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In 180 Büchern um die Welt


Albert Schweitzer; Foto: Internationales Albert-Schweitzer-Archiv, Guensbach/Elsass

 

In 180 Büchern um die Welt
Landeskundliche Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts

Ausstellung aus den Beständen der
Sammlung Pädagogische Stiftung Cassianeum der Universitätsbibliothek Augsburg

Stadtsparkasse Augsburg, Halderstraße
02.10.- 31.10.2003

Länderbeschreibungen für den Wissensdurst breiter Leserschichten, anspruchsvolle topographische Handbücher, Reiseberichte von Forschern, Pilgern und Abenteurern, Reiseführer aus bekannten und weniger bekannten Verlagen, illustrierte Zeitschriften - anhand solcher Publikationen aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert führt die Ausstellung von Bayern ausgehend durch Deutschland, Europa und Afrika, durchquert anschließend Asien von Westen nach Osten und gelangt schließlich nach Australien und Amerika.

Die Exponate vermitteln zugleich einen Eindruck von den Mitteln künstlerischer Buchgestaltung im behandelten Zeitraum. Kupferstich und Radierung, die bevorzugten Illustrationstechniken des 17. und 18. Jahrhunderts, werden zunehmend durch Stahlstich, Holzstich und Lithographie abgelöst, die alle für Drucke in hohen Auflagen besser geeignet waren. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts setzten sich nach und nach fotochemische bzw. fotomechanische Reproduktionsverfahren durch; die Ausstellung bietet auch einige frühe Beispiele für die Verwendung von Fotografien als Illustrationen. Typisch für die Buchgestaltung des späteren 19. Jahrhunderts sind darüber hinaus farbenfrohe Einbände. Die Ausstellung zeigt sowohl aufwendige, künstlerisch ambitionierte Buchausstattungen als auch eher handwerklich-dekorative Leistungen; repräsentative Folianten stehen neben handlichen Formaten für das Reisegepäck, mit akribischem Realismus festgehaltene Veduten neben stilisierten Ansichten im Geiste des Jugendstils.

Die Bücher vermitteln über die optischen Reize hinaus eine Fülle von Informationen zu Geschichte und Kultur des Reisens und Forschens, der touristischen Erschließung naher und ferner Regionen, der interkulturellen Begegnung und auch des Blickes auf die eigene Heimat. Abenteuerlust, Neugier, wissenschaftlicher Eifer und Staunen spiegeln sich in ihnen ebenso wie nationales Selbstbewusstsein und koloniale Überheblichkeit. Dem Interesse an malerischen Bauwerken vergangener Epochen und der Sehnsucht nach Idylle und unberührter Natur stehen die Begeisterung für neue Verkehrsmittel (Auto, Dampfschiff) und die Faszination durch moderne Städte gegenüber.

Die Bücher stammen alle aus der Bibliothek der Pädagogischen Stiftung Cassianeum. Diese Sammlung wurde 1989 vom Freistaat Bayern angekauft und befindet sich heute an der Universitätsbibliothek Augsburg. Das Cassianeum wurde 1875 von dem Pädagogen und Publizisten Ludwig Auer (1839-1914) gegründet und bezog wenig später die Gebäude des ehemaligen Benediktinerklosters Hl. Kreuz in Donauwörth. Auer plante mehrere Anstalten, Einrichtungen und Unternehmen zur Hebung und Förderung der Erziehung und des Unterrichts im Geiste des hl. Cassian, des Schutzpatrons der Lehrer. Neben einer Schule und einem Verlag war auch ein Institut für Lehrerfortbildung vorgesehen, dem die Bibliothek in erster Linie dienen sollte. Dieses Institut wurde allerdings nur in Ansätzen verwirklicht. Die pädagogischen Aufgaben des Cassianeums und seine stark katholische Ausrichtung spiegeln sich auch in den Beständen der Bibliothek zu Länderkunde und Geographie (allgemeinbildende Literatur, Jugendschriften, Berichte von Pilger- und Missionsreisen).