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manu scriptum


 

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manu scriptum

Lateinische Handschriften des 8. bis 15. Jahrhunderts
Sammlung Oettingen-Wallerstein

 

Zentralbibliothek, Schatzkammer
25. Juni - 18. September 2008
Mo - Fr: 8.30 - 21.00 Uhr

Eröffnung: 24. Juni 2008, 18.00 Uhr
Zur Einführung in die Ausstellung spricht Dr. Günter Hägele, Universitätsbibliothek Augsburg


Die wissenschaftliche Erschließung der mittelalterlichen Handschriften der Oettingen-Wallersteinschen Bibliothek wird, in Würdigung der Bedeutung dieses Bestandes, seit 1985 ununterbrochen von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert. Mit dem Erscheinen des nunmehr vierten Bandes ist die Universitätsbibliothek Augsburg ihrem Ziel der ausführlichen, modernen wissenschaftlichen Ansprüchen genügenden Beschreibung aller mittelalterlichen Handschriften wieder ein großes Stück näher gekommen. Die Bibliothek nimmt das Erscheinen des jüngsten Katalogs, in dem die Handschriften im Quart-Format beschrieben sind, zum Anlass, die bedeutendsten Stücke dieses Bandes jetzt in ihrer Schatzkammer der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Unter den Handschriften im „mittleren“ Format, deren Buchblock eine Größe von ca. 20-27 x 15-22 cm aufweist, befinden sich die spektakulärsten und wertvollsten Stücke der Universitätsbibliothek Augsburg. Ein Großteil dieser Zimelien ist der Sammelleidenschaft der Wallersteiner Fürsten Kraft Ernst (1766-1802) und Ludwig (1791-1870) zu danken.

 Spektakulärstes Stück der Ausstellung ist ein im Kloster Echternach um 705 im insularen Stil geschriebenes und illuminiertes Evangeliar. Die Entstehung des Evangeliars lässt direkt auf den hl. Willibrord (* um 658 in England) und seine Begleiter zurückführen, die seit 690 auf dem Festland missionarisch tätig waren und 698 das Kloster im heutigen Luxemburg gegründet hatten. Die althochdeutschen Glossen in der Handschrift, die erst vor 50 Jahren entdeckt wurden, gelten nach dem derzeitigen Forschungsstand als die ältesten Zeugnisse deutschen Schrifttums.

Die Bilderbibel des Königs Sancho von Navarra (1153-1234), die dieser kurz vor 1200 in Pamplona in Auftrag gegeben hatte, enthält zu Gunsten weitgehenden Verzichts auf Text mit fast 1000 Miniaturen den wohl umfangreichsten Bilderzyklus aller abendländischen mittelalterlichen Handschriften. Zwei reich und qualitätvoll ausgestattete Psalterien aus der Diözese Augsburg und aus dem fränkischen Raum bezeugen den qualitativ hohen Stand der süddeutschen Buchmalerei im 14. Jahrhundert. Eine Tegernseer und eine Füssener Handschrift, beide im 12. Jahrhundert geschrieben, überliefern die besten Texte zum Leben der Bistumsheiligen Ulrich von Augsburg und Magnus von Füssen.

Breit vertreten sind daneben liturgische und hagiographische Texte, Bibeln und Bibelkommentare sowie pastorale Schriften, die vielfältige Einblicke in die geistige Welt des Hoch- und Spätmittelalters gewähren. An weiteren prominenten Provenienzen sind namhafte mittelalterliche Klöster und Zentren der Handschriftenherstellung wie Lorsch, Salzburg, Ottobeuren, Tegernsee, Freising, Quedlinburg, Nürnberg und Bamberg zu nennen.

Abbildungen:
Evangeliar, Echternach, um 705
Universitätsbibliothek Augsburg
Cod. I.2.4.2
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