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EMBLEMATA



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EMBLEMATA - Wie viel Text verträgt ein Bilderbuch?
Eine Ausstellung zur barocken Sinnbildkunst

Zentralbibliothek, Ausstellungshalle
6.Mai - 17.Juli 2010
Mo - Fr: 8.30 - 24.00 Uhr
Sa: 9.30 - 24.00 Uhr

Eröffnung: 5.Mai 2010, 18.00 Uhr

Zur Konzeption der Ausstellung
Dr. Friedmann Harzer, Neuere Deutsche Literaturwissenschaft, Universität Augsburg

Einführung in das Thema Emblematik
PD  Dr. Bettina Bannasch
(ab Wintersemester 2010/11 Professur für Neuere Deutsche Literaturwissenschaft, Universität Augsburg)

... zur Dokumentation der Ausstellung

 


 

Ein Emblem hat heute jede Firma und jeder Verein, man meint damit gemeinhin ein Markenzeichen oder ein Logo. Vom 16. bis ins 18. Jahrhundert bedeutet ‚Emblem’ hingegen eine gewitzte Kombination aus Bildern und kurzen Texten, deren Zusammenhang nicht immer gleich auf der Hand liegt. Manchmal stellen Embleme, von Herder als ‚Denkbilder’ bezeichnet, richtige Denksportaufgaben dar.

Wie ist die Gattung entstanden?

1531 ließ der Mailänder Jurist Andrea Alciati bei Heinrich Steiner in Augsburg eine Sammlung von lateinischen Epigrammen drucken, die Jörg Breu der Ältere mit Holzschnitten illustrierte. Mit dieser Ausgabe und der 1534 in Paris gedruckten - der zweiten von über 150 Auflagen - beginnt die beispiellose Erfolgsgeschichte eines frühneuzeitlichen Massenmediums, das im 17. Jahrhundert seinen Höhepunkt erlebt. Man kennt heute neben Emblembüchern von 600 namentlich bekannten Verfassern auch zahlreiche anonyme Drucke.

In der Form variiert das Emblem nur wenig: Auf eine Überschrift (inscriptio) folgt ein Bild (pictura), dessen Sinn eine Erläuterung in Versform (subscriptio) erschließen hilft.

 

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... eine Warnung an Astrologen, die sich zu allzu kühnen Vorhersagen versteigen

Andrea Alciati:
Emblematum liber
Augsburg 1531

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Das Themenspektrum der Emblembücher ist reich: Es erstreckt sich von religiösen über naturwissenschaftliche bis hin zu lebenspraktischen Fragen. Gemeinsam ist allen Emblembüchern ein didaktischer Zug: Sie wollen dem Leser und Betrachter eine bestimmte Lehre erteilen. Dieser Sitz im Leben erklärt vielleicht auch, warum das Emblem sich vom 16. bis ins späte 18. Jahrhundert so großer Beliebtheit erfreute, im frühen 19. Jahrhundert mit dem Beginn der Moderne aber weitgehend verschwindet.

 

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... ein Sinnbild für die, die nicht auf Gottes Wort hören wollen

Georgette de Montenay:
Emblematum christianorum centuria
Zürich 1584

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Die Universitätsbibliothek Augsburg bewahrt eine Reihe schöner und einschlägiger Emblembücher in den Beständen der Oettingen-Wallersteinschen Bibliothek auf. Studierende im Rahmen eines Seminars des Lehrstuhls für Neuere Deutsche Literaturwissenschaft der Universität Augsburg haben einige dieser Schätze gehoben und kommentiert. Die daraus entstandene Ausstellung erlaubt einen Einblick in Geschichte, Vielfalt und auch Rätselhaftigkeit einer faszinierenden Literatur- und Kunstgattung, die zu Unrecht etwas in Vergessenheit geraten ist.

 

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Himmelskörper, Arche Noe: Symbole für die allein selig machende Kirche

Jacob Bosch: Symbolographia, Augsburg und Dillingen 1701

 


 

An der Ausstellung waren beteiligt:

Seminar im Wintersemester 2009/2010 am Lehrstuhl für Neuere Deutsche Literaturwissenschaft:
Dr. Friedmann Harzer (Leitung)
Diana Augustin, Sylvia Ehrenreich, Daniela Holzmann, Julia Kiefer, Benjamin Kraus, Johanna Meinberger, Maria Müller, Corinna Ramsmeier, Johanna Schafitel, Clemens Schroeter, Hanna Stark, Konstantin Steenberg, Lucia Stuhler

Betreuung der Ausstellung an der Universitätsbibliothek:
Ursula Knab, Dr. Peter Stoll

 

scarlatini_300 "Einmal genügt nicht!"

Ottavio Scarlatini:
Homo et eius partes figuratus & symbolicus
Augsburg und Dillingen 1695

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... zur Dokumentation der Ausstellung