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Höchste Welt- und Krieges-Häupter


kriegshaeupter_650

 

Höchste Welt- und Krieges-Häupter, welche den Fried-brüchigen Türckischen Hochmuth durch zwey Feld-Züge in Ungaren Also gedemüthiget, daß er in dem dritten den Frieden Bittlich suchen, und annemmen müssen
Augsburg, Dillingen 1718
02/IV.13.2.46

 


Die 1718 vom Dillinger Jesuitenkolleg herausgegebene und bei Johann Caspar Bencard verlegte Schrift schildert die Ereignisse der Türkenkriege 1714 - 1718. Zum einen geht sie dabei chronologisch vor; zum anderen wird in den meisten Kapiteln eine hochrangige am Kriegsgeschehen beteiligte Person in den Mittelpunkt gerückt.

In den zwölf dem Text beigegebenen qualitätvollen Kupferstichen, gestochen von Jacob Andreas Fridrich u. a. nach Vorlagen von Johann Georg Bergmüller und Melchior Steidl, spiegelt sich diese Struktur: Die meisten Stiche zeigen ein Porträt, das von einer komplexen Rahmenzone aus allegorischen, stilllebenartigen und historiographischen Elementen umgeben ist.

Der hier gezeigte Stich mit dem Porträt des Wittelsbachers Ferdinand Maria Innozenz (1699 Brüssel - 1738 München) ist eines der Glanzstücke des Buches. Der Sohn des Kurfürsten Max Emanuel hatte zusammen mit seinem Bruder Karl Albrecht 1717 an der Belagerung und Eroberung Belgrads durch seinen Onkel, Prinz Eugen von Savoyen, teilgenommen, weswegen sein Porträt auf dem Stich von Kriegstrophäen umgeben ist, u. a. einem Strahlennimbus aus dicht gestaffelten Fahnen. Die Heldentugenden Ferdinands verkörpern außerdem der Adler mit dem Blitzbündel sowie (in Anspielung auf das bayerische Wappen) die beiden Löwen. Das kleine Bildfeld unten zeigt den Friedensschluss von Passarowitz, bei dem Ferdinand und sein Bruder ebenfalls zugegen waren.

Zwischen dem Porträtmedaillon und der Friedensszene herrscht ein dichtes Gedränge aus Menschen und Tieren, die zum einen in Verwirrung gestürzt scheinen durch den sieghaft über ihnen aufragenden Wittelsbacher, zum anderen bedrängt werden von den Ferdinands Tugend symbolisierenden Löwen. Links sind wilde Tiere, ein Soldat mit Fackel sowie ein Mann mit Schlangen in Haaren und Händen ineinander verkeilt (Verkörperungen des Krieges und der Zwietracht). Rechts liegt überwunden eine Frau mit Maske und doppeltem Herzen (Trug); ihr beigesellt sind ein Pfau (Hochmut) und ein Fuchs (List) - all dies Hinweise auf den Osmanen zugeschriebene Eigenschaften bzw. ihre taktischen Maßnahmen während der Friedensverhandlungen.  

 

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