Zwischen 1986 und 1990 konnte die Bibliothek dank der Initiative Augsburger Wissenschaftler einige Gesangbuchsammlungen aus Privatbesitz erwerben. Zu dem relativ schmalen Bestand an derartiger Literatur innerhalb der Oettingen-Wallersteinschen Bibliothek kamen Teile der ehemals berühmten Sammlung des Mitbegründers der ersten deutschsprachigen Zeitschrift für evangelische Kirchenmusik, des Theologen Max Herold (1840 - 1921), deren wesentlichste Bestände allerdings bereits früher veräußert worden waren. Weiter wurden erworben die Bibliothek Konrad Wölfels (1911 - 1982), Registrator bei der Bundesvermögensverwaltung in Nürnberg, und die Sammlungen zweier bedeutender Hymnologen, die beide maßgeblich an der Entstehung des Evangelischen Kirchengesangbuchs beteiligt waren, des auch als Musikwissenschaftler renommierten Walter Blankenburg (1903 - 1986) sowie insbesondere diejenige des Nestors der deutschsprachigen hymnologischen Forschung, Konrad Ameln (1899 - 1994). Der Ankauf der Sammlung Ameln, die, seit den zwanziger Jahren systematisch aufgebaut, als eine der herausragenden, wenn nicht als die bedeutendste ihrer Art in Privathand galt, wurde durch die finanzielle Unterstützung der DFG ermöglicht. Die Sammlung Wölfel stellt eine Dauerleihgabe an die Universitätsbibliothek Augsburg dar, die damit über insgesamt ca 2.900 Bände hymnologischer Quellenliteratur des 16. bis 20. Jahrhunderts verfügt.
Alle Sammlungen sind vollständig katalogisiert und im OPAC nachgewiesen. Für die Sammlungen Ameln und Wölfel sind außerdem die von den Vorbesitzern angelegten Kataloge vorhanden.
Die vor 1800 erschienenen Hymnologica sind, soweit sie auch Melodien enthalten, im Répertoire international des sources musicales (RISM) enthalten. Die dort genannten alten Sigel der Vorbesitzer:
- HR - Oettingen-Wallersteinsche Bibliothek
- FÜw - Sammlung Wölfel, Fürth
- LÜDa - Sammlung Ameln, Lüdenscheid
- SLÜb - Sammlung Blankenburg, Schlüchtern
sind jetzt als Besitznachweise für die UB Augsburg zu verstehen.
Bei den Hymnologica der UB Augsburg überwiegen die deutschsprachigen Werke. Für die Frühzeit ist eine Anzahl lateinischer und französischsprachiger Titel zu nennen. Besonders im Bereich der Titel des 19. und 20. Jh. kommen weitere Sprachen hinzu. Insgesamt dürfte der Anteil der fremdsprachigen Texte 20 % nicht überschreiten.
Neben überwiegend protestantischen Gesangbüchern sind in geringerem Umfang auch Gebet- und Andachtsbücher, Agenden, Choralbücher sowie einzelne Kantatentexte und Liederblätter enthalten. Unter den 176 Einträgen in RISM (nur Werke mit Noten vor 1800) finden sich 14 Unica und weitere 46 seltene Texte mit weltweit weniger als drei Besitznachweisen. Die individuelle Eigenart der einzelnen Sammlungen ist durch eine nach Vorbesitzern getrennte Aufstellung gewahrt. Innerhalb der einzelnen Provenienzen sind die Texte chronologisch geordnet.
Im OPAC können die Titel aus den einzelnen Sammlungen gesucht werden, indem in das Suchfeld 'Bemerkungen' die Namen der Sammler eingegeben werden:
Blankenburg (469 Titel), Ameln (764 Titel), Herold (339 Titel), Wölfel (1513 Titel)
In den Jahren 2002-2005 wurden sämtliche Texte des 16.-18. Jahrhunderts, die dies aus konservatorischen Gründen zuließen, vom Harald-Fischer-Verlag, Erlangen, auf Mikrofiche faksimiliert. Mit in dieses Editionsprojekt einbezogen wurden die einschlägigen Bestände der Staats- und Stadtbibliothek Augsburg. Der Gesamtumfang beläuft sich auf rund 1500 Werke mit zusammen ca. 830.000 Seiten auf 10.307 Mikrofiches. Die Titel können in Paketen nach Jahrhunderten wie auch einzeln beim Verlag direkt bezogen werden. Alle Titel sind darüber hinaus auch als PDF-Datei lieferbar.
Die Seite Hymnologische Quellen aus Augsburger Bibliotheken des Harald-Fischer-Verlags bietet u. a. Zugang zu Katalogen der Edition.