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Theologische Literatur in der Oettingen-Wallersteinschen Bibliothek


1980 erwarb der Freistaat Bayern die rund 80.000 vor 1900 gedruckte Titel umfassende Bibliothek der Fürsten von Oettingen-Wallerstein und wies sie der Universitätsbibliothek Augsburg zu.

Die Bibliothek der Grafen von Oettingen geht wenigstens bis auf das 15. Jh. zurück. 1653 und 1655 erhielt sie einen bedeutenden Zuwachs von 1.256 Titeln durch die Bibliothek Marquard Fuggers (1595 - 1655). Diese Bibliothek enthielt im wesentlichen die Sammlung des Augsburger Patriziers, Humanisten und Kaufmanns Markus Fugger (1529 - 1597), der seinen Neigungen entsprechend seit 1550 eine gelehrte Universalbibliothek aufgebaut hatte, die neben den klassischen Texten des 16. Jhs besonders für ihre Renaissanceeinbände (Groliermeister) bekannt ist.

Den größten Zugewinn brachte der Bibliothek 1802/03 die Säkularisation der Benediktinerklöster St. Mang in Füssen (25.000 Titel), Heilig Kreuz in Donauwörth (20.000 Titel) und Mönchsdeggingen (3.500 Titel) sowie des Birgittenklosters Maihingen im Ries (später Franziskaner, 1.750 Titel) und des Zisterzienserinnenklosters Kirchheim im Ries (750 Titel). Inhaltliche Schwerpunkte dieser Bestände bildeten vor allem Theologie und Kirchengeschichte, Geschichte und ältere Sprachen.

Die Gruppe XIII Theologie (14.989 Titel), deren Bestände überwiegend aus den säkularisierten Klosterbibliotheken stammen und nahezu ausschließlich katholische Theologie beinhalten, gliedert sich in:

  • (1) Heilige Schrift, 721 Titel; dabei handelt es sich ausschließlich um Bibelausgaben (auch Polyglotten) und Kommentare
  • (2) Patrologie und Patristik, 577 Titel
  • (3) Gesamte Theologie, 1.189 Titel; der vergleichsweise geringe Bestand dieses Fachs zeigt deutlich, daß der Schwerpunkt der katholischen Theologie damals nicht auf diesem wissenschaftlichen Fach, sondern auf den im folgenden genannten Disziplinen lag
  • (4) Biblische Theologie und Exegese, 1.075 Titel
  • (5) Dogmatik, 3.839 Titel
  • (6) Moral, Aszetik, 2.743 Titel
  • (7) Pastoralwissenschaft, 374 Titel
  • (8) Homiletik, 3.532 Titel, darunter (geschätzt) 1.200 Leichenpredigten überwiegend süddeutscher, katholischer Provenienz
  • (9) Katechetik, 316 Titel
  • (10) Liturgik, 623 Titel

Die Kirchenliedbestände der Oettingen-Wallersteinschen Bibliothek sind mehrheitlich dem Säkularisationszuwachs zuzuordnen. Die 219 gedruckten Hymnologica (Gesangbücher, Agenden sowie einige frühe Druckschriften zur Hymnologie) des 16. bis frühen 19. Jh.s, von denen ein knappes Drittel auch Melodien aufweist, finden sich innerhalb der Hauptklasse XIII (Theologie) vor allem in den beiden Untergruppen Nr. 6 (Moral und Aszetik) und Nr. 9 (Liturgik).

Die annähernd 1.100 Inkunabeln der Oettingen-Wallersteinschen Bibliothek entstammen fast vollständig dem Säkularisationsgut. Überwiegend handelt es sich dabei um nach 1480 gedruckte Werke aus oberdeutschen Offizinen sowie aus Venedig, die über die Benediktinerklöster St. Mang in Füssen und Hl. Kreuz in Donauwörth in die fürstliche Bibliothek gelangten. Entsprechend überwiegen lateinisches theologisches Schrifttum und Juridica, während naturwissenschaftliche und humanistische Texte fast vollständig fehlen.