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Gedenkveranstaltung am 11. Mai zum Jahrestag der Bücherverbrennung von 1933


Die Universitätsbibliothek lädt anlässlich des 78. Jahrestags der Bücherverbrennung für den 11. Mai 2011, 18.00 Uhr, zu einer Gedenkveranstaltung in der Zentralbibliothek ein. Der Eintritt ist frei.


Als Vortragende wurde die Germanistin Dr. Edda Ziegler von der Ludwig-Maximilians-Universität München gewonnen. Sie gibt in ihrem Buch Verboten - verfemt - vertrieben. Schriftstellerinnen im Widerstand gegen den Nationalsozialismus (Deutscher Taschenbuch Verlag 2010) in ausgewählten Porträts einen Überblick über die Schicksale der Autorinnen und ihrer Bücher. In der Gedenkveranstaltung wird Edda Ziegler die Schriftstellerinnen Mascha Kaleko, Else-Lasker-Schüler, Hilde Domin, Erika Mann und Anna Seghers vorstellen und aus deren Werken lesen.

Die in der benachbarten Teilbibliothek Geisteswissenschaften untergebrachte Sondersammlung Bibliothek der verbrannten Bücher wird an diesem Abend bis 22.00 Uhr zugänglich sein.

Die Universitätsbibliothek hat die "Bibliothek der verbrannten Bücher" 2009 von dem Sammler Georg P. Salzmann erworben. Sie wurde um das Ereignis der "Bücherverbrennung" 1933 herum aufgebaut und stellt ein Quellenreservoir ersten Ranges mit weltweiter Bedeutung für die Literatur der Zeit dar. Sie umfasst rund 12.000 Bände; die Werke der intensiv gesammelten Autorinnen und Autoren sind zu 90% in Erstausgaben vorhanden.Die Universitätsbibliothek hat die Sondersammlung inzwischen in Eigenleistung zum größten Teil erschlossen. Eigene Leseräume der Sondersammlung sind in der Teilbibliothek Geisteswissenschaften im Juli 2010 eröffnet worden.

 

Zum Hintergrund der Veranstaltung:

Am 10. Mai 1933 inszenierten die Nationalsozialisten in den Universitätsstädten sogenannte "Bücherverbrennungen", die von NS-Studentenorganisationen vorbereitet worden waren. Tausende von Bürgern waren damals Zeugen dieser Vorgänge mit nächtlichen Fackelzügen zu Plätzen mit Scheiterhaufen, auf denen Bücher ihrer Zeitgenossen brannten. Verbrannt wurden literarische Werke, die dem neuen Regime aus ideologischen und politischen Gründen missliebig waren, vor allem Werke, die sich für die Demokratie, für Liberalismus, für das Judentum, gegen Militarismus oder für Sozialismus und Kommunismus einsetzten. Auch Sachbücher wurden verbrannt. Diese Werke durften im Buchhandel nicht mehr angeboten werden. Damals begannen Ausgrenzung, Publikationsverbot, Vertreibung und Exil sehr vieler anerkannter Schriftstellerinnen und Schriftsteller aus Deutschland. Von jenen, die die Jahre des Exils überlebten, sind nach 1945 nur wenige nach Deutschland zurückgekehrt.

Erst spät hat ein größeres Publikum erfahren, dass Werke vieler Schriftstellerinnen in den Jahren nach 1933 ebenfalls verboten worden sind. Auch Frauen erlitten das Schicksal der Vertreibung und ihre Namen wurden aus der offiziellen Literaturgeschichte gelöscht. Nicht selten geschah dies kurze Zeit, nachdem sie etabliert waren oder erste Bucherfolge verzeichnen konnten. Das Weltbild des Nationalsozialismus reduzierte Frauen wieder auf die klassischen Rollen als Hausfrau, Gebärerin und Mutter. Die Schriftstellerinnen wurden vertreiben, weil sie Jüdinnen waren, wegen ihrer politischen Überzeugung oder wegen ihrer Art zu schreiben.

Zu den bekannteren Namen zählen die Lyrikerinnen Else Lasker-Schüler und Mascha Kaleko, die Erfolgsschriftstellerin Vicky Baum und die Prosaautorin Irmgard Keun. Kaum bekannt sind dagegen etwa Hermynia zur Mühlen, die "rote Gräfin" aus Wien, Veza Canetti aus Wien, die Ehefrau des Schriftsteller Elias Canetti, und die Ärztin Hertha Nathorff aus Laupheim, eine Nichte des Physikers Albert Einstein.

Meldung vom 04.05.2011