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Die Spanische Bilderbibel der Universitätsbibliothek Augsburg


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Die Spanische Bilderbibel der Universitätsbibliothek Augsburg -
Die Bibel des Königs Sancho von Navarra in Original und Faksimile

Zentralbibliothek, Schatzkammer
01.12.2005 - 10.01.2006
Mo - Mi, Fr: : 8.30 - 16.00 Uhr,
Do: 8.30 - 20.00 Uhr

Eröffnung: Mittwoch, 30.11.2005, 18.00 Uhr

Bei der Eröffnung referieren Dr. Gabriele Bartz (Berlin), Charlotte Kramer (Verlag Müller und Schindler) und Dr. Günter Hägele (Universitätsbibliothek Augsburg)


Anlässlich des Erscheinens eines Faksimiles im Verlag Müller und Schindler bietet sich im Dezember und Januar die seltene Gelegenheit, einen der kostbarsten Schätze der Universitätsbibliothek Augsburg kennen zu lernen: die Spanische Bilderbibel, die König Sancho VII. von Navarra kurz vor 1200 in Pamplona hat anfertigen lassen.

Annähernd 1000 kolorierte Federzeichnungen mit knappen Textbeigaben erzählen hier in einer sehr kraftvollen, unmittelbaren Bildersprache die Geschichten des Alten und Neuen Testaments und die Legenden zahlreicher Heiliger. Aufgrund der ungewöhnlichen Fülle der Bilder zählt die Augsburger Bibel zusammen mit ihrer in derselben Werkstatt entstandenen, ganz ähnlich konzipierten Schwesterhandschrift, die heute in Amiens aufbewahrt wird, zu den wichtigsten Denkmälern mittelalterlicher Bibelillustration überhaupt.

Während die Amiens-Bibel, das schlichtere Exemplar, offenbar für den persönlichen Gebrauch des Königs gedacht war, kann man über die ursprüngliche Bestimmung der Augsburger Bibel nur spekulieren: Die starke Berücksichtigung weiblicher Heiliger lässt vermuten, dass sie als Geschenk für eine adlige Dame gedacht war. Besonders verführerisch ist die These, dass die Bibel die zweite Gemahlin des Königs, eine maurische Prinzessin, an den christlichen Glauben heranführen sollte. Sicher belegen lässt sich dies allerdings nicht.

Auch das Geschick der Bibel in den folgenden Jahrhunderten liegt im Dunkeln. 1809 taucht sie in Valladolid auf; 1814 schließlich gelangt sie über den Pariser Kunsthandel in die Bibliothek des Fürsten Ludwig von Oettingen-Wallerstein. Er war eine der schillerndsten Persönlichkeiten seiner Familie: Im Zuge seiner Sammelleidenschaft türmt er Schuldenberge in Millionenhöhe auf, muss später aufgrund einer Mesalliance abdanken und schlägt daraufhin eine politische Laufbahn ein, die ihn bis an die Spitze des bayerischen Innenministeriums führt. Als der Freistaat Bayern 1980 die Oettingen-Wallersteinsche Bibliothek erwirbt und die UB Augsburg als Aufstellungsort bestimmt, kommt auf diesem Wege auch die Spanische Bilderbibel nach Augsburg.

Aufgrund des bedenklichen konservatorischen Zustandes können selbst Fachleute die Bibel seit längerer Zeit nur in sehr eingeschränktem Maße einsehen. Sorgen bereitet insbesondere die Art und Weise, wie einige der damals verwendeten Farben im Laufe der Zeit geradezu Löcher in das Pergament fressen, ein Prozess, der nach heutigem Kenntnisstand nicht aufgehalten werden kann.

Eine Faksimilierung der Bibel war deshalb dringend erforderlich - zum einen, um den gegenwärtigen Zustand zu dokumentieren, ehe die Zerstörung weiter fortschreitet, zum anderen, um die kunsthistorisch höchst bedeutende Handschrift einem größeren Publikum zugänglich machen zu können, ohne das Original zu gefährden.

Nachdem nun das Faksimile vorliegt, wird die spanische Bilderbibel in Zukunft ihren Tresor noch seltener verlassen als bisher. Um den Abschluss des anspruchsvollen editorischen Projektes angemessen zu würdigen, wird die Bibel nun aber für einige Wochen in der Schatzkammer der Universitätsbibliothek zu sehen sein. Ausgestellt wird neben dem Original und dem Faksimile eine Folge weiterer ausgewählter Faksimileabbildungen, so dass die Ausstellung einen anschaulichen Eindruck vermittelt von einem eindrucksvollen mittelalterlichen Bildkosmos, der sich von der Schöpfung bis zum Jüngsten Gericht spannt.

... weitere Illustrationen aus der Spanischen Bilderbibel