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Joachim Camerarius d. J.: Vierhundert Wahl-Sprüche und Sinnen-Bilder, Mainz 1671


 

Joachim Camerarius d. J.:

Vierhundert Wahl-Sprüche und Sinnen-Bilder, durch welche beygebracht und außgelegt werden die angeborne Eigenschafften, wie auch lustige Historien und Hochgelährter Männer weiße Sitten-Sprüch. Und zwar Im 1. Hundert: Von Bäumen und allerhand Pflanzen. Im II. Von Vier-Füssigen Thieren. Im III. Von Vögeln und allerley kleinen so wol fliegenden als nit frliegenden Thierlien. Im IV. Von Fischen und kriechenden Thieren. Vormahls durch den Hochgelährten Hn. Ioachimum Camerarium In Lateinischer Sprach beschrieben: Und nach ihm Durch einen Liebhaber seiner Nation / wegen dieses Buchs sonderbarer Nutzbarkeit; Allen denen die in vorgemelter Sprahc unerfahren seyn / zum besten ins ins Teutsch versetzet

Maintz : Bourgeat, 1671
Signatur UB Augsburg: 02/III.7.8.369

 

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Der Verfasser des Emblembuchs bietet mehrere Deutungen an für die nach der dornigen Pflanze greifende Hand: Sie kann den „Vorwitz“ derer symbolisieren, die sich in Angelegenheiten einmischen, die sie nichts angehen. Das Bild kann aber auch auf die „beschwerlichen Dinge“ hinweisen, „deren zu geniessen / man viel Gefahr ausstehen müsste.“ Und nicht zuletzt: „Wie die spitzige Dörner die Hände verwunden / also bringen die Wollüsten allen Gliedern Schaden.“

Joachim Camerarius d. J. (1534 – 1598), Sohn eines bedeutenden Nürnberger Humanisten, wirkte seit 1564 in seiner Heimatstadt als Stadtarzt. Seit 1592 war er Leiter des auf seine Anregung hin gegründeten Collegium medicum, einer Art städtischen Gesundheitsbehörde. Berühmtheit erlangte Camerarius auch als Botaniker: Er besaß einen ausgedehnten Privatgarten, beriet Landgraf Wilhelm IV. von Hessen und den Fürstbischof von Eichstätt bei der Anlage botanischer Gärten und publizierte einschlägige Fachliteratur.

Es überrascht deshalb nicht, dass sein erstes Emblembuch  100 Embleme aus dem Pflanzenreich enthält: Symbolorum et emblematum ex re herbaria desumtorum centuria una (Nürnberg 1590). Auf die Centurie (Hundertschaft) der Pflanzenembleme ließ Camerarius weitere Centurien zu Säugetieren (1595) sowie zu Vögeln und Insekten (1596) folgen. Eine vierte Centurie zu Fischen und Reptilien wurde 1604, also nach seinem Tod, von seinem Sohn veröffentlicht. 1605 erschien die erste Gesamtausgabe aller 400 Embleme.

In der Vorrede der hier vorliegenden Ausgabe von 1671 schreibt der Verleger Bourgeat, er habe eine Übersetzung von Camerarius’ Sammlung veranlasst, weil das Buch „durch lauter außerlesene Sitten-Sprüch und Sinnen-Bilder / nur allein darauf gericht ist, wie es mit einer newen und annehmlichen Manier / das menschlich Hertz / zu allerhand Politischen oder Bürgerlichen Tugenden anreitzen / und in denselben bestättigen mag.“ Weitere Auflagen der Übersetzung erschienen 1677 und 1715.

 

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