Ferdinandi III, Augsburg 1657


 

Cenotaphium piis manibus Ferdinandi III Rom. Imp. Ungariae Bohemiaeque Regis, Archiducis Austriae etc. etc. Caesareis Virtutib. et Symbolis adornatum à Caesareo et Academico Collegio Soc.tis IESU Viennae inter parentales moerores erectum, Die XIII. Junii Anno Dnj 1657. A Melchiore et Matthaeo Küsell F.F. Chalcographis aereis tabulis expressum et uenum expositum

Augustae Vindelicorum : Küsell, 1657
Signatur UB Augsburg: 02/IV.14.4.49

 

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Die Nachkommen sammeln deine Äpfel ein

Wenn irgendwelche, dann fallen sicher diese Früchte
Nicht weit vom eigenen Stamm.
Wenn der Tod sie jetzt herabschüttelt,dann sammeln die Nachkommen sie ein.
So fahre immer fort, Österreich:
Sammle nach den alten die neuen Früchte des Reichs.

 

Dieses Büchlein bezieht sich auf ein „Cenotaphium“ (wörtlich: „leeres Grabmal“), das 1657 in der Wiener Jesuitenkirche errichtet wurde. Anlass waren die Trauerfeierlichkeiten zum Tode Kaiser Ferdinands III. (1608 – 1657; Kaiser seit 1636).

Den Hauptteil des Buches bilden die Abbildungen der 35 Embleme, mit denen das Trauergerüst geschmückt war. Die Pictura des Emblems wird jeweils von den kaiserlichen Insignien des Doppeladlers und des Lorbeerkranzes gerahmt. Die Inscriptio ist stets in die Pictura integriert. Die Kartusche, die den Adlern als Standfläche dient, enthält eine Subscriptio in lateinischen und deutschen Versen.

Mehrfach spielt in den Picturae ein Skelett als Personifikation des Todes eine zentrale Rolle, so auch im hier gezeigten Emblem mit der Inscriptio „Legent tua poma nepotes“ – „Die Nachkommen sammeln deine Äpfel ein“. Der Tod des Kaisers wird dadurch versinnbildlicht, dass das Skelett den Baum schüttelt und daraufhin ein Reichsapfel zu Boden fällt. Die Nachkommen können nun die Würden des Verstorbenen „aufsammeln“.

Ausgeführt wurden die Kupferstiche in der Augsburger Werkstatt der Brüder Melchior und Matthäus Küsel.