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Meister Eckhart in Augsburg



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Augsburg, Universitätsbibliothek Cod.III.2.8.9, 104v
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Meister Eckhart in Augsburg
Deutsche Mystik des Mittelalters in Kloster, Stadt und Schule

Eine Ausstellung der Universitätsbibliothek Augsburg und der Staats- und Stadtbibliothek Augsburg in Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl für Deutsche Sprache und Literatur des Mittelalters der Universität Augsburg

Zentralbibliothek, Schatzkammer
18. Mai - 29. Juli 2011
Montag - Freitag: 8.30 - 21.00 Uhr

Eröffnung: 17. Mai 2011, 18.00 Uhr

 


 

Meister Eckhart (um 1260 – 1328) gilt gemeinhin als einer der großen deutschen Denker des Mittelalters, als Mystiker, aber auch als Philosoph. Im Zentrum der Auseinandersetzung um seine Person und seine Lehre stehen Fragen wie die nach seiner angeblichen Häresie, nach dem mystischen oder philosophischen Charakter seiner Schriften, nach dem Kern seiner Armuts- und Gottesgeburtslehre, nach dem Zielpublikum seiner Schriften und Predigten.

Die Interessen der Forschung gelten „Meister Eckhart im Original“ (so der Titel der letzten Jahrestagung der internationalen Meister-Eckhart-Gesellschaft im Jahr 2010). Sie gelten immer mehr aber auch der Überlieferung seiner Werke. In den letzten Jahren haben zudem Veranstaltungen mit Titeln wie „Master Eckhart in the Cities“ (Sektionen des International Medieval Congress, Leeds) neue Wege der Forschung beschritten.

Aber wenn Meister Eckharts Lehre eine Lehre für die Stadt und in der Stadt ist – kam diese Lehre dann auch in der Stadt an? Man hat sich bisher vor allem mit einzelnen Eckhart-Sammlungen und mit der Überlieferung in einzelnen Klöstern, wie dem österreichischen Stift Melk, befasst. Neu ist der Ansatz, nach der Überlieferung der Werke Meister Eckharts in einem genau definierten Raum zu fragen.

Dies tut die Augsburger Ausstellung. Sie untersucht die mittelalterliche und frühneuzeitliche Überlieferung der Werke, die von Meister Eckhart selbst stammen, aber auch solche, die seine Werke benutzen oder ihn als Person auftreten lassen. Im Fokus steht Augsburg, im Spätmittelalter reich an Klöstern, reich an Schreibern, reich an Druckern, ebenso reich an reichen - und gebildeten – Bürgern. Welches Interesse konnte man hier an Eckhart haben?

Der erste Teil der Ausstellung gilt deshalb den mittelalterlichen Handschriften und frühen Drucken, die in Augsburg entstanden oder schon früh dorthin gelangten. Aus Augsburger und Münchener Beständen zusammengetragen wurde so (ohne Anspruch auf Vollständigkeit) die Eckhart-Überlieferung in St. Ulrich und Afra, St. Katharina, St. Ursula und anderen Augsburger Klöstern. Eckhart wurde aber nicht nur in Klöstern überliefert, seine Werke waren auch Bestandteil verschiedener Privatbibliotheken. Die Handschriften wurden von Berufsschreibern in Augsburg abgeschrieben oder von Augsburger Druckern gedruckt. Ein Gang durch diesen Teil der Ausstellung ist damit auch ein Gang durch Augsburger Bibliotheken des 15. und frühen 16. Jahrhunderts.

Der zweite Teil stellt Textzeugen mit Werken Meister Eckharts vor, die heute in Augsburger Bibliotheken aufbewahrt werden, die aber einen anderen Entstehungsort haben; er fragt nach deren Herkunftsgeschichte und Schicksal. Und er beantwortet auch die Frage, wie es kommt, dass die Erzählung von "Meister Eckharts Tochter" in der oben abgebildeten Handschrift als "Meister Eckharts Wirtschaft" bezeichnet wird und was es mit dieser "Wirtschaft" auf sich hat.

Das Konzept der Ausstellung und der Ausstellungskatalog werden verantwortet von Freimut Löser (Lehrstuhl für Deutsche Sprache und Literatur des Mittelalters, Vizepräsident der internationalen Meister-Eckhart Gesellschaft) und mitgetragen von Günter Hägele (Leiter der Abteilung für Handschriften und alte Drucke der Universitätsbibliothek). Es vereint Beiträge von Mediävisten, Handschriftenbibliothekaren, Doktoranden und auch von fortgeschrittenen Studierenden. Die Ausstellung ist damit gleichzeitig Teil des „Lehrkonzepts forschungsnah/schulnah“ am Lehrstuhl für Deutsche Sprache und Literatur des Mittelalters.

Zur Ausstellung gelangen Handschriften mit nahezu allen deutschen Werken Meister Eckharts, zum Vergleich aber auch weitere Handschriften der beteiligten Schreiber, darunter kostbar illustrierte Bibelhandschriften aus Beständen der Bayerischen Staatsbibliothek, München, der Universitätsbibliothek Augsburg und der Augsburger Staats- und Stadtbibliothek. Eine Besonderheit ist ein Codex aus dem Kloster St. Bonifaz in München, den die Eckhart-Forschung bisher vernachlässigt hat.

Der Katalog wird ausführliche Beschreibungen und Abbildungen aller einschlägigen Handschriften und Drucke enthalten. Kurze Einleitungskapitel führen in folgende Themen ein: Leben, Werke, Lehre und Überlieferung Meister Eckharts; Bibliotheksbestände und Bibliotheksgeschichte(n) in Augsburg und München; Bedeutung der verschiedenen Klöster, privater Auftraggeber und Drucker in Augsburg für die Überlieferung der deutschsprachigen Mystik des Mittelalters.

 

Abbildung unten:

Ausschnitt aus dem Stadtplan des Jörg Seld (Augsburg 1521): Blick von der Hl. Grab Kapelle (an der heutigen Hl. Grab-Gasse; 1611 abgebrochen) über die Dominikanerkirche (heute Römisches Museum) zum Kloster St. Ursula

(Original des Plans in den Kunstsammlungen und Museen Augsburg)

 

 

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