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Birgitta von Schweden


Birgitta 2003

Birgitta von Schweden - Patronin Europas
Handschriften und Inkunabeln aus dem Birgittenkloster Maihingen im Ries

Ausstellung der Universitätsbibliothek Augsburg
zum 700. Geburtstag der hl. Birgitta

Zentralbibliothek, Schatzkammer
19.11.2003 - 10.01.2004

Die Universitätsbibliothek Augsburg nimmt den 700. Geburtstag der hl. Birgitta zum Anlass, ihre Schatzkammer zu öffnen. Gezeigt werden lateinische und deutsche Handschriften und Frühdrucke aus dem Birgittenkloster Maria Mai in Maihingen im Ries, anhand derer die Bedeutung der Ordensgründerin, die Geschichte und Eigenart des Birgittenordens und die Geschichte des Maihinger Doppelkonvents erläutert werden.

Aus einem namhaften schwedischen Geschlecht gebürtig, führte Birgitta Birgersdotter (*um 1303 in Finstad bei Uppsala) zunächst ein ihrer hochadeligen Herkunft entsprechendes Leben. Aus ihrer Ehe mit Ulf Gudmarsson (1316) gingen acht Kinder hervor, darunter die hl. Katharina von Schweden. Die Jahre 1335-1340 brachten das Paar als Reichsrat und als Hofmeisterin in enge Verbindung zum schwedischen Königshof und damit auch mit der europäischen Politik. Mehrere Pilgerfahrten, ein Zeichen verstärkter Religiosität des Paares, gewährten Birgitta und ihrem Ehemann Einblick in die politische Lage Europas. Anlässlich ihrer Silberhochzeit unternahmen sie eine Wallfahrt nach Santiago de Compostela (1341-1343); besonders erschütterte sie auf ihrer Reise der Zustand des im Hundertjährigen Krieg mit England liegenden Frankreich. Bald nach der Heimkehr von dieser Pilgerreise zog sich Birgittas Ehemann in das Zisterzienserkloster Alvastra zurück, wo er 1344 starb.

Der Eintritt in den Witwenstand bedeutete für die seither selbst meist in der Nähe dieses Klosters wohnende Birgitta eine entscheidende Lebenswende. Ihre schon während der Ehe intensive Religiosität steigerte sich nun zu mystischem Erleben. Es mehrten sich Visionen und Offenbarungen, die sie erstmals um 1342 als Braut und Sprachrohr Christi empfangen hatte. 1349 zog sie, den Offenbarungen folgend, nach Rom, wo sie als Vorbild frommer Askese und karitativen Handelns wirkte und sich insbesondere der schwedischen Rompilger annahm. Gleichzeitig versuchte sie, durch die Verbreitung der ihr zuteil gewordenen göttlichen Botschaften Päpste und weltliche Fürsten sowie geistliche und weltliche Stände nachdrücklich zu Besserung und Umkehr anzuhalten. 1371 brach Birgitta zu einer Pilgerreise ins Heilige Land auf, von der sie erst 1373 nach Rom zurückkehrte, wo sie noch im selben Jahr starb. Ihr Leichnam wurde von ihrer Tochter Katharina in das schwedische Mutterkloster Vadstena überführt und 1374 bestattet. Bereits am 7. Oktober 1391 erfolgte Birgittas Kanonisation durch Papst Bonifatius IX. Die katholische Kirche verehrt sie seit 1999 als Patronin Europas, zusammen mit der Dominikanerin Katharina von Siena (1347-1380) und mit Edith Stein (1891-1942), einer deutschen Jüdin, die sich zum christlichen Glauben bekehrte und als Karmeliterin im Konzentrationslager ihr Leben ließ.

Die Brüder und Schwestern des birgittinischen Doppelkonvents Maria Mai in Maihingen im Ries, einer Gründung aus der Mitte des 15. Jahrhunderts, bauten in der nur knapp 100 Jahre währenden Geschichte des Klosters eine bedeutende, 3000 Bände umfassende Bibliothek auf. Einen Eindruck von dieser Bibliothek vermitteln die mit der Oettingen-Wallersteinschen Bibliothek nach Augsburg gelangten Handschriften und Frühdrucke, die erstmals in der Universitätsbibliothek gezeigt werden.