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Zeitreisen


zeitreisen

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Stefan Zweig zwischen Gestern und Morgen

Ausstellung der Universitätsbibliothek und des
Lehrstuhls für Neuere Deutsche Literaturwissenschaft
der Universität Augsburg

Zentralbibliothek, Ausstellungshalle
07.02. - 07.04.2001

Neben seinen Novellen waren es vor allem die lebendig geschriebenen historischen Biographien, die Stefan Zweig (1881-1942) zu einem der meistgelesenen Autoren seiner Zeit machten. Wie sein Zeitgenosse H.G. Wells, der mit dem Roman The Time Machine (1895) dem von den Naturwissenschaften relativierten Zeitbegriff, aber auch dem Menschheitstraum der "Zeitreise" ein literarisches Denkmal setzte, versuchte auch Zweig in seinem umfangreichen Werk das Phänomen "Zeit" in einer Fülle von Perspektiven zu erfassen. In den historischen Welten seiner Bücher wird Geschichte konzentriert erfahrbar in gewissen Stunden, ja sogar Sekunden. Er schreibt über Künstler und Gelehrte, Entdecker und Erfinder, Politiker und Königinnen, über Vergangenheit und Zukunft, über seine eigene Zeit und ihre Vorgeschichte.

Die Ausstellung stellt die Frage nach Zweigs Geschichtsverständnis und begleitet ihn zunächst auf seinen literarischen Reisen in die Vergangenheit: von den Schauplätzen der Glaubenskämpfe des 16. Jahrhunderts in das von Aufklärung und Revolution geprägte Frankreich des ausgehenden 18. Jahrhunderts und weiter ins 19. Jahrhundert, dem Zeitalter der technischen Revolution, in eine durch Telekommunikation und Mobilität kleiner werdende Welt. Verbindet die Biographien von Erasmus von Rotterdam, Calvin, Sebastiano Castellio und Montaigne vor allem das eindringliche Bekenntnis des Autors zum europäischen Humanismus, zu Toleranz und Pazifismus, so sind die Charakterstudien der Marie Antoinette und des Joseph Fouché in erster Linie als psychologische Typologien verfaßt. Gleichzeitig aber sind sie, wie alle literarischen Porträts Zweigs, immer auch als Kommentare zur eigenen Zeit, zu Politik und Gesellschaft zu lesen.

Ein friedliches Miteinander der Nationen, wie Zweig es in Brasilien 1936 erstmals erlebt, wird für ihn zu einer fundamentalen Erfahrung, zum Modell für ein friedliches Europa der Nationen. Ein Blick in diese Zukunftsutopie Zweigs rundet die durch eine Vielzahl von Bilddokumenten, Filmsequenzen, Objekte und eine künstlerische Installation lebendig gestaltete Ausstellung ab.