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Acrylbilder - Drucke - Objekte
von Hans Rudolf Rohr

Zentralbibliothek, Ausstellungshalle
20.07.- 15.09.2001

In einer Zeit, in der die Bilder durch die Digitalisierung ihre Unschuld verloren haben und Redaktionen bereits zu deren Schutz eine Produktdeklaration wie bei genetisch manipulierten Lebensmitteln fordern, spürt Rohr dem Verblendungszusammenhang aus Photoshop als virtuellem Labor und dessen eigener Bildsprache nach. Denn wenn Realität nicht mehr abgebildet, sondern von den digitalen Medien selbst erzeugt wird, dann wird die wahrnehmbare Realität selbst zur Konstruktion.

Rohr misstraut deshalb der Wahrnehmung von Bildern, so dass er Zeichen und Symbole ihrem gewohnten Kontext entreisst. So hat er Bildelemente von Gefahrentafeln isoliert, sie in einen grellen Leerraum versetzt oder sie ins vielfache so lange multipliziert, bis sie vor unseren Augen flimmern und so gleichsam ihre Eigengesetzlichkeit demonstrieren. Wie vor Vexierbildern sind wir dem Schwanken zwischen Schein und Sein überlassen; die Zeichen sind "verloren", keine Warnung oder explizite Aufforderung, keine eindeutige Sprache ist ihnen mehr zu entnehmen.
Rohr verweist die Betrachtenden in einen unendlichen Raum von Bedeutungen. So lässt er in anderen Arbeiten einen virtuellen Raum aus Voxel und Pixeln implodieren oder explodieren. Auch diese Räume werden zum Ort der Zeichen, die sich autonom, selbstzweckhaft, ja identisch mit sich gebärden. Ohne Referenz zwischen Abbild und Wirklichkeit verweisen sie auf eine Grammatik der Bilder, die an die babylonische Sprachverwirrung erinnern.
Doch wenn der Maler uns mit dem "Error" konfrontiert, der sich bei der Störung derartig automatisierter Zeichenproduktion sogar dann und wann einstellt, dann erinnert er uns nicht nur an die Zufälligkeit der Bedeutung und deren Beziehung zur Realität, sondern auch an den möglichen Raum, wo neue Bedeutungen und Referenzen vom Betrachtenden hergestellt werden können.
(Silvia Ittensohn, Zürich)

Kurzbiographie Hans-Rudolf Rohr (geb. 1951):
Ausbildung zum Hochbauzeichner - Architekt in Winterthur - Auslandsaufenthalte (Europa, Japan und Südostasien) - 1980 bis 1992 Partner im Architekturbüro Rohr & Fromm Architekten in Winterthur und Schaffhausen - Seit 1986 eigenes Atelier in Schaffhausen - Seit 1992 freischaffender Künstler -
Seit 1982 zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen im In- und Ausland - Seit 1995 Arbeiten im Bereich Design/Visuelle Gestaltung (Corporate Identity - Konzepte, Web-Design, Produktwerbung) für Schweizer Unternehmen - Jüngste Ausstellungen in Deutschland: Arte Galerie N, München (2000), Galerie Steinegger, Rüdlingen (seit 5. Mai 2001).

Anschrift:
Hans-Rudolf Rohr
Mühlenstraße 40
CH-8200 Schaffhausen