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Bei uns um die Gedächtniskirche ´rum ...


Bei uns um die Gedächtniskirche ´rum ...
Friedrich Hollaender und das Kabarett der 20er Jahre.

Eine Ausstellung der Stiftung Archiv der Akademie der Künste, Berlin, in Zusammenarbeit mit der Universitätsbibliothek Augsburg

Veranstaltung im Rahmen des Literaturprojekts 2000 der Stadt Augsburg
Ein Zeitalter wird besichtigt - Das 20. Jahrhundert im literarischen Rückblick

Zentralbibliothek, Ausstellungshalle
10.02.2000 - 14.04.2000

"Friedrich Hollaender und das Berliner Kabarett der zwanziger Jahre - kaum einer ist derart eng mit der Kleinkunstszene verbunden, verwoben und verbandelt als dieser Tausendsassa, der textet, komponiert, arrangiert, inszeniert und interpretiert, dieses Allround-Talent des Kabaretts, den Charlie Chaplin einmal voll Bewunderung den "großen kleinen Friedrich" genannt hat." (V. Kühn)

Der am 18.10.1896 in London als Sohn des Komponisten Victor Hollaender geborenene Friedrich Hollaender arbeitete ab 1919 für das von Max Reinhardt gegründete Berliner Kabarett Schall und Rauch. Ab 1926 verfaßte er kabarettistische Revuen und gründete 1931 das Kabarett Tingeltangel Theater.

Daneben schrieb er Schlager, Bühnen- und Filmmusiken (u.a. für Josef von Sternbergs Der blaue Engel, 1929). 1933 emigierte er in die USA, wo er als Filmkomponist reüssierte. Seit 1955 lebte er in München, wo er mit zahlreichen Kabarettrevuen (u.a.Hoppla, auf´s Sofa, 1957; Der große Dreh, 1958; Futschikato, 1961) erfolgreich war. Hollaender starb am 18.01.1976 in München).

Unter den zahlreichen Songs, die er für Film und Bühne schrieb, zählen die beiden von Marlene Dietrich in dem Welterfolg Der blaue Engel gesungenen Chansons Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt und Nimm dich in acht vor blonden Frau´n zu den heute bekanntesten.

Neben den publikumswirksamen Ausstattungsrevuen, die sich weit über Berlins Grenzen hinaus im Unterhaltungsprogramm der 20er Jahre ihren festen Platz sichern konnten, galten die Texte und Kompositionen seiner politisch engagierten Kabarett-Revuen wie Bei uns um die Gedächtniskirche ´rum auch einflußreichen Kritikern und Zeitgenossen als Zeugnisse eines neuen Zeittheaters: in der Figur der Trommlerin (Blandine Ebinger) in der Kabarett-Revue Bei uns um die Gedächtniskirche ´rum erkannte Erich Kästner tragische Größe; Karl Kraus, der scharfzüngige Kritiker der Wiener Fackel lobte: "Von allen späteren Antikriegsprodukten ... hat mir keine einen so starken Eindruck hinterlassen wie die Trommlerin, Text und Musik von Friedrich Hollaender, in der ergreifenden szenischen Gestaltung durch Blandine Ebinger aus seiner Revue hervorstechend ... wichtiger zur Frontabschreckung als die Propaganda für Quark und Remarque."

Am 18.Oktober 1996, dem 100. Geburtstag Friedrich Hollaenders, eröffnete die Stiftung Archiv der Akademie der Künste, Berlin, eine Ausstellung, die sein Leben und Werk vor dem Hintergrund der Berliner Kabarett-Szene der zwanziger Jahre veranschaulichte. Die Ausstellung, die nun im Rahmen des Literaturprojekts der Stadt Augsburg in der Universitätsbibliothek Augsburg gezeigt wird, wurde weitgehend aus dem Fundus des Akademie-Archivs - in erster Linie aus dem künstlerischen Nachlaß Friedrich Hollaenders, den seine Tochter Melodie Hollaender der Akademie der Künste 1994 geschenkt hat - erarbeitet.

Als Komponist, Textdichter, Schauspieler und Regisseur, Schriftsteller, Theaterleiter und Pianist in einer Person hat Friedrich Hollaender die Populärkultur der zwanziger Jahre wie kein zweiter geprägt. Die von Volker Kühn konzipierte Ausstellung zeigt Berliner Kabarettgeschichte von Hollaenders Anfängen im Schall und Rauch, über die Zusammenarbeit mit so namhaften Künstlern wie Kurt Tucholsky, Walter Mehring, Klabund, Rosa Valetti, Trude Hesterberg, Rudolf Nelson, Marcellus Schiffer bis hin zu den großen Hollaender-Revuen und seiner Filmarbeit - nicht nur am Blauen Engel. Das Bild wird abgerundet mit der Darstellung seines späteren Schaffens im amerikanischen Exil sowie nach seiner Rückkehr nach Deutschland Mitte der fünfziger Jahre.

Eine Doppel-CD mit Kabarett-Chansons der zwanziger und frühen dreißiger Jahre, sowie eine begleitende Broschüre mit Bildmaterial und umfangreichem Werkverzeichnis ergänzen die Ausstellung.