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Juncker Harnisch auß Fleckenland


Juncker Harnisch auß Fleckenland

Don Quijote in der deutschen Kunst vom 17. Jahrhundert bis zur Gegenwart
mit Bildern und Illustrationen von Wilhelm Bronner

Eine Ausstellung der Universitätsbibliothek Augsburg,
des Instituts für Spanien-, Portugal- und Lateinamerikastudien
und der Romanistischen Literaturwissenschaft der Universität Augsburg

Zentralbibliothek, Ausstellungshalle
22.04.2005 - 04.06.2005
Mo - Fr: 8.30 - 22.00 Uhr, Sa: 9.30 - 17.00 Uhr

Eröffnung: 21.04.2005, 18.30 Uhr

In die Ausstellung führen ein Werner Altmann (Lehrbeauftragter am Lehrstuhl für Romanische Literaturwissenschaft unter besonderer Berücksichtigung Spaniens und Lateinamerikas) und Dr. Gertrud Roth-Bojadzhiev (Dozentin am Lehrstuhl für Kunstpädagogik).


400 Jahre Don Quijote

Der erste Teil des weltweit berühmtesten und meist übersetzten spanischen Romans Don Quijote von Miguel de Cervantes erschien zu Beginn des Jahres 1605 und feiert in diesem Jahr seinen 400. Geburtstag. Dies war der Anlass, die Spuren zu verfolgen, die die Abenteuer des ‚Junckers Harnisch auß Fleckenland' (wie ihn die erste deutsche Übersetzung von 1648 nennt) und seines Schildknappen Sancho Panza in der deutschen Kunst hinterlassen haben. Eröffnet wird die Ausstellung unmittelbar vor dem Welttag des Buches, der seit 1995 jährlich am 23. April gefeiert wird, dem Todestag von Cervantes und Shakespeare.

Die Ausstellung beginnt mit der ersten bildlichen Darstellung Don Quijotes überhaupt (einem Kupferstich von Andreas Bretschneider aus dem Jahr 1613) und führt mit dem umfangreichen Illustrationszyklus, den Wilhelm Bronner eigens für diese Ausstellung konzipiert hat, bis in die unmittelbare Gegenwart.

 

Historisches Panorama

Diente Don Quijote vom Barock bis zur Aufklärung als wunderlicher Narr und aufgeblasener Possenreißer zur Belustigung des adelig-bürgerlichen Lesepublikums, wandelte er sich in der Romantik und im Biedermeier zum ebenso einsamen wie melancholischen Idealisten, dessen selbstlose Sinnsuche an der harten Alltagswirklichkeit scheitert.

Der Realismus des 19. Jahrhunderts instrumentalisierte den "heroischen Ritter" als zeitkritischen Kämpfer gegen romantischen Sentimentalismus und künstlerische Bevormundung. Im 20. Jahrhundert schließlich setzt sich eine große Vielfalt der Sichtweisen durch. Die subjektive Spiegelung erlaubt nun Deutungen aus den verschiedensten Perspektiven: Das Spektrum reicht von Hans Alexander Müllers expressionistisch beeinflussten Holzschnittillustrationen (Abbildung links) bis hin zu Eberhard Schlotters psychoanalytischer Umsetzung von Traum, Realität und Fiktion. Kinderbücher und Comics (Abbildung links) bringen weitere reizvolle Varianten des Themas.

Ein zeitgenössischer ‚Juncker Harnisch'

Der Künstler Wilhelm Bronner setzte sich während seines Brasilienaufenthaltes im Winter 2004/2005 intensiv mit der Figur des Don Quijote auseinander und präsentiert nun die reiche Ernte im Rahmen dieser Ausstellung. Die Faszination, die der ‚Ritter von der traurigen Gestalt' auf ihn ausübt, erläutert er folgendermaßen:

"Der mythische Held jagt seinen Träumen nach, mit dem unerschütterlichen Idealismus, der darin besteht, dass man 99-mal fällt, aber 100-mal aufsteht. Dabei steht ihm in aller Narretei die Lebenslustigkeit und Bodenständigkeit Sancho Panzas treu zur Seite. Ich war inspiriert von der menschlichen Tragikomödie, von der Freundschaft und der Treue, dem Intellekt und dem Gefühl, dem Mut und der Feigheit. Und dann die Begeisterung in der Liebe zu dieser Welt, genährt aus Illusionen, die tiefe Erkenntnis, die in die Formen des Paradoxen und Grotesken gekleidet, doch am Ende rein und selig erfüllt von Taten ihren Frieden fand. In meinen Skizzen, Zeichnungen (Tusche/Aquarell) und großformatigen Bildern ließ ich, selbst ein ‚Juncker Harnisch' mit Pinsel und Farbe, die Gestalten wieder auferstehen, 400 Jahre nach Cervantes Tod, im Fleckenland auf weißem Grund."

 

 

Wilhem Bronner, geboren 1954 in Memmingen, lebt und arbeitet in Augsburg und Brasilien. Er ist dem schwäbischen Kunstpublikum von zahlreichen Ausstellungen bestens bekannt und hat sich durch weitere Einzelausstellungen u.a. in Frankreich, Italien und Lateinamerika einen Namen gemacht. 2004 wurde er mit dem französischen Kunstpreis ‚Salon International d´Art de Bourges' ausgezeichnet. (Weitere Informationen zum Künstler unter www.bronner-art.de)

 

Dokumentation der Ausstellung

Ein großer Teil der in der Ausstellung gezeigten Bilder und Illustrationen wird zusammen mit einigen Artikeln zur Biographie von Miguel de Cervantes und zu seiner Rezeption in der deutschen Kunst in der Nummer 108 (Mai 2005) von HISPANORAMA, der Zeitschrift des Deutschen Spanischlehrerverbandes, abgedruckt.
Die Zeitschrift ist eine Mitgliederzeitschrift und nicht im freien Handel Handel erhältlich. Eine begrenzte Anzahl von Exemplaren wird am Abend der Ausstellungseröffnung zum Kauf angeboten (5 €).