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Bibliothek der Philosophisch-Theologischen Hochschule Freising


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Mit der Bibliothek der Philosophisch-Theologischen Hochschule Freising, bzw. der Vorgängerinstitution, des Freisinger Lyzeums, gelangten u.a. wertvolle Altbestände an die Universitätsbibliothek Augsburg.

Ein Lyzeum war eine sich an das Gymnasium anschließende Einrichtung für philosophische und theologische Studien, von der Funktion her den entsprechenden Fakultäten einer Universität vergleichbar. In erster Linie dienten Lyzeen der wissenschaftlichen Ausbildung zukünftiger Priester, doch standen sie bis ins 19. Jhdt. hinein auch anderen Schülern offen.

In den Jahren 1697 ff. richtete der Freisinger Fürstbischof Johann Franz Ecker von Kapfing an seinem Bischofssitz eine Studienanstalt ein, die zum einen den Forderungen des Tridentinums zur Heranbildung des Diözesanklerus entsprechen sollte, deren Bildungsauftrag aber auch über diesen engeren Zweck hinausging. Zu Eckers Gründung gehörte ein Lyzeum; doch wurden die von Benediktinern geleiteten fürstbischöflichen Einrichtungen im Zuge der Säkularisation aufgelöst.

Bereits wenige Jahrzehnte später wurden unter König Ludwig I. in Freising wieder Ausbildungsstätten angesiedelt. Nachdem 1826 ein Klerikalseminar seine Pforten geöffnet hatte, wurden 1828 ein Knabenseminar und ein Gymnasium gegründet; 1829 tauchte erstmals der Gedanke auf, das Landshuter Lyzeum nach Freising zu verlegen.

Das Landshuter Lyzeum hatte letztlich seinen Ursprung in der in der zweiten Hälfte des 16. Jhdts. in München eingerichteten jesuitischen Lehranstalt (zunächst Gymnasium, später Erweiterung zum Lyzeum). Diese Schulen blieben nach Aufhebung des Jesuitenordens (1773) bestehen.1823 wurden Gymnasium (später in Altes Gymnasium, dann in Wilhelmsgymnasium umbenannt) und Lyzeum getrennt; als 1826 die Universität von Landshut nach München übersiedelte, hielt man das Lyzeum in München für überflüssig und verlegte es - auch als eine Art Entschädigung für den Verlust der Universität - nach Landshut. Dort wurde es am 20. November 1826 eröffnet.

Die neuerliche Verlegung von Landshut nach Freising wurde schließlich 1833 verfügt, im gleichen Jahr, in dem ein Statut die Lyzeen als Spezialhochschulen für den katholischen Klerus definierte, die den Universitäten nicht völlig gleichgestellt waren. (Sie hatten z.B. kein Promotions- oder Habilitationsrecht.) Um diesen Zwecken zu genügen, wurde in Freising der philosophischen Fakultät (der einzigen Fakultät in den Landshuter Jahren) eine theologische Fakultät hinzugefügt. Als Eröffnungstag wählte man den 20.11.1834, den Tag des hl. Korbinian, des Patrons der Diözese und der Stadt. Untergebracht wurde das Lyzeum im sog. Gallerie-Stock im Domhof.

Die Bibliothek des Lyzeums (in die einige Säkularisationsbestände aus bayerischen Klöstern eingeflossen waren) verblieb zunächst in Landshut. Erst 1839 konnten die ca. 8000 Bände in Freising aufgestellt werden, und zwar in Räumlichkeiten im östlichen Teil der ehemaligen fürstbischöflichen Stallungen. Allerdings musste auch in diesem Jahr der Lyzealrektor noch klagen: „Bis jetzt liegen … 2/3 der dem Lyzeum gehörenden Bücher auf den Zimmerböden herum, oder sind nur höchst notdürftig und unzweckmäßig aufgestellt.“

Das Freisinger Lyzeum wurde 1924 in den Rang einer Philsophisch-Theologischen Hochschule erhoben. Als die Hochschule 1968 aufgelöst wurde, war das Schicksal der Bibliothek zunächst ungewiss. Die Einrichtung eines theologischen Fachbereiches an der Universität Augsburg kurz nach ihrer Gründung 1970 war schließlich ausschlaggebend dafür, dass die ca. 50000 Bände der Philosophisch-Theologische Hochschulbibliothek Freising 1971/72 der UB Augsburg übergeben wurden. Zwar wurde der Freisinger Bestand auf die einzelnen Fächer verteilt und erfolgte eine neue Signaturenvergabe nach der Regensburger Systematik (die Einarbeitung in den Augsburger Bestand war 1981 abgeschlossen), doch ist durch die Freisinger Besitzstempel und Kataloge die Provenienz der Bücher weiterhin dokumentiert.

Literatur:

Mayer, Anton: Die Errichtung des Lyzeums in Freising im Jahre 1834. Eine Studie zur Kulturgeschichte des Restaurationszeitalters. Festgabe zur Feier des 100jährigen Bestehens der Philos.-theol. Hochschule Freising.
München, Freising : Datterer, 1934

Festschrift zur Vierhundert-Jahr-Feier des Wilhelms-Gymnasiums 1559 - 1959, München 1959

Schneider, Anton: Die ehemalige Philosophisch-Theologische Hochschulbibliothek Freising.
In: Bibliotheksforum Bayern 11 (1983), S.303 - 312.

Lehrmann, Günther Franz: Die Verlegung des Landshuter Lyzeums nach Freising 1834. Über die Anfänge der königlichen Hochschule auf dem Domberg.
In: Beiträge zur altbayerischen Kirchengeschichte 43 (1998), S. 105 - 129