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Zur Person: Wolfgang Fikentscher


Wolfgang Fikentscher war einer der bedeutendsten deutschen Rechtswissenschaftler des 20. und beginnenden 21. Jahrhunderts.

(vgl. zu Fikentscher nur Bernhard Großfeld, in: Stefan Grundmann/Karl Riesenhuber (Hrsg.), Deutschsprachige Zivilrechtslehrer des 20. Jahrhunderts in Berichten ihrer Schüler. Eine Ideengeschichte in Einzeldarstellungen, Band 1, Berlin, New York 2007, S. 221-236; Jan-Hendrik Röver, On the Dialogue between Legal Systems and the Dialogue between Cultures: The German Comparatist Wolfgang Fikentscher, in: American Journal of Comparative Law Bd. 63 (2015), S. 701-710; Thomas M.J. Möllers, in: Juristenzeitung 2015, S. 569)

Er war über seine Leistungen im Bereich des Privat- und Wirtschaftsrechts sowie der Methodenlehre hinaus ein Pionier der deutschen Rechtsanthropologie. (Rechts-)Anthropologie ist dabei die Wissenschaft vom „kulturell Fremden“ (so die Umschreibung von Karl-Heinz Kohl, Ethnologie - die Wissenschaft vom kulturell Fremden). In diesem Gebiet wurde traditionellerweise die Lebensweise von ursprünglichen Gesellschaften beschrieben (wie z.B. der Kapauku Papua, also der Ureinwohner Papua-Neuguineas). Neuerdings werden damit auch aktuelle Fragen wie z.B. die Stellung der Kurden in Deutschland erfasst.

Fikentscher lernte den Ansatz der Rechtsanthropologie in den Vereinigten Staaten kennen, insbesondere bei seinem Lehrer Leopold Pospíšil an der Universität Yale, und brachte ihn nach Deutschland. Unzählige Vorträge, Vorlesungen und Seminare zeugen davon. Viele Jahre leitete er das Münchner Büro des Gruter Institute for Law and Behavioral Research, Portola Valley, California, USA und leitete zudem bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften die Kommission für kulturanthropologische Studien. Insbesondere drei umfangreiche Bücher stellen den Kern seines rechtsanthropologischen Werks dar: Modes of Thought (1995; 2. Aufl. 2005), Culture, Law and Economics: Three Berkeley Lectures (2004) und Law and Anthropology (2009; 2. Aufl. 2016).