Im 18. Jhdt., insbesondere in den Jahren 1750 – 1780, erlebte die Buchillustration in Frankreich eine ihrer Glanzzeiten. Unter den Königen Ludwig XV. und Ludwig XVI. brachten Adel und Bürgertum erlesen ausgestatteten Druckwerken großes Interesse entgegen; die Leidenschaft der Bibliophilie erfasste weitere Kreise als je zuvor.
Die Entwurfszeichnungen für die Illustrationen und die Umsetzung in das Medium der Druckgraphik stammen zumeist von unterschiedlichen Künstlern. Zeichnerische Vorlagen lieferten in einzelnen Fällen durchaus die berühmten Maler der Zeit (z.B.François Boucher, Jean-Honoré Fragonard); doch insbesondere in der zweiten Hälfte des 18.Jhdts. traten die Künstler in den Vordergrund, die sich auf die Anfertigung von Vorlagen für die Buchillustration spezialisiert hatten. Die bekanntesten von ihnen sind Hubert-Francois Bourgignon, gen. Gravelot (1699 – 1773), Charles Nicolas Cochin (1715 – 1790), Charles Eisen (1720 – 1778), Clément Pierre Marillier (1740 – 1808) und Jean-Michel Moreau (1741 – 1814).
Für die Übertragung der Vorlagen auf die Druckplatten standen zahlreiche hochqualifizierte Reproduktionsstecher zur Verfügung. Bei diesem Vorgang wurden häufig zwei Vorgehensweisen kombiniert: Die Ätztechnik der Radierung erlaubte eine sehr freie, spontane Umsetzung der Zeichnung; durch die Bearbeitung der Platte mit dem Grabstichel konnten einzelne Partien besonders markant herausgearbeitet werden.
Die folgenden Beispiele aus der Oettingen-Wallersteinschen Bibliothek zeigen, wie französische Künstler in der zweiten Hälfte des 18. Jhdts. Werke der schönen Literatur illustrierten – Romane, Versepen, Lyrik, Theaterstücke. Dass die französische Buchillustration dieser Jahre in der Oettingen-Wallersteinschen Bibliothek gut vertreten ist, liegt daran, dass Fürst Kraft Ernst (reg. 1773 – 1802) der Ausbau seiner Bibliothek besonders am Herzen lag. In großem Stile sammelte er das deutsch- und fremdsprachige (insbesondere französische) Schrifttum seiner Zeit und trug so entscheidend dazu bei, dass die zweite Hälfte des 18. Jhdts. den quantitativen Schwerpunkt der Druckbestände der heutigen Bibliothek bildet.
Eine Auswahl aus den illustrierten französischen Büchern des 18. Jhdts. in der Oettingen-Wallersteinschen Bibliothek ist im Mai 2006 auf einer Ausstellung anlässlich der Rieser Kulturtage zu sehen.
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